"Aufbruch Fahrrad": Wenn Bürger selber Fahrradwege bauen

"Aufbruch Fahrrad": Wenn Bürger selber Fahrradwege bauen

Von Nina Giaramita / Ingo Neumayer

  • Volksinitiative "Aufbruch Fahrrad" erfolgreich
  • Über 200.000 Unterschriften für Stärkung des Radverkehrs gesammelt
  • Viele Radwege bisher von Bürgern realisiert

Mehr als 200.000 Menschen haben in Nordrhein-Westfalen eine Volksinitiative für die Stärkung des Radverkehrs unterstützt. Ganz genau seien 206.687 Unterschriften zusammengekommen, teilten die Initiative Radkomm und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) NRW am Samstag (01.06.2019) in Köln mit.

"Damit ist unsere Volksinitiative 'Aufbruch Fahrrad' die erfolgreichste Unterschriftensammlung für das Fahrrad in ganz Deutschland", sagte die Radkomm-Vorsitzende Ute Symanski. Die Unterschriften sollen am Sonntag dem Landtag in Düsseldorf übergeben werden.

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Bürger bauen selbst Radwege

Das Bündnis "Aufbruch Fahrrad" fordert unter anderem, den Radanteil am Verkehr bis 2025 auf 25 Prozent zu erhöhen. Das heißt: vor allem einen schnelleren Ausbau von Rad- und Radschnellwegen. Dieser Ausbau wurde in den letzten Jahren nicht selten den Bürgern selbst überlassen - mittels sogenannter Bürgerradwege. Auf die Art und Weise sind vor allem in ländlichen Regionen in NRW auf rund 340 Kilometern Radwege entstanden.

Erstes Projekt im Münsterland

Das erste Projekt war ein Radweg im Münsterland. Sechs Kilometer lang wurde die Radstrecke und entstand 2003 durch den ehrenamtlichen Arbeitseinsatz von 6.000 Stunden. "Es war eine Riesen-Aktion, an der etwa 300 Bürger beteiligt waren", so ein Sprecher von Straßen.NRW.

Bis heute läuft es oft so wie damals: Freiwillige spenden Zeit und zum Teil auch Geld, und lokale Bauunternehmen stellen Bagger und Material zur Verfügung. Bei Projekten dieser Art beteiligt sich Straßen.NRW mit derzeit 80.000 Euro pro Kilometer; von den Kreisen und Kommunen kommen oftmals weitere Fördermittel.

Großprojekt Nordbahntrasse

Bedingung für eine Landesförderung ist allerdings tatsächlich die Eigeninitiative vor Ort. "Oftmals handelt es sich dabei um Familien, denen die Sicherheit ihrer Kinder am Herzen liegt", sagt der Landesbetrieb. Meist geht es um kleinere Streckenabschnitte oder einen Lückenschluss.

Längst wurden aber auch größere Projekte von Bürgern in Angriff genommen. Prominentestes Beispiel ist die Wuppertaler Nordbahntrasse - 22 Kilometer lang. Über Jahre hinweg kämpfte eine Bürgerinitiative für die Umnutzung der stillgelegten Eisenbahntrasse.

Keine Geduld mehr

"Die Ungeduld der Bürger ist inzwischen einfach riesig", so Harald Schuster. Er ist einer der Initiatoren von "Aufbruch Fahrrad" und der Überzeugung, dass es eigentlich Aufgabe der öffentlichen Hand sei, die Rad-Infrastruktur zu schaffen. Aber da musste man bisher zum Teil Jahrzehnte warten - für viele eine zu lange Zeit.

Stand: 01.06.2019, 13:10

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