EU-Austritt: Briten in NRW zwischen Sorge und Gelassenheit

Colin Shepard

EU-Austritt: Briten in NRW zwischen Sorge und Gelassenheit

Von Katja Goebel

  • Was ändert der Brexit für Briten in NRW?
  • Bemerken sie jetzt schon Veränderungen?
  • Wir haben drei von ihnen getroffen

"Ich kann das Wort Brexit nicht mehr hören," sagt Colin Shepard. Seit über 20 Jahren lebt der Brite in Deutschland, war in Mülheim/Ruhr als Soldat stationiert und ist dann im Ruhrgebiet hängen geblieben – der Liebe wegen. Doch erst seit Kurzem hat er neben dem britischen Pass auch einen deutschen in der Schublade.

Austritt bringt ganz neue Fragen

Er habe sich nie für Politik interessiert, so Colin. Doch auf einmal muss er. Ist er in England zu Besuch, streite er mit seinem Bruder über die Labour-Partei.

Und auch zuhause in Deutschland gab es plötzlich so viele Fragen. Wird der Führerschein noch anerkannt? Wie steht es bald mit Besuchen im Ausland. Ist die Rente sicher? "Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Brexit gut für England ist."

Pendler zwischen den Ländern

Michael Moseley und Silke Oehler

Sorgen sich: Michael Moseley und Silke Oehler

Für Michael Moseley und Silke Oehler ist die Situation gerade noch komplizierter. Der Brite pendelt zwischen England und Deutschland. Er arbeitet in London, hat aber mit seiner Freundin Silke im Ruhrgebiet gerade ein Haus gekauft.

"Ohne Brexit hätten wir das nicht gemacht", sagt Silke, die als freie Übersetzerin arbeitet und zehn Jahre in London gelebt hat. "Die Stimmung in England ändert sich, Unternehmen wandern ab, Arbeitnehmerrechte werden aufgeweicht." Ausländer erlebten plötzlich Anfeindungen. "Sogar in London."

"Brexit macht mich nervös"

Viele Leute hätten sich mit ihrer Stimme für den Brexit gegen die Freizügigkeit im Land entschieden. Vor allem mit Blick auf Migranten. "Aber sie haben damit auch ihre eigene Freiheit beschnitten."

Und was, wenn ihr Partner irgendwann nach England zurück wolle und sie vielleicht nicht mit dürfe? "Der Brexit macht mich wirklich nervös."

Mitglied in deutscher Nationalmannschaft

Colin Rice aus Krefeld kommt gerade vom Familienbesuch aus dem südenglischen Essex. Er hat Würstchen und Tee eingekauft. "Weil die Teebeutel drüben größer sind."

Colin Rice

Keine Angst vor dem Brexit: Colin Rice

Dem EU-Austritt seines Heimatlandes sieht er gelassen entgegen. Schon lange hat er neben der britischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft – damals beantragt, weil er unbedingt für die deutsche Nationalmannschaft bei Darts-Meisterschaften starten wollte.

Familie stimmte für Brexit

"Meine Schwestern haben für den Brexit gestimmt", sagt der 64-Jährige. Und er könne das verstehen. Das sei eben die Generation, die noch ein anderes England erlebt habe. "Wenn man mich aber irgendwann vor die Wahl stellen sollte, einen Pass wieder abzugeben, würde ich den deutschen behalten. In meinem Herzen bleibe ich aber Engländer."

Stand: 29.01.2020, 06:00

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen