Leben nach der Flut: Neustart in Erftstadt

Leben nach der Flut: Neustart in Erftstadt

Von Christine Roskopf

Viele Häuser in den Hochwassergebieten sind zurzeit unbewohnbar. Familie Acker-Efferen aus Erftstadt-Blessem hat bereits eine Übergangslösung gefunden. Zwei Wochen lang war die Familie getrennt bei Familie und Freunden untergebracht. Jetzt steht der gemeinsame Umzug kurz bevor.

Glück im Unglück nennt es Sabine Acker. Sie zieht mit ihrer Familie am Sonntag in ein Haus in Erftstadt-Lechenich. Dort haben sie vor zwei Jahren schon einmal übergangsweise gewohnt. Der Grund damals: Sie hatten einen Wasserschaden. Kein Vergleich zu dem, was das Hochwasser vor zweieinhalb Wochen in Keller und Erdgeschoss angerichtet hat, sagt sie. Doch dass sie ihre Übergangsbleibe bereits kennen, fühlt sich gut an. "Ein bisschen wie Zuhause."

Die Familie ist bald wieder in Erftstadt vereint

Tochter Nina vor dem Bauschutt

Tochter Nina freut sich auf das neue Haus in Erftstadt

Ihre 13-jährige Tochter hat bis jetzt bei einer Schulfreundin übernachtet. Die Eltern und die beiden Katzen bei der Patentante in Brühl. Der Hund in der Hundepension. "Dem würden wir in diesem Chaos gerade nicht gerecht werden", erklärt Sabine Acker.

Im Eiltempo hat sie mithilfe ihrer Cousine das neue Haus eingerichtet. 5.000 Euro hat die Versicherung schon gezahlt. Aber das deckt nur einen Bruchteil der Ausgaben. "Ich habe als Erstes bei unserer Bank angerufen und den Dispo hochgesetzt." Wenigstens einen Leihwagen hat sie kostenlos bekommen. Damit pendelt sie täglich zwischen Lechenich und Blessem.

Das Haus bleibt lange Zeit unbewohnbar

Ihr Haus in Blessem wird viele Monate eine Baustelle sein. "Meine größte Angst, dass das alles sehr viel länger dauern könnte", sagt Sabine Acker. Als das Wasser in den Keller lief, konnten sie einige Dinge noch in die erste Etage retten. Dann brach das Kellerfenster mit einem lauten Knall. "Das Wasser schoss rein wie ein Wasserfall. Und das war der Moment, wo ich gesagt habe, wir müssen hier raus." Wieder rein durften sie dann erst eine Woche später. Da stand das Wasser noch meterhoch. Nahezu alles war zerstört und musste raus.

Die Arbeit ist anstrengend und dreckig

Familienvater Dirk Efferen räumt das Haus aus

Familienvater Dirk Efferen räumt das Haus in Blessem aus

Eine Ärztin aus der Nachbarschaft hat sofort reagiert und alle gegen Tetanus geimpft. Denn die Aufräumarbeiten sind nicht ganz ungefährlich. "Im Keller schwammen Fäkalien, Ölreste und vermutlich auch Tierkadaver", erklärt Dirk Efferen.

Jetzt werden Fliesen rausgestemmt und der komplette Estrich entfernt. Dabei hilft die Schwester von Sabine Acker. Auch mental hat sie sie in den letzten beiden Wochen unterstützt.


"Ich schlafe schlecht, ich merke die Erschöpfung, aber es wird hoffentlich besser, wenn wir morgen umgezogen sind", hofft Sabine Acker. Es wird der erste Tag sein, an dem sie nicht im Dreck steht. Der freie Tag ist dringend nötig. 

Stand: 01.08.2021, 08:43

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