Bundestagswahl: Jeder Zweite beantragt Briefwahl

Bundestagswahl: Jeder Zweite beantragt Briefwahl

Am 26. September wird der neue Bundestag gewählt. Viele Menschen werden ihre Stimme zu dieser Wahl aber schon vorher abgeben - per Briefwahl. Die Kommunen rechnen mit einer Quote von mindestens 50 Prozent.

Die Briefwahl boomt. Bei der Bundestagswahl könnten in diesem Jahr so viele Menschen per Brief wählen, wie noch nie zuvor.

Wie wird die Briefwahlquote in NRW sein?

Christof Sommer, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW, sagte im WDR rund drei Wochen vor der Wahl eine Briefwahlquote von rund 50 Prozent voraus.

Bundestagswahl: Boom bei der Briefwahl

WDR 5 Morgenecho - Interview 04.09.2021 05:30 Min. Verfügbar bis 04.09.2022 WDR 5


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Seit einer Woche können die Briefwahlanträge gestellt werden, und in den meisten Städten und Gemeinden in NRW liege man jetzt schon über der gesamten Briefwahlquote von 28,6 Prozent der Bundestagswahl 2017. Sommer geht "sicher davon aus", dass es bei dieser Wahl an die 50 Prozent werden.

Auch das Landeswahlamt rechnet mit einem "spürbar höheren Briefwahlanteil bei der kommenden Bundestagswahl in NRW". Den Trend habe man schon letztes Jahr bei der Kommunalwahl gesehen. Fast 43 Prozent haben da in NRW per Brief gewählt. Das war Rekord und lag vermutlich daran, dass viele Menschen einfach dankbar waren, in Pandemiezeiten nicht ins Wahllokal zu müssen, sondern bequem zu Hause das Kreuz machen zu können.

Warum wird die Briefwahlquote so hoch sein?

Christof Sommer sieht dafür zwei Hauptgründe. Erstens wollten viele Menschen wegen Corona einfach noch Kontakte vermeiden und entscheiden sich deshalb für die Briefwahl. Und zweitens sei das auch ein allgemeiner Trend. Die Zahl der Briefwähler steige seit Jahrzehnten. Dies liegt seiner Meinung nach daran, dass die Menschen mobiler und flexibler werden. In den 1960er-Jahren lag die Briefwahlquote noch bei etwa 5 Prozent. Seit Jahrzehnten steigen die Zahlen kontinuierlich an.

Was bedeutet der Briefwahl-Boom logistisch?

Wenn wirklich so viele Menschen wie noch nie bei einer Bundestagswahl per Brief ihre Stimme abgeben, dann bedeutet das natürlich einen großen logistischen Aufwand. Die Deutsche Post sagt, sie ist vorbereitet – sogar für eine deutschlandweite Briefwahl-Quote von 60 Prozent. Deutsche Post-Vorstand Tobias Meyer versichert: "Wir haben uns seit langem gut auf das Superwahljahr 2021 vorbereitet und werden alle Wahlbriefe pünktlich zustellen, die uns rechtzeitig erreichen." Mit dem höchsten Aufkommen rechnet die Post kurz vor der Wahl - an diesen Tagen werde man verstärkt kontrollieren, dass die Briefkästen nicht überfüllt sind.

Und was bedeutet er politisch?

Früher hatten die Parteien und Kandidaten mehr Zeit, um Schnitzer und Fettnäpfchen im Wahlkampf wieder auszubügeln. "Parteien müssen sich darauf einstellen, dass Wahlen nicht am Wahltag gewonnen werden, sondern auch in den Wochen davor", erklärte Politikwissenschaftler Stefan Marschall von der Uni Düsseldorf dem WDR. Allerdings kann das den Kandidaten auch helfen: Wenn sie kurz vor dem Wahltag unangenehm auffallen, haben viele Menschen ihre Stimme längst abgegeben.

Was bedeutet das für die Kommunen?

Vor allem brauchen die Kommunen für die Auszählung mehr Personal am Wahlabend. Denn die Wahlhelfer müssen Tausende zusätzliche Wahlumschläge öffnen, was bei der Masse an per Post abgegebenen Stimmen eine Menge Arbeit bedeutet. Doch freiwillige Wahlhelfer sind schwer zu bekommen - viele Kommunen werben daher schon seit Monaten für den "Dienst an der Demokratie".

Was passiert mit meinem Wahlbrief, wenn ich ihn abgeschickt habe?

Der wird zentral mit allen anderen Briefen beim lokalen Wahlleiter gesammelt - zum Beispiel bei der Bürgermeisterin oder dem Stadtrat. Erst am Wahltag selbst kommen alle Briefe auf den Tisch und werden ausgezählt. Dabei gilt laut Landeswahlamt mindestens das Vier-Augen-Prinzip, und wenn etwas unklar sei, dann müsse immer der Wahl-Vorstand mit zugezogen werden.

Mit der Deutschen Post ist laut Bundeswahlamt vereinbart, dass selbst Wahlbriefe noch zugestellt werde, die am Tag vor der Wahl in den Briefkasten geworfen wurden. Zur Not könne man den roten Umschlag am Wahltag selbst auch noch persönlich abgeben - zum Beispiel im Rathaus.

Stand: 04.09.2021, 18:04