Bomben-Entschärfungen: Wie viele noch?

Die Bomben aus dem Klinikviertel

Bomben-Entschärfungen: Wie viele noch?

  • Fast täglich wird in NRW eine größere Weltkriegsbombe entschärft
  • NRW wurde besonders stark bombardiert
  • Entschärfungen werden noch Jahre lang nötig sein

Mal sind nur wenige Menschen betroffen, mal Tausende: Dann stehen Züge still, werden ganze Wohnviertel, Schulen, Kitas, Krankenhäuser und Altenheime evakuiert. Fast täglich wird in NRW eine größere Weltkriegsbombe entschärft - wie zuletzt am Freitag (24.01.2020) in Köln.

Das geht auch aus einer Statistik des NRW-Innenministeriums hervor. Auch wenn die Betroffenen vielleicht genervt sind – die Altlasten des Zweiten Weltkrieges sind immer noch sehr gefährlich.

Entschärfungen bis auf Weiteres

Es stellt sich die Frage: Wann werden alle Bomben entschärft und die Gefahr vorbei sein? Klaus Bekemeier, Hauptdezernent bei der Bezirksregierung Arnsberg und Fachmann für Kampfmittelräumung, hat darauf eine ernüchternde Antwort: "In ferner Zukunft wird das mal sein."

Klaus Bekemeier, der zuständige Hauptdezernent für den Katastrophenschutz bei der Bezirksregierung Arnsberg, steht vor einer Pressekonferenz im Rathaus

Klaus Bekemeier

Bekemeier rechnet vor: "Wir gehen davon aus, dass wir etwa zwei bis fünf Prozent Blindgänger haben. Das würde bedeuten, dass wir bis heute vielleicht ein Fünftel oder ein Sechstel dieser Blindgängerlast aus dem Boden entfernt haben." Darum ist er sich sicher: "Wir werden da wohl auf Jahre noch tätig sein müssen."

NRW besonders betroffen

Laut NRW-Innenministerium haben sich knapp die Hälfte (zirka 48 Prozent) der Luftangriffe gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg auf das heutige Nordrhein-Westfalen gerichtet. Denn an Rhein und Ruhr konzentrierte sich die Industrie des damaligen Deutschen Reiches. Darum werden hier, insbesondere in den Ballungszentren, heute besonders viele Blindgänger gefunden.

Starke Zunahme der Bombenfunde

Wegen der regen Bautätigkeit hat in den letzten Jahren die Zahl der Bombenfunde stark zugenommen. Von 1.098 Weltkriegsbomben im Jahr 2015 auf 2.811 im Jahr 2018. Die Schlussbilanz für 2019 liegt noch nicht vor.

Die Bomben sind gefährlich

Wie gefährlich die Altlasten des Zweiten Weltkrieges sind, zeigte 2014 ein Unfall in Euskirchen: Ein Baggerfahrer eines Bauschutt-Recyclers traf beim Zerkleinern von Schutt auf eine Fliegerbombe, die detonierte. Der Fahrer starb, 13 Menschen wurden verletzt. Die Druckwelle führte zu Gebäudeschäden in einem Umkreis von mehreren Hundert Metern.

Für die Entschärfungen der Kampfmittelräumdienste der Bezirksregierungen kann das NRW-Innenministerium eine erfreuliche Bilanz mitteilen: In den letzten Jahrzehnten habe es keine Unfälle gegeben.

Stand: 25.01.2020, 06:00

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