"Notre-Dame für etliche Jahre Großbaustelle"

Feuerwehrleute arbeiten am 16. April 2019 an der Notre-Dame-Kathedrale in Paris aus, um ein Feuer zu löschen.

"Notre-Dame für etliche Jahre Großbaustelle"

  • Ursache für Brand in Notre-Dame noch unklar
  • Sicher ist aber: Wiederaufbau wird lange dauern
  • So die Einschätzung der Ex-Dombaumeisterin von Köln

Furchtbare Bilder am Montagabend (15.04.2019): Notre-Dame, die Kathedrale in Paris, steht in Flammen. In kürzester Zeit verbrennen große Teile des Daches über dem Hauptschiff. Der mittlere, spitze Turm fällt in sich zusammen.

Der Brand ist nach Angaben der Feuerwehr mittlerweile unter Kontrolle. Die beiden großen Türme und die Außenmauern sind wohl gerettet.

WDR 2 sprach am Dienstagmorgen (16.04.2019) mit Professorin Barbara Schock-Werner. Sie war bis 2012 Dombaumeisterin des Kölner Doms.

WDR: Was haben Sie gedacht, als Sie die Bilder aus Paris gesehen haben?

Barbara Schock-Werner, ehemalige Kölner Dombaumeisterin, im WDR Interview zum Brand von Notre Dame am 15.4.2019

Barbara Schock-Werner, ehemalige Kölner Dombaumeisterin

Barbara Schock-Werner: Katastrophe! Man fühlt sich als ehemalige Verantwortliche für eine ähnliche Kathedrale direkt betroffen. Ich guckte natürlich im Internet und im Fernsehen und war erstaunt, mit welcher Geschwindigkeit sich das Feuer ausgebreitet hat.

WDR: Und doch sagen Sie, ein solches Feuer wäre beim Kölner Dom nicht möglich?

Schock-Werner: Ja, weil wir seit dem 19. Jahrhundert einen Dachstuhl aus Eisen haben. Damals höchst umstritten, aber der damalige Dombaumeister hat es durchgesetzt — unter anderem mit dem Argument, dass das bei Feuer sicherer wäre.

Und wir haben auch einen Generalabschalter, der abends den gesamten Dachraum stromlos schaltet. So dass Kabelbrände oder Kurzschlüsse, die immer mal passieren können, wo gearbeitet wird, eigentlich nicht mehr möglich sind.

WDR: Der Brand ist möglicherweise bei Renovierungsarbeiten ausgebrochen. Sind das die Momente, die einer solchen Kirche gefährlich werden können?

Schock-Werner: Ja, weil dafür brauchte man Elektrogeräte aller möglicher Art, zum Beispiel große Sägen und Flexgeräte. Die können einen Funkenschlag verursachen, und wenn der irgendwo trifft, dann kann sich das ganz langsam entwickeln. Oder Sie haben einen Kurzschluss, und es gibt einen Kabelbrand, und dann entsteht ein Feuer.

Da Notre-Dame einen hölzernen Dachstuhl hatte, und auch dieser Dachreiter aus Holz war, brannte es natürlich sehr stark.

WDR: Frankreichs Präsident Macron hat schon gesagt, die Notre-Dame werde wieder aufgebaut. Ist das eine Jahrhundertaufgabe?

Schock-Werner: Mit modernen Baumitteln wird es nicht so lange dauern, wie es ursprünglich gedauert hat, aber es wird für etliche Jahre eine Großbaustelle sein.

Die Gewölbe sind eingestürzt. Bei den Mauern, die stehen geblieben sind, muss man zuerst einmal prüfen, ob die große Hitze die Steine ausgeglüht hat. In diesem Fall müsste man noch mehr abbrechen. Zudem ist der Innenraum verwüstet. Das ist schon ein große Aufgabe.

Notre-Dame: Schaden ist "ungeheuerlich"

WDR 5 Morgenecho - Interview 16.04.2019 05:29 Min. Verfügbar bis 15.04.2020 WDR 5

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Stand: 16.04.2019, 09:18

Kommentare zum Thema

7 Kommentare

  • 7 H.Weiß 16.04.2019, 21:20 Uhr

    Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)

  • 6 H.WeißAuch 16.04.2019, 21:14 Uhr

    Auch wenn es viele hundert Millionen kostet, wir Menschen geben so viel Geld für unnütze Sachen aus! Für Bomben und Waffen.Dann lieber Geld ausgeben um ein Kulturgut zu erhalten.

