Bundestagswahl: SPD gewinnt auch in NRW

Bundestagswahl 2021 - Stimmanteile in NRW
CDUSPDAfDFDPLinkeGrüneAndere
26,029,17,311,43,716,16,5

Bundestagswahl: SPD gewinnt auch in NRW

Erstmals seit 2005 wird die SPD in NRW wieder stärkste Kraft bei einer Bundestagswahl. Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis vom Montag hat die CDU eine bittere Schlappe erlitten. Ministerpräsident Laschet (CDU) schneidet als Kanzlerkandidat im eigenen Bundesland schwach ab.

Die Sozialdemokraten sind in Nordrhein-Westfalen mit 29,1 Prozent der Stimmen wieder stärkste Kraft bei der Bundestagswahl. Das war der SPD in NRW zuletzt 2005 gelungen. Die CDU liegt mit 26,0 Prozent nur auf Platz zwei, eine schwere Niederlage für Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Laschet.

Die Grünen legten im Vergleich zur letzten Bundestagswahl mit 16,1 Prozent in NRW stark zu. Das landesweite Top-Ergebnis von 20 Prozent bei der NRW-Kommunalwahl 2020 können sie damit aber nicht wiederholen. Die FDP verliert mit 11,4 Prozent leicht, ebenso die AfD - sie holt mit 7,3 Prozent ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Die Linke bricht, ähnlich wie bundesweit, auf 3,7 Prozent regelrecht ein.

Das Wahlergebnis auf Bundesebene

Bundestagswahl 2021
UnionSPDAfDFDPLinkeGrüneAndere
24,125,710,311,54,914,88,7

Zugewinne für SPD und Grüne

In ihren Wahlkreisen in NRW konnten die Christdemokraten viele Direktmandate verteidigen, aber die Sozialdemokraten gewannen Wahlkreise hinzu - wie in Düsseldorf und im Bergischen Land. Die Grünen gewannen erstmals bei Bundestagswahlen in NRW Direktmandate - in Laschets Heimatstadt Aachen, in Bonn, Köln und in Münster.

Im Wahlkreis Aachen I beispielsweise gewann der Grünen-Politiker Oliver Krischer das Direktmandat mit 30,2 Prozent der Erststimmen. CDU-Gesundheitspolitiker Rudolf Henke kam hier nur auf 25,6 Prozent. Laschet selbst war nicht für ein Direktmandat angetreten.

Außerdem siegte der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach klar gegen seine CDU-Herausforderin Serap Güler, eine enge Vertraute Laschets, im Wahlkreis Leverkusen-Köln IV.

155 Abgeordnete aus Nordrhein-Westfalen im neuen Bundestag

64 Abgeordnete aus NRW ziehen per Direktmandat in den Bundestag ein: Jeweils 30 für CDU und SPD, erstmals auch vier für die Grünen. Dazu kommen weitere 91 über die Landeslisten gewählte Kandidaten. Insgesamt werden also 155 Abgeordnete aus NRW in den 20. Deutschen Bundestag einziehen.

Bei der letzten Bundestagswahl 2017 gewannen die Grünen gar kein Direktmandat, die CDU hatte mit 38 die meisten, während es für die SPD damals nur 26 waren.

Gewinner und Verlierer in NRW - Ergebnisse aus den Wahlkreisen

Wie haben bei der Bundestagswahl bekannte NRW-Kandidaten abgeschnitten? Erste Ergebnisse aus den Wahlkreisen.

Friedrich Merz (CDU) spricht ins Mikrofon

Friedrich Merz - Der CDU-Politiker kehrt in den Bundestag zurück. In seinem Wahlkreis im Hochsauerlandkreis gewinnt er das Direktmandat und holt 40,4 Prozent der Stimmen, der Sozialdemokrat Dirk Wiese 32,2 Prozent.

Friedrich Merz - Der CDU-Politiker kehrt in den Bundestag zurück. In seinem Wahlkreis im Hochsauerlandkreis gewinnt er das Direktmandat und holt 40,4 Prozent der Stimmen, der Sozialdemokrat Dirk Wiese 32,2 Prozent.

Rolf Mützenich - Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion gewinnt in seinem Wahlkreis in Köln (Köln III) mit 29,9 Prozent der Stimmen das Direktmandat - vor Katharina Dröge (28,3 Prozent) von den Grünen und Gisela Manderla von der CDU (18,6 Prozent).

Oliver Krischer - Der Grünen-Politiker Oliver Krischer hat im Heimatwahlkreis des Unionskanzlerkandidaten und CDU-Vorsitzenden Armin Laschet mit 30,2 Prozent der Stimmen das Direktmandat gewonnen. CDU-Gesundheitspolitiker Rudolf Henke kam auf rund 25,6 Prozent und die SPD-Kandidatin Ye-One Rhie auf 23,8 Prozent. Laschet selbst war nicht für ein Direktmandat angetreten.

Jens Spahn - Der amtierende Bundesgesundheitsminister hat seinen Wahlkreis Steinfurt-Borken I mit 40,0 Prozent vor Sarah Lahrkampf von der SPD mit 28,3 Prozent gewonnen.

