Von Gorleben nach Lützerath: 470 km wandern gegen Braunkohle

Von Gorleben nach Lützerath: 470 km wandern gegen Braunkohle

In 26 Etappen über 470 Kilometer will ein Bündnis aus Umweltinitiativen und christlichen Gruppen vom Wendland bis ins Rheinland laufen, um gegen den Braunkohle-Abbau zu protestieren.

Die Wanderschuhe sind geschnürt, Proviant und Zelte gepackt: Mehrere Aktive aus verschiedenen Initiativen und christlichen Gruppen wollen sich heute auf eine ganz besondere Reise machen. Sie wandern vom Wendland bis ins Rheinland. Es ist ein Protest und eine Pilgerreise für das Klima und gegen den Braunkohle-Abbau.

470 Kilometer in vier Wochen

Rund vier Wochen werden sie unterwegs sein und dabei 470 Kilometer zurücklegen. Eine von ihnen ist Bina Friedrich aus Hamburg. Andere reisen jetzt ans Meer, Bina Friedrich läuft jetzt jeden Tag 10 bis 30 Kilometer. "Es gibt Dinge, die kann man einfach nicht aufschieben", sagt sie. "Der Braunkohletagebau muss aufhören, wenn wir die Klimakrise bewältigen wollen."

Eine Handvoll Pilger wird sich nun jeden Tag auf den selbst ernannten "Kreuzweg für die Schöpfung" machen und darauf hoffen, dass sich möglichst viele Mitläufer auf den 26 Etappen finden. "Jeder kann mitlaufen. Wir hoffen auf 20 bis 50 Leute im Durchschnitt", sagt Bina Friedrich. Als Symbol des Widerstands wollen die Teilnehmer auf ihrem Weg ins Rheinland ein 1,80 großes Kreuz tragen. Geschlafen wird in Zelten oder Gemeindehäusern.

Ziel der Wanderung: Lützerath

Bagger reißen ein Haus ein

Abriss des Dorfes Lützerath

Am 16. Juli 2021 soll der Protestzug dann NRW erreichen. Ziel des Marsches ist am 1. August Lützerath, ein bedrohtes Dorf an der Tagebaukante Garzweiler. Die Umsiedlung von Lützerath läuft seit fast 15 Jahren, die meisten Häuser stehen leer. Auf dem Weg dorthin geht es vorbei am Atomkraftwerk Grohnde, dem neuen Kohlekraftwerk Datteln 4, der RWE-Zentrale in Essen und der Landesregierung in Düsseldorf.

Viele Gottesdienste an der Kante

Mit in Gorleben dabei ist auch Cornelia Senne, evangelische Theologin aus dem Rheinland. Sie hält seit einem Jahr für die Initiative "Kirche im Dorf lassen" Gottesdienste "an der Kante" zum Tagebau Garzweiler. Thema ihrer Predigten ist auch der Schutz der Dörfer und seiner Menschen. Denn für den Tagebau müssen etliche Siedlungen weichen.

Jahrzehntelange Proteste: Wurzeln der Anti-AKW-Bewegung

Mit ihrem "Kreuzweg" wollen die Organisatoren auch an die langjährigen Proteste der Anti-AKW-Bewegung erinnern: Schon 1988 trugen Aktivisten aus Wackersdorf ein Kreuz nach Gorleben. "Der gleichzeitige Ausstieg aus Kohle, Gas und Atom ist zwingend notwendig - und auch machbar, wie viele Projekte zeigen" sagt Elisabeth Hafner-Reckers, stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg.

Nach jahrzehntelangen Protesten ist ein Atommüll-Endlager in Gorleben nicht mehr in der Diskussion, der Salzstock schied im vergangenen Jahr wegen geologischer Mängel aus der bundesweiten Suche aus.

Stand: 04.07.2021, 13:36

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