Explosives Weltkriegs-Erbe: Mehr Bombenfunde in NRW

Alliierte Flugzeuge werfen Bomben ab.

Explosives Weltkriegs-Erbe: Mehr Bombenfunde in NRW

  • Mehr Bombenfunde in NRW
  • Ein Grund ist starke Baukonjunktur
  • 14,8 Millionen Euro für Kampfmittelbeseitigung

Evakuierungen in Köln, Mönchengladbach und Paderborn, riskante Momente für die Experten an den Zündern: Allein in den ersten drei Quartalen von 2018 sind in NRW mehr Bomben-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden als im gesamten Jahr 2017.

Nach am Samstag (29.12.2018) veröffentlichten vorläufigen Zahlen des Innenministeriums wurden von Januar bis Ende September 2.138 Bomben gefunden, im gesamten Jahr 2017 waren es nur 1.946 Bomben. Mit 931 Bombenfunden lag im Regierungsbezirk Arnsberg ein Schwerpunkt. Es folgten die Regierungsbezirke Münster (739 Funde) und Köln (206 Funde). Allerdings schwankt die Zahl der Kampfmittelfunde in den Regionen von Jahr zu Jahr sehr stark.

Durch Trockenheit im Sommer fielen die Wasserstände

"Generell erklärt sich die Zunahme durch vermehrte Bautätigkeit und sensibilisierte Kommunen", sagte der Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, Christoph Söbbeler. Da mehr gebaut werde, werde auch mehr gefunden. Aber auch das Klima spielt eine Rolle: Durch die anhaltende Trockenheit im Sommer fielen die Wasserstände.

Dadurch brachten sie etwas häufiger Kampfmittel zum Vorschein. "Am Rhein gab es temporär in der Zeit vom September bis Oktober 2018 eine erkennbare Erhöhung des Fundaufkommens", schrieb das Innenministerium als Antwort auf eine Landtags-Anfrage der SPD.

Auch viele schwere Bomben gefunden

Bei 214 Funden in NRW handelte es sich um Bomben mit einer Bruttomasse von 50 Kilogramm und mehr. 139 davon wurden über eine systematische Suche entdeckt, etwa bei der Erschließung von Baugrundstücken. In den 75 weiteren Fällen handelte es sich um Zufallsfunde. Im gesamten Vorjahr waren 217 Bomben mit 50 Kilogramm und mehr gefunden worden.

In Mönchengladbach, Oberhausen, Essen und Köln kamen 2018 Bomben zum Vorschein, die jeweils eine Tonne wogen. In Paderborn wurde in einem Garten sogar eine 1,5 Tonnen schwere Bombe gefunden. Sie alle konnten vor Ort geborgen und von Fachleuten entschärft werden.

Granaten und Minen ebenfalls entdeckt

9.469 Kampfmittelfunde, zu denen auch Granaten, Minen und Infanteriemunition zählen, verzeichnete das Innenministerium bis September 2018. Im Jahr 2017 waren es 8.938 Funde. Innenminister Reul (CDU) geht davon aus, dass während des Zweiten Weltkriegs etwa 675.000 Tonnen Sprengstoff auf NRW abgeworfen wurden. "Wie viel davon nicht detonierten und im Boden liegen, lässt sich kaum sagen", sagte er. Für die Kampfmittelbeseitigung hat das Land in den ersten neun Monaten von 2018 14,8 Millionen Euro ausgegeben.

Stand: 29.12.2018, 16:29

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