Karl Lauterbach - Der prominente SPD-Gesundheitsexperte hat sich das Direktmandat für seinen Wahlkreis Leverkusen - Köln IV geholt - mit 45,6 Prozent der Stimmen. Weit abgeschlagen dahinter rangiert Serap Güler, die NRW-Integrations-Staatsekretärin von der CDU mit 20,4 Prozent der Stimmen.

Ralph Brinkhaus - Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erzielt in seinem Wahlkreis in Gütersloh 40,0 Prozent der Stimmen - und liegt damit vor Elvan Korkmaz-Emre von der SPD, die auf 25,8 Prozent der Stimmen kommt.

Alexander Graf Lambsdorff - Der FDP-Außenpolitiker landet in seinem Wahlkreis Bonn auf dem vierten Platz. Den Wahlkreis holt Katrin Uhlig (Grüne) mit 25,2 Prozent. Auf Platz zwei kommt Jessica Rosenthal mit 25,1 Prozent vor Christoph Jansen (CDU) mit 24,4 Prozent und Lambsdorff mit 12,6 Prozent.

Sven Lehmann - In seinem Wahlkreis Köln II hat der Grünen-Politiker sein Direktmandat klar mit 34,6 Prozent der Stimmen geholt, vor Sandra von Möller (CDU) mit 25,0 Prozent und Marion Sollbach (SPD) 19,7 Prozent.

Norbert Röttgen - Der prominente CDU-Politiker verteidigte seinen Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis mit 40,0 Prozent der Stimmen und lag nach Auszählung der Stimmbezirke vor Katja Stoppenbrink von der SPD (23,4 Prozent der Stimmen).

Anja Karliczek - Mit 34,0 Prozent der Stimmen im Wahlkreis Steinfurt III hat die Bundesbildungsministerin von der CDU ganz knapp das Direktmandat geholt - vor ihrem SPD-Herausforderer Jürgen Coße mit 31,1 Prozent der Stimmen.

Michelle Müntefering - Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Ehefrau des SPD-Urgesteins Franz Müntefering hat sich in ihrem Wahlkreis Herne - Bochum II mit 43,5 Prozent der Stimmen deutlich vor CDU-Herausforderer Christoph Bußmann (19,8 Prozent der Stimmen) durchgesetzt.

Carsten Linnemann - Im Wahlkreis Paderborn kann Carsten Linnemann, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, mit 47,9 Prozent der Stimmen einen klaren Sieg über seinen SPD-Herausforderer Burkhard Blienert feiern - Blienert kam auf 19,0 Prozent der Stimmen.

Christian Lindner - Der FDP-Bundesvorsitzende hat den Wahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis nicht holen können. Dort siegte mit 30,01 Prozent der Stimmen der CDU-Politiker Hermann-Josef Tebroke - vor SPD-Mann Kastriot Krasniqi mit 22,71 Prozent der Stimmen. Lindner erzielte 16,84 Prozent.

Agnes Strack-Zimmermann - Die Bundestagsabgeordnete der FDP und Parteikollegin von Christian Lindner landet in ihrem Wahlkreis Düsseldorf I mit 13,9 Prozent der Stimmen nur auf Platz vier. Sieger ist Thomas Jarzombek (CDU) mit 31,1 Prozent vor Zanda Martens (SPD) mit 22,4 Prozent und Frederik Hartmann (Grüne) mit 21,2 Prozent.

Paul Ziemiak - Der CDU-Generalsekretär gewinnt in seinem Wahlkreis Märkischer Kreis II mit 33,6 Prozent der Stimmen vor SPD-Herausfordererin Bettina Lugk (30,4).

Hermann Gröhe - Der frühere Bundesgesundheitsminister der CDU siegt im Wahlkreis Neuss I mit 35,8 Prozent der Stimmen vor Daniel Rinkert von der SPD (32,0).

Rau hatte deutlich mehr Amtsbonus als Laschet

Bundestagswahl - Wahlparty CDU/CSU

Bundestagswahl - Wahlparty CDU/CSU

Interessant ist auch ein Blick in die Geschichte: Laschet liegt mit seiner CDU nur knapp über dem Bundesergebnis der Union. Zum Vergleich: Johannes Rau (SPD), der letzte NRW-Ministerpräsident, der als Kanzlerkandidat seiner Partei antrat, verlor die Wahl 1987. Aber der Sozialdemokrat erreichte damals in NRW 6,2 Prozentpunkte mehr als die SPD im Bund.

Die Wahlberechtigten in Nordrhein-Westfalen haben ihrem Ministerpräsidenten 2021 eine deftige Abfuhr als Kanzlerkandidat erteilt. Am Montag berät die Landes-CDU in Düsseldorf über die Lage nach Laschets historischer Wahlniederlage. Die politische Zukunft von Armin Laschet, der nicht in einem Wahlkreis angetreten war, sondern auf ein Bundestagsmandat über die Landesliste hoffen muss, erscheint am frühen Montagmorgen offener denn je.

Stand: 27.09.2021, 09:43