Gerodetes Gelände eines abgestorbenen Fichtenwaldes

Borkenkäfer: Was tun mit den toten Bäumen?

Stand: 29.08.2021, 19:35 Uhr

Hitze und Trockenheit machen dem Wald zu schaffen, doch ein kleines, schwarzes Insekt gibt vielen Bäumen den Rest: Der Borkenkäfer hat den Fichtenbestand bereits fast halbiert.

Die schlechte Nachricht vorweg: Der Borkenkäfer hat in NRW bereits 44 Prozent des gesamten Fichtenbestands zur Strecke gebracht. Seit Jahren breitet sich das Insekt mit Vorliebe in Nadelwäldern aus. Denn während Hitze und Trockenheit der vergangenen Sommer den heimischen Wäldern immer mehr zu schaffen machen, hat der Schädling bei geschwächten Bäumen leichtes Spiel.

Riesige Waldstücke sind mittlerweile kahl: Wo der Käfer einmal anfängt, sorgt er bald für flächendeckende Vernichtung von Bäumen.

Stämme in Folie eingeschweißt

Und wohin nun mit dem befallenen Holz ? Klar ist: Es muss so schnell wie möglich aus dem Wald entfernt werden. Doch das ist gar nicht so einfach, den die anfallenden Mengen toter Baumstämme sind riesig, und frisch abgeholzte Fichten sind leicht verderbliche Ware. Der Käfer kann weiter knabbern, und das ohnehin auf dem deutschen Markt als minderwertig geltende Holz ist irgendwann nicht mehr zu gebrauchen. Eine Lösung: Die Baumstämme werden mit Folie umwickelt. Mit der neuen, in Süddeutschland entwickelten Methode, soll sich das Holz bis zu vier Jahre lang konservieren lassen.

"Unter luftdichten Folien soll das Holz jahrelang frisch bleiben. Innerhalb weniger Tage ist sämtlicher Sauerstoff unter den Folien verbraucht. Holz zerstörende Insekten können sich unter diesen Bedingungen nicht weiterentwickeln und sterben ab", erklärt Bertram Leder vom staatlichen Verband Wald und Holz NRW. Ein entsprechendes Experiment im Arnsberger Wald verlief bislang vielversprechend.

Doch es bleibt auch ein Risiko: Wird das Folienlager undicht, zum Beispiel weil Mäuse daran nagen oder der Wind es aufreißt, sind die Schäden nicht zu reparieren.

Weniger Einnahmen wegen Borkenkäferholz

Borkenkäfer

Übeltäter Borkenkäfer

Für das Geschäft der Waldbauern ist entscheidend, die Borkenkäferstämme vor weiterer Zerstörung zu bewahren: Gemäß einer umfangreichen DIN-Norm darf das befallene Holz nämlich - anders als in vielen anderen Ländern auf dem Weltmarkt - nur noch zu deutlich reduzierten Preisen verkauft werden. Abhängig ist der Wertverlust beim sogenannten "Kalamitätsholz" vom Ausmaß der Knabberei und der Farbe des Holzes. Viele Waldbauern haben durch den Borkenkäferfraß in den vergangenen Jahren weniger Einnahmen gehabt.

Allein im letzten Jahr seien durch Dürre und Borkenkäfervermehrung 12,9 Millionen Festmeter "ungeplantes" Holz angefallen, sagt Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW. Für 2021 erwarte man weitere acht Millionen Festmeter Käferholz. Mit der neuen Methode des Einschweißens verbinde er die Hoffnung, "tausende oder zehntausende Festmeter sehr gutes Fichtenholz für die weitere Nutzung zu retten",

Aufforstung mit Artenmix

Für die Aufforstung der Kahlschläge soll jetzt eine Kombination aus natürlich nachwachsenden und vom Menschen hinzugefügten Arten gepflanzt werden, um den Wald für die Zukunft zu rüsten, so das Umweltministerium NRW. Die lange favorisierten Nadelbaum-Monokulturen, so viel steht mittlerweile fest, haben gegen den Klimawandel keine Chance. Mischwälder aus mindestens vier Baumarten sollen künftig auf den Schadflächen wachsen, die Stürme, Dürre und Borkenkäfer seit 2018 verursacht haben.

BUND: Kahlschlag schlecht für Wiederbewaldung

Doch der Umweltverband BUND hält wenig davon, die toten Bäume überhaupt abzuholzen. Neueren Studien hätten gezeigt, dass besonders die großflächigen Kahlhiebe schlechte Voraussetzungen für die Wiederbewaldung schafften. Durch den Einsatz schwerer Maschinen würde der Boden weiter verdichtet, sodass der auch Starkregen in Zukunft schlechter aufnehmen könne.

Außerdem würden dem Kohlenstoffspeicher Wald so in kurzer Zeit enorme Mengen Biomasse entzogen, wodurch seine Funktion als CO2-Senker ins Gegenteil verkehrt würde. Verblieben die toten Fichten aber im Bestand, könnten sie noch Jahrzehnte als CO2-Speicher wirken. Gleichzeitig seien sie ein Schutzschirm für den nachwachsenden Wald.

Nur fitte Fichten überleben

Übrigens: Ökologisch haben Borkenkäfer durchaus ihre Berechtigung, den Begriff "Schädling" kennt die Natur nicht. So sorgen Borkenkäfer dafür, dass kränkliche Bäume Platz machen für gesunde; sie sorgen dafür, dass lichtbedürftige Arten große Freiflächen finden und dass Fichten nur dort vorkommen, wo sie dauerhaft große Fitness entwickeln können.

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