Brandschutz bei Hochhäusern: Was läuft da schief?

Brandschutz: Feuerlöscher / Hochhaus in Duisburg

Brandschutz bei Hochhäusern: Was läuft da schief?

  • Hochhäuser wegen Brandschutzmängeln sofort geräumt
  • Was läuft da schief?
  • Anworten gibt ein Brandschutzexperte

Was mitnehmen, wenn nur vier Stunden zum Verlassen der Wohnung bleiben? Mehr als 200 Bewohner zweier Duisburger Hochhäuser standen am Donnerstag (14.02.2019) vor genau dieser Frage.

Gutachter hatten festgestellt, dass sich Rauch wegen offener Schächte ungehindert im gesamten Haus ausbreiten könne. Das erschwere auch die Rettung durch die Feuerwehr.

Viele Bewohner empfanden die Räumung als Zumutung. "Mir haben sie meinen Hund abgenommen, der ist jetzt im Tierheim. Mir geht es total beschissen", sagte eine Mieterin, die ihr Haustier nicht in die Notunterkunft mitnehmen durfte, dem WDR.

Wie viel mehr an Brandschutz macht tatsächlich Sinn?

Dok 5 - Das Feature Staffel 1, Folge 1 15.02.2019 52:32 Min. WDR 5 Von Melahat Simsek

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Dirk Aschenbrenner, Präsident der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (VFDB) und Direktor der Feuerwehr Dortmund, erklärt, wie es zu solchen Situationen kommt.

WDR: In NRW werden immer noch Brandschutzmängel entdeckt, obwohl das Problem spätestens seit dem Londoner Hochhausbrand von 2017 bekannt ist. Wie kann das sein?

Dirk Aschenbrenner: Zum Beispiel lassen Veränderungen an der baulichen Substanz Mängel zutage treten. Oder man bekommt durch Bauarbeiten zufällig Einblicke in Bereiche, die einem bei der normalen Brandschau verborgen geblieben wären. Oder es gibt konkrete Hinweise von Bewohnern.

WDR: Kann man den Behörden Versäumnisse vorwerfen?

Aschenbrenner: Ich gehe davon aus, dass die Behörden ihrer Prüfpflicht immer gut nachkommen und dass es eher Sachgründe sind, die dazu führen, dass Mängel auch verzögert zutage treten.

WDR: Warum gibt es bei Hochhaus-Räumungen wie in Duisburg keinen Vorlauf?

Aschenbrenner: Ein Feuer kann zu jeder Zeit ausbrechen. Wenn eine konkrete Gefahr für Leib und Leben besteht, müssen die Bewohner in Sicherheit gebracht werden, bis der Mangel abgestellt ist. Das ist aber der absolute Ausnahmefall. Bei geringfügigeren Mängeln bekommt der Betreiber von der Bauordnung die Auflage, innerhalb einer Frist die Mängel zu beseitigen. Die Bewohner können dann auch im Gebäude verbleiben.

WDR: Sehen Sie Möglichkeiten, sofortige Räumungen zu vermeiden und den Brandschutz trotzdem zu gewährleisten?

Aschenbrenner: Diesen Abwägungsprozess durchlaufen wir immer. Das Mittel der Räumung eines Gebäudes ist das schwerwiegendste und greift sehr stark in die Rechte der betroffenen Personen ein. Wenn es eine Möglichkeit gibt, den Mangel zu beseitigen, um damit der Räumung zuvorzukommen, wird dieses Mittel auch gewählt.

WDR: Was halten Sie davon, Brandwachen aufzustellen statt Gebäude zu evakuieren?

Aschenbrenner: Das kann in bestimmten Bereichen in kleinerem Umfang eine Übergangslösung sein, bei sehr komplexen Situationen aber eher nicht.

Das Interview führte Dominik Reinle.

Stand: 15.02.2019, 16:07

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