Kommentar: Ist Laschets Geschichte zu Ende erzählt?

Arbeiter entfernen am Tag nach der Bundestagswahl in Deutschland ein Wahlkampfplakat der CDU, das Armin Laschet zeigt

Kommentar: Ist Laschets Geschichte zu Ende erzählt?

Von Arne Hell

Nach der historischen Wahlniederlage seiner CDU ist die Zukunft von NRW Regierungschef Armin Laschet ungewiss. Neigt sich seine Zeit dem Ende zu?

Kanzler oder Hinterbänkler – das sind für Armin Laschet jetzt die Alternativen. Entweder er überzeugt Grüne und FDP und schmiedet eine Bundesregierung. Oder das war’s mit der ersten Reihe. Einfach weitermachen als Regierungschef in Nordrhein-Westfalen, das wird nicht funktionieren. Nicht nach diesem Wahlkampf und diesem Ergebnis.

Wer mit CDU-Politikern aus NRW spricht, der bekommt einen Eindruck davon, wie verbittert sie sind, dass es mit dem Kandidaten aus den eigenen Reihen so schlecht gelaufen ist. Sie haben sich geschlossen für ihn eingesetzt, gegen alle, die Markus Söder als Kanzlerkandidaten durchdrücken wollten. Sie waren davon überzeugt, dass Laschet ein guter Kanzler sein würde. Dass er ein so schlechter Wahlkämpfer gewesen ist, lässt sie frustriert zurück.

Die Sache mit dem Amtsbonus

Laschet hat gestern mehrmals gesagt, wie schwierig es gewesen ist, ohne Amtsbonus antreten zu müssen. Das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Denn Laschet hatte einen Amtsbonus – den des Ministerpräsidenten des größten Bundeslandes. Er hat es nur geschafft, diesen Bonus ins Gegenteil zu verkehren.

Selten hat ein NRW-Ministerpräsident so im Rampenlicht gestanden: Erst die quälende Corona-Pandemie. Dann die Flutkatastrophe. Und das alles während der laufenden Kanzlerkandidatur. Es ist doch klar, dass da jede Geste und jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Doch ob Armin Laschet das verinnerlicht hat, daran habe ich Zweifel, wenn ich an viele seiner Auftritte denke.

Er wirkte oft ausweichend, unter Druck teilweise patzig und unsouverän. Und er lieferte regelmäßig Widersprüchliches: Kündigte einen Brückenlockdown an, der nie kam. Stellte sich als oberster Kohleaussteiger hin, legte aber kein schlüssiges Konzept für wirksamen Klimaschutz vor. Er präsentierte ein Zukunftsteam, das danach unsichtbar war.

Verhängnisvolles Lachen

Sicher, nicht alles ist allein Laschets Schuld. Es war ganz offensichtlich auch ein schlecht geplanter Wahlkampf mit handwerklichen Fehlern. Und ohne eine zentrale Erzählung, warum dieser Mann Kanzler werden muss. Am Ende blieb ihm fast nur noch die Warnung vor Rot-Grün-Rot.

Als in Erftstadt im Juli nach der Flut der Toten gedacht wurde, vergaß Laschet, wo er war. Dieses Bild ist er nicht mehr losgeworden. Dieses unpassende, herzhafte Lachen im Angesicht der Katastrophe – es hat alle anderen Bilder danach überlagert. Weil es Laschets Schwächen so nachvollziehbar illustriert hat. Weil er für viele danach kein Kanzlerformat mehr hatte. Diese Niederlage ist Laschet am Ende persönlich anzulasten.

Die CDU in NRW wird ihn, nach allem was man hört, loswerden wollen. Es steht eine Landtagswahl an, im kommenden Mai. Die Partei kann nicht zulassen, dass die teilweise sehr ordentliche Regierungsarbeit von Laschets Image überschattet wird. Er dürfte gedrängt werden, sein Bundestagsmandat anzunehmen. Dann gäbe es kein Zurück mehr. Er müsste das Amt des Ministerpräsident niederlegen.

Eine kleine Chance bleibt ihm noch: Kanzler werden. Aber wahrscheinlicher ist, dass die Legende des Underdogs Laschet, der es am Ende doch immer irgendwie schafft, zu Ende erzählt ist.

Stand: 27.09.2021, 20:55