Fast 500 Brände entlang von Bahnstrecken

Rauch steigt aus den Dachstühlen brennender Häusern an der Bahnstrecke in Siegburg (Luftaufnahme).

Fast 500 Brände entlang von Bahnstrecken

  • 468 Böschungsbrände in 2018
  • Funkenflug selten verantwortlich
  • Ursache meist Fahrlässigkeit

Der Großbrand in Siegburg am Dienstag (07.08.2018) mit 32 Verletzten und zahlreichen zerstörten Wohnhäusern hat eine Diskussion über die Sicherheit von Bahndämmen ausgelöst. Unterstützt werden solche Bedenken von aktuellen Zahlen: So hat die Deutsche Bahn in diesem Jahr bereits mehr Böschungsbrände gezählt als im gesamten Jahr 2017.

Insgesamt 468 derartige Feuer seien bis Ende Juli 2018 verzeichnet worden, heißt es in einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion von Anfang der Woche, die dem WDR vorliegt. Im vergangenen Jahr lag die Zahl demnach bei 362 Bränden, im Jahr davor waren es mit 364 kaum mehr.

Brände auch in Köln und Bad Honnef

Bauarbeiten an den Gleisen am Tag nach dem Großbrand in Siegburg

Reparaturarbeiten laufen

Die hohe Zahl der Böschungsbrände in diesem Jahr wird voraussichtlich noch ansteigen: Neben dem Siegburger Ereignis gab es in jüngster Zeit noch weitere Brände, die nur durch Glück schnell eingedämmt werden konnten - zum Beispiel an Bahnstrecken in Köln-Poll und Bad Honnef.

Funken beim Bremsmanöver

"Ein kleiner Funke reicht", erklärt Simon Heußen von der Feuerwehr Bochum dem WDR. Hätten sich trockene Blätter und Gräser erst einmal entzündet, könne sich das Feuer rasend schnell ausbreiten. Manchmal sei der Zugverkehr für die Entzündung verantwortlich - zum Beispiel wenn sich bei einem Bremsmanöver Funken bilden.

Nach dem Großbrand in Siegburg

WDR 2 | 08.08.2018 | 02:39 Min.

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"Besonders häufig kommt das aber nicht vor", betont Heußen. Viel öfter sei die Ursache fahrlässiges Verhalten einzelner, insbesondere achtlos weggeworfene Zigaretten. Diese Ansicht wird von vielen Bahnexperten geteilt. Auf einer schnurgeraden ICE-Strecke erzeuge ein moderner Schnellzug kaum Funkenflug, sagt Dirk Peuschel, Bahnexperte des TÜV Rheinland.

TÜV-Experte: Keine besondere Gefahr am Bahndamm

"Es müsste ein technischer Defekt an dem Fahrzeug vorliegen, wenn es tatsächlich einen Funkenflug gegeben haben sollte", erklärt Peuschel weiter. Eine besondere Brandgefahr an Bahnböschungen gebe es nicht. Er sehe deshalb auch keine Notwendigkeit, Wohnsiedlungen an Bahntrassen besonders zu schützen.

Stand: 09.08.2018, 08:43

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