  • 5 Jürgen Rechtmann 16.04.2019, 20:28 Uhr

    Als ich am Montagabend in der Aktuellen Stunde des WDR über diese grauenvolle Situation in Notre Dame de Paris hörte, bin ich sofort in´s Internet gegangen. Ja, ich muss gestehen, dass ich total schockiert war über die Videos und Fotos. Mir standen die Tränen in den Augen. Wie oft war ich in Notre Dame am sonn-täglichen Abend-Gottesdienst mit dem Erzbischof Michel Aupetit und anderen des dortigen Klerus. Ich fühle mich unsagbar traurig und einsam .Notre Dame est aussi ma Mere de mon coeur. Juergen R. de Mayence

  • 4 Anonym 16.04.2019, 16:13 Uhr

    Habe gerade im Wdr gehört, dass der Wiederaufbau “ zig Milliarden!! Euro kostet. Das ist so lächerlich. Wir sprechen von mehreren tausen Millionen. Utopie.

    Antworten (1)
    • nrw-bürger 16.04.2019, 19:44 Uhr

      Das Verhältnis zu Zahlen ist oft gestört. Dass 1 Mrd=1.000.000.000 ist und eine Million 1.000.000, ist vielen nicht mehr klar. Das ist sicher nicht böse gemeint....aber politisch leicht auszunutzen.

  • 3 Martinus 16.04.2019, 16:07 Uhr

    Dem Beitrag von "nrw-bürger" stimme ich voll und ganz zu. Notre-Dame de Paris ist ein Kulturdenkmal von größtem Wert nicht nur für die Stadt Paris und für Frankreich, sondern für ganz Europa und die menschliche Zivilisation. Darüber hinaus ist diese Kathedrale ein steinernes Zeugnis für die Bedeutung des christlichen Glaubens in unserer Welt. Deshalb ist es gut und richtig, dass nun Geld für den Wiederaufbau gespendet wird. Unabhängig davon spenden auch viele Menschen zurecht Geld für notleidende Menschen in aller Welt - und auch aus öffentlichen Mitteln werden hohe Summen dafür aufgewendet.

  • 2 nrw-bürger 16.04.2019, 15:30 Uhr

    Notre Dame ist Kultur, Geschichte und Symbol. Wir sollten mit Experten usw helfen, dass die Franzosen sie wieder aufbauen können. Menschen brauchen Symbole und Heimat. Paris ohne Notre Dame geht nicht. Das ist wie Rheinland ohne Kölner Dom. -----"Aufrechnen" mit "Bedürftigen" anderswo ist unfair. Jeder darf sich doch selber aussuchen wo er helfen will. Die "Mitbürger", die gleich die Vorwürfe auspacken und freien Bürgern vorschreiben, was sie zu tun haben - mit der "Moralkeule" - sollten schweigen. --------Hier ist wirklich etwas Schlimmes passiert. Das passiert nicht immer anderswo - und es zeigt uns, was die Vorfahren im Krieg erleben mussten - die Heimat geht kaputt. Wichtige Dinge werden zerstört. Uns Jüngeren blieb das meist erspart. ------Die Rechthaber und Rumschubser können gerne woanders helfen. Da ist jeder frei.

  • 1 HPO 16.04.2019, 11:47 Uhr

    …ich bin entsetzt von meinen Mitmensch. Es steht außer Frage das der Brand tragisch und eine Katastrophe ist. Aber was mich entsetzt, nicht einmal nach 24 Stunden werden Millionen für den Wiederaufbau gespendet. Aber was ist mit den Kindern die täglich verhungern oder die Menschen, die im Mittelmeer auf der Flucht ertrinken usw.. Sind die weniger Wert als eine abgebrannte Kirche, die aus Steinen besteht. Für die werden keine Millionen gespendet. Da bleibt man lieber auf seiner Kohle sitzen. Ist ja auch nicht so spektakulär und medienwirksam. Irgendwas läuft doch nicht ganz richtig in unserer Gesellschaft!

    Antworten (3)
    • Moe 16.04.2019, 14:32 Uhr

      Muss mich HPO anschließen. Ich war doch sehr überrascht, dass mittlerweile ca. 300 Millionen Euro an Spenden zusammengekommen sind. Dass die Luxuskonzerne aus Frankreich so schnell diese Riesensummen zur Verfügung stellen können und wollen. Überall auf der Welt gibt es große Hungersnöte und Menschen, die noch nicht mal an Wasser zur Grundversorgung kommen.

    • Nine 16.04.2019, 14:49 Uhr

      Vielen, vielen Dank HPO du sprichst mir aus der Seele!

    • nrw-bürger 16.04.2019, 15:33 Uhr

      "HPO", Sie sind Bürger. Nicht die "Weltregierung". Bitte RESPEKTIEREN Sie die Menschen, die DORT helfen wollen. Wir sind freie Bürger. Sie können gerne Ihr Geld überall hinwerfen - aber ohne Respekt für Ihre Mitbürger macht mich das sauer. ------Typisch Deutsch. Immer alles besser wissen - und immer die anderen kritisieren und rumschubsen. Hören Sie doch auf damit. PS Für Jemen usw sind andere verantwortlich - schreiben Sie doch mal an die Saudis, wenn Sie das wirklich interessiert. Die werfen die Bomben.

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