Bundestagswahl in NRW: SPD und Grüne sind auch auf dem Land erfolgreich

Die Logos der Parteien SPD und Grüne auf vor dem Hintergrund einer NRW-Karte und dem Dorf Oberauel im Bergischen Land.

Bundestagswahl in NRW: SPD und Grüne sind auch auf dem Land erfolgreich

Der Wahlsieg der SPD in NRW ist auch darauf zurückzuführen, dass sie im Kerngebiet der CDU viele zusätzliche Stimmen holte, wie eine Analyse des WDR ergab. Die Grünen schafften es sogar, in jeder Kommune Gewinne einzufahren.

Erstmals wird die SPD seit 2005 wieder die stärkste Kraft bei einer Bundestagswahl. Auch Grüne und FDP können zulegen und gelten ebenfalls als Gewinner dieser Wahl.

Während die FDP in NRW im Gegensatz zum Bund ein leichtes Minus verzeichnet, erreichen SPD und Grüne noch bessere Werte als im bundesweiten Durchschnitt. Vor allem die Grünen können dadurch einen Rekordzuwachs im Vergleich zur Wahl 2017 verbuchen, als sie im Westen noch schlechter abschnitten als im Bund.

Wahlergebnisse in 396 Gemeinden und Städten

Doch wo und wie leben die Wähler, die die Sozialdemokraten wieder stark gemacht haben? In welchen Regionen konnten vor allem die Grünen punkten?

Um das herauszufinden haben wir uns die Wahlergebnisse in NRW nicht nur in den 64 Wahlkreisen angesehen, sondern in allen 396 Städten und Gemeinden des Landes. Diese glichen wir mit soziodemografischen Faktoren ab, die uns für die Kommunen vorlagen.

SPD holt größtes Plus auf dem Land

Bei der Analyse wird deutlich, dass die Sozialdemokraten die besten Ergebnisse in den Gebieten holen konnten, in denen man es auch erwartet hätte - nämlich in dicht besiedelten Städten und Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit*. Nicht selbstverständlich in den vergangenen Jahren, jetzt aber wieder ein Fakt: Die SPD konnte bei ihrem Stammklientel wie im Ruhrgebiet punkten.

Die großen Zugewinne im Verhältnis zur Wahl 2017 holte sich die SPD aber im Kerngebiet der CDU - auf dem Land.

Von den zehn Gemeinden, in denen die SPD die größten Zuwächse verzeichnet, haben gerade mal drei mehr als 10.000 Einwohner. Orte wie Rosendahl, Südlohn und Schöppingen im Münsterland sind zwar noch immer fest in der Hand der Union, doch im Gegensatz zu 2017 kam die CDU dort nicht mehr über einen Anteil von 50 Prozent der Wählerstimmen. Stattdessen konnte sich die SPD dort weit mehr als 20 Prozent der Stimmen sichern.

Viele Ein-Personen-Haushalte - weniger SPD-Wähler

Zudem konnten sich die Sozialdemokraten auf dem Land auch in Regionen verbessern, in denen die Arbeitslosigkeit sehr niedrig war.

In den Städten wiederum, in denen traditionell die Stammwähler der Sozialdemokraten leben, stiegen die Chancen der SPD gewählt zu werden, je höher die Arbeitslosenquote war. Gleichzeitig wurden sie besonders in den Stadtbezirken gewählt, in denen der Anteil der Ein-Personen-Haushalte geringer war.

Grüne fahren landesweit nur Gewinne ein

Dieser Faktor spielte hingegen den Grünen in die Karten: Sie holten besonders viele Stimmen in den Stadtbezirken, in denen die Zahl der Ein-Personen-Haushalte hoch war. Nicht punkten konnten sie in städtischen Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit.

Dennoch verzeichneten die Grünen die größten Zugewinne dort, wo sie schon zuvor erfolgreich waren: in den großen Städten. In Münster beispielsweise, schon immer eine Hochburg der Grünen, schaffte es die Partei, ihr verhältnismäßig gutes Ergebnis von 14,6 Prozent im Jahr 2017 mehr als zu verdoppeln.

Auch in Köln, Düsseldorf, Bonn, Aachen, Bielefeld, Paderborn und selbst Bochum, wo man nicht unbedingt die grüne Stammwählerschaft vermutet, verzeichnen die Grünen zweistellige Gewinne. Das Bezeichnendste aber ist, dass sich das Wahlergebnis der Grünen in jeder der 396 Gemeinden und Städte in NRW verbessert hat.

Selbst in kleinen Orten wie Roetgen (Städteregion Aachen), Laer (Kreis Steinfurt) oder Alfter (Rhein-Sieg-Kreis) mit hoher Pendlerquote und PKW-Dichte erreichten die Grünen einen Stimmanteil von fast 20 Prozent.

* Da die Agentur für Arbeit die Arbeitslosenquote nicht für Gemeinden mit weniger als 15.000 zivilen Erwerbspersonen veröffentlicht, mussten wir den Anteil der Arbeitslosen für einen Teil der Gemeinden in NRW schätzen. Dafür haben wir errechnet, wie viele zivile Erwerbspersonen in NRW im Durchschnitt auf die Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 65 Jahren kommen. Mit dem errechneten Mittelwert und der absoluten Zahl der Arbeitslosen in den Kommunen konnten wir dann einen Schätzwert ermitteln.

Das Team des Projekts "So hat Ihre Gemeinde gewählt" und der soziodemografischen Wahlanalyse:

René Bucken, Raimund Groß, Jannes Höke, Nandor Hulverscheidt, Jörn Kießler, Kathrin Ohlmann, Elena Riedlinger, Peter Schneider und Urs Zietan.

Mit freundlicher wissenschaftlicher Beratung von Prof. Dr. Bernd Schlipphak, Institut für Politikwissenschaften, Universität Münster.

Stand: 28.09.2021, 06:00