Soziodemografische Daten zur Bundestagswahl: So haben wir gearbeitet

Mehrere Menschen sitzen vor Bildschirmen in einem Großraumbüro und telefonieren.

Soziodemografische Daten zur Bundestagswahl: So haben wir gearbeitet

Um zu schauen, wie die Menschen in NRW leben und welche Rolle das bei der Bundestagswahl 2021 gespielt hat, haben wir tausende Daten gesammelt und miteinander verglichen. So sind wir im WDR dabei vorgegangen.

Für welche Partei die einzelnen Menschen in NRW bis Sonntagabend gestimmt haben, können wir nicht sagen. Wir haben sie weder befragt, noch können wir ihre Stimmzettel lesen. Was wir hingegen kennen, ist die soziale Struktur einzelner Gemeinden und Stadtbezirke, in denen die 12,8 Millionen wahlberechtigten Menschen in NRW leben.

Das lässt Schlüsse darauf zu, welche Aspekte bei der Wahlentscheidung eine Rolle gespielt haben. Hierzu haben wir in einer Datenbank für NRW tausende soziodemografische Daten gesammelt und kombinieren sie mit ebenfalls tausenden Wahlergebnissen.  

Woher kommen die Daten für die Gemeinden?

Wir haben viele Strukturdaten für jede einzelne NRW-Gemeinde bzw. Stadt recherchiert – Dinge wie: Bevölkerungsdichte, PKW-Bestand, Ausländer:innen-Anteil, Anteil der Kinder und Jugendlichen, durchschnittliches verfügbares Einkommen pro Person, kommunale Verschuldung. Die meisten dieser Daten sind in offiziellen Datenbanken zu finden – etwa in der Landesdatenbank NRW (https://landesdatenbank.nrw.de/) oder der Regionaldatenbank Deutschland (https://www.regionalstatistik.de/genesis/online).  

Eine Besonderheit sind dabei die Arbeitslosenquoten, denn diese legt die Bundesagentur für Arbeit zwar jährlich für viele Gemeinden vor - aber nicht für kleinere mit weniger als 15.000 Erwerbspersonen (bis etwa 20-25.000 Einwohner:innen). Daher haben wir an dieser Stelle aus den vorhandenen absoluten Arbeitslosenzahlen und dem Bevölkerungsanteil von Personen zwischen 18 und 65 Jahren eine Arbeitslosenquote geschätzt. Ansonsten wären weite Teile von NRW bei der Analyse der Arbeitslosenquoten unberücksichtigt geblieben. 

Und in den Großstädten?

In den Großstädten von NRW lebt ein gewichtiger Anteil der Menschen und zugleich sind Wirtschafts- und Sozialstruktur in den Städten anders als in kleinen Gemeinden – sie sind aber auch unterschiedlich innerhalb der einzelnen Städte selbst. Beispiel Köln: Die Menschen im eher reichen und teilweise ländlichen Stadtbezirk Rodenkirchen leben und wählen vermutlich ganz anders als im urbanen Bezirk Nippes oder im von Arbeitslosigkeit betroffenen Bezirk Chorweiler.  

Deswegen haben wir versucht bei den Verwaltungen der 15 größten NRW-Städte die gleichen Daten auch für alle Stadtbezirke zu bekommen. Diese liegen jedoch nicht flächendeckend und einheitlich vor, so dass wir für unsere Analysen zu diesen Bereichen nicht ganz so viele Kriterien berücksichtigen können. Wir erwarten uns dennoch interessante Ergebnisse. 

Wie funktioniert unsere Analyse?

Um die gesammelten Strukturdaten mit den aktuellen Wahlergebnissen der Bundestagswahl zu verknüpfen, werden wir mit Hilfe eines statistischen Verfahrens - der multivariaten Regression - berechnen, ob und wenn ja welche soziodemografischen Daten in Zusammenhang mit den Wahlergebnissen stehen.

Um sicher zu sein, dass beispielsweise die Menge der PKW pro 1.000 Einwohner auch tatsächlich eine Rolle für den Ausgang der Wahl spielt, überprüfen wir statistisch die Signifikanz unserer Ergebnisse. Nur wenn wir mit mehr als 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit ausschließen können, dass ein Zusammenhang zwischen zwei Variablen auf Gemeindeebene zufällig besteht, gehen wir davon aus, dass es diesen Zusammenhang auch wirklich gibt.

Auf Ebene der Stadtbezirke haben wir aufgrund des kleineren Datenumfangs dieses Signifikanzlevel auf 90 Prozent gesenkt.

Bei unseren statistischen Analysen haben wir uns regelmäßig von Prof. Bernd Schlipphak beraten lassen. Er ist Professor für empirische Methoden der Sozialwissenschaft am Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster.

Das Team des Projekts "So hat Ihre Gemeinde gewählt" und der soziodemografischen Wahlanalyse:

René Bucken, Raimund Groß, Jannes Höke, Nandor Hulverscheidt, Jörn Kießler, Kathrin Ohlmann, Elena Riedlinger, Peter Schneider und Urs Zietan.

Mit freundlicher wissenschaftlicher Beratung von Prof. Dr. Bernd Schlipphak, Institut für Politikwissenschaften, Universität Münster.

Stand: 25.09.2021, 06:00