Bundeskartellamt nimmt Spritpreise unter die Lupe

Stand: 13.04.2022, 17:02 Uhr

Der März war der teuerste Spritmonat aller Zeiten. Jetzt untersucht das Bundeskartellamt in Bonn den Kraftstoffmarkt. Denn trotz gesunkener Rohölpreise sind Diesel und Benzin immer noch verhältnismäßig teuer.

Von Jörg Sauerwein

„Verwerfungen auf dem Kraftstoffmarkt“

Der Blick auf die Zapfsäule dürfte so manchem Autofahrer Tränen in die Augen getrieben haben. Zeitweise kostete der Liter Diesel oder Super im März schon fast 2,40 Euro. Mit Beginn des Ukraine-Kriegs waren die Rohölpreise drastisch gestiegen und damit auch die Preise an der Tankstelle. Warum die Spritpreise aber nicht genauso wieder sinken, obwohl die Rohölpreise fallen, das wollen die Kartellwächter jetzt genau wissen.

Welche Faktoren spielen an den Raffinerien, im Großhandel und bei den Tankstellen eine Rolle? Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamtes in Bonn, verspricht sich nach den „Verwerfungen im Kraftstoffmarkt“ in den vergangenen Wochen jetzt mehr Transparenz durch die so genannte Sektoruntersuchung. Denn auch für ihn war und ist die Entwicklung bei den Spritpreisen nicht mehr nachvollziehbar.

Vorwurf der Preisabsprachen

Schon lange wird den Mineralölkonzernen immer wieder vorgeworfen, dass sie ihre Preise absprechen. Dafür aber habe man nie wirkliche Anzeichen gefunden, sagt Mundt. Allerdings handele es sich hier auch um einen sehr transparenten Markt, denn jeder könne jederzeit sehen, wie sich die Preise entwickeln – deshalb seien Absprachen wohl gar nicht nötig.

Möglicherweise können die Kartellwächter bei ihrer Untersuchung jetzt aber Auffälligkeiten erkennen, die zur Folge haben, dass viele Autofahrer gerade tiefer in die Tasche greifen müssen. Dann könnte ein Ergebnis der Sektoruntersuchung zum Beispiel lauten, dass es im Moment gar nicht die richtigen Instrumente gibt, um bei den Spritpreisen etwas zu tun: „Aber dass man sie vielleicht schaffen könnte“, ergänzt Andreas Mundt, denn der Gesetzgeber hätte dann einen Ansatzpunkt, um künftige Preisspiralen beim Sprit zu verhindern.

Sparen durch richtiges Tanken

Die Untersuchung wird wohl mindestens einige Monate dauern. Das hilft den Autofahrern jetzt erst mal wenig. Mit einigen Tipps lasse sich aber gerade jetzt schon deutlich beim Tanken sparen, sagen die Wettbewerbshüter der Bonner Behörde. Der am Dienstag veröffentlichte Jahresbericht der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe berichtet zum Beispiel, dass allein an einem Tag in einer einzigen Stadt der Spritpreis je nach Tankstelle und Uhrzeit um bis zu 24 Cent schwanken kann.

Bundeskartellamt zu Spritpreisen

00:53 Min. Verfügbar bis 13.04.2023

„Nutzen sie eine Spritpreis-App“, empfiehlt der Chef des Kartellamts deshalb und Mundt ergänzt, es sei außerdem ratsam, nie morgens zu tanken, wenn die Preise am höchsten sind. Tendenziell seien sie zwischen 18 und 22 Uhr am niedrigsten. Außerdem solle man vom Tanken an der Autobahn absehen, da es dort Zuschläge von bis zu 25 Prozent gebe.

Bundeskartellamt nimmt Mineralölsektor unter die Lupe

03:25 Min. Verfügbar bis 12.04.2023


Spritpreise sollen ab Juni sinken

Immerhin eine gute Nachricht gibt es für Autofahrer: Ab Juni will die Bundesregierung mit einer Steuersenkung die Spritpreise drücken. Diese Senkung soll dann für drei Monate bis Ende August gelten. Das Bundeskartellamt will dabei genau beobachten, ob die Steuersenkungen auch von den Mineralölkonzernen an die Autofahrer weitergegeben wird.

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen