Kein Billigfleisch bei Aldi ab 2030 - verändert das etwas?

Kein Billigfleisch bei Aldi ab 2030 - verändert das etwas?

Frisches Fleisch von Tieren aus engen Haltungsformen soll es bei Aldi Nord und Süd kaum noch geben. Die Discounter wollen ihr Sortiment umstellen. Doch was bringt das?

Ab 2030 soll es laut der Absichtserklärung der Unternehmen in den Kühlregalen nur noch Rind, Schwein, Hähnchen und Pute aus Haltungsformen geben, die stärker auf das Tierwohl achten. Ausgenommen seien Spezialitäten und Tiefkühlartikel.

Bisher gibt es in den Kühlregalen bei der Fleischherkunft diese vier Varianten:

  • Haