Brandschutz in Kirchen - NRW lässt Möglichkeiten ungenutzt

Brandschutz in Kirchen - NRW lässt Möglichkeiten ungenutzt

Von Nina Magoley

  • Brandgefahr in überfüllten Kirchen in NRW
  • Brandschutzgesetze gelten nur wenig
  • Gottesdienst für viele festes Heiligabend-Ritual

Heiligabend wird es in vielen Kirchen eng: Weihnachtsgottesdienste locken mit feierlicher Stimmung, oft stehen Besucher dicht gedrängt zwischen den Bänken.

Was sich die wenigsten klarmachen: Eine überfüllte Kirche kann im Brandfall zur gefährlichen Falle werden. Versperrte Fluchtwege, keine Notausgänge, ungehinderte Rauchentwicklung. "Wenn eine Kirche schnell geräumt werden muss, sieht es böse aus" sagt Karsten Voshage von der Evangelischen Fachstelle für Arbeits- und Gesundheitsschutz (EFAS).

Feuerwehr oft machtlos

Eine Tür im Limburger Dom mit einem Zettel "Notausgang Riegel öffnen"

Notausgang im Limburger Dom

Die Feuerwehr ist oft machtlos: Kirchtürme überragen meist die Reichweite eines Löschstrahls um ein Vielfaches. Rauch kann sich in offenen Kirchenräumen ungehindert ausbreiten, den zweiten Notausgang suche man meist vergebens. "Dafür will auch keiner ein Loch in die Wand brechen", so Voshage.

Brandschutzvorschriften gelten hier nicht: Laut Landesbauverordnung zählen Kirchen zu den "großen Sonderbauten", für die das Gesetz Erleichterungen vorsieht - so auch beim Brandschutz oder bei Rettungswegen.

Außerdem würden Kirchenbauten nicht regelmäßig von Bauaufsichtsbehörden überprüft, sagt ein Sprecher des NRW-Bauministeriums. Vielmehr seien die Betreiber selber verantwortlich für die Sicherheit der Besucher.

Tickets für Weihnachtsgottesdienst

In einer Kirche in Essen-Haarzopf werden deshalb schon jetzt Eintrittskarten für den Weihnachtsgottesdienst ausgegeben. Kostenlos - doch wer keine mehr bekommt, wird Heiligabend draußen bleiben müssen.

In der Düsseldorfer Johanneskirche soll es Weihnachten im Vorraum einen Fernseher geben, über den Besucher den Gottesdienst von außen verfolgen können.

Rechtliche Möglichkeiten ungenutzt

Brennende Teelichter (Opferkerzen) in einer Kirche

Viel offenes Feuer in Kirchen

Um wenigstens Grundzüge von Brandschutzvorschriften geltend machen zu können, würden andere Bundesländern die Versammlungsstättenverordnung auch für Kirchen wirksam machen, sagt Kirchen-Sicherheitsexperte von der EFAS. Nur NRW lasse diese rechtliche Möglichkeit ungenutzt.

Kirchen sorgen sich um Brandschutz

In den vergangenen Jahren sei die Sensibilität aber deutlich gewachsen: "Viele Küster lassen nicht mehr zu, dass bei Weihnachtsmessen Klappstühle in den Gängen aufgestellt werden", sagt er, vielerorts würden längst elektrische anstatt echte Wachskerzen verwendet. "Andererseits tun sich viele immer noch schwer damit, die Kirchentüren zu schließen, wenn die Kirche voll ist".

In einer Broschüre informiert die EFAS ihre Mitglieder über mögliche Brandschutzmaßnahmen im Kirchenraum, über Fluchtwege, Feuerlöscher und Verbandskästen.

Stand: 12.12.2018, 18:00

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