Schlange stehen für ein neues Fahrrad

Fahrräder dicht an dicht an einer Hauswand aufgehängt (Archivbild)

Schlange stehen für ein neues Fahrrad

  • Fahrradboom überrollt Fahrradgeschäfte
  • Fahrradtour statt Sommerurlaub
  • Krise als Chance für umweltfreundliche Verkehrsmittel

Der E-Bike- und Fahrradboom bringt die Besitzer der Fahrradgeschäfte in NRW mehr ins Schwitzen als die Radfahrer selbst.

Während in Köln am Freitag (22.05.2020) vor dem Wochenende besonders lange Menschenschlangen vor dem Eingang der Fahrradwerkstätten und Geschäfte auf Einlass warteten, gingen einige Fahrradgeschäfte in Dortmund und Unna gar nicht mehr ans Telefon.

Den Ansturm während der Corona-Krise erklären sich die Händler so: Das Wetter war fast überall die ganze Zeit gut, Urlaube fallen flach und die Menschen wollen sich während und nach dem Lockdown mehr bewegen. All das lässt die Investition in ein Fahrrad oder E-Bike offenbar sinnvoll erscheinen.

Lange Lieferzeiten für E-Bikes

In den Fahrradgeschäften in den Regionen Hagen und Münster fällt insbesondere der Ansturm auf E-Bikes auf. In einigen Geschäften ist Beratung nur noch mit Termin möglich. "Wenn Kunden sich auf eine bestimmte Farbe oder ein bestimmtes Modell versteifen, können sie aktuell mit mehreren Monaten Lieferzeit rechnen“, sagt Hans Schepers vom Bike Store Hagen. "Letztens hatte ich einen Kunden, der hat dann notgedrungen die Farbe Orange statt Rot genommen.“

Hersteller kommen mit Lieferung kaum nach

Blau-weiße Reifen von Fahrrädern stehen aneinander gereiht

Einige Hersteller kämen mit der Belieferung nicht mehr hinterher. Allein Schepers zählt mehr als doppelt so viele Kunden als im Vorjahresmonat Mai. Inspektionen, Reparaturen und Kundenberatungen seien derzeit kaum noch zu bewältigen. Er könnte schon seit Wochen bis nachts um 23 Uhr arbeiten, wenn er wollte.

Durch die Krise zur Verkehrswende?

"Mehr Fahrräder und E-Bikes sind gut für die Umwelt“, sagt Werner Blanke, erster Vorsitzender vom ADFC Kreisverband Dortmund. Er begrüßt, dass so viele Menschen in NRW jetzt statt in den Urlaubsflieger auf ihr Rad steigen. Umso wichtiger sei es aber, dass insbesondere in den Großstädten in NRW schnell sichere Fahrradwege errichtet würden.

Demos für mehr Radverkehr

Am Samstag (23.05.2020) nimmt der Fahrradverband deswegen an Demos von Umweltverbänden und Greenpeace in Düsseldorf und Münster teil. "Die Städte bei uns hinken deutlich hinter", sagt er mit Blick auf die sogenannten Pop-Up-Radwege, die in einigen Weltstädten bereits eine freie Fahrt garantieren würden.

Stand: 23.05.2020, 06:00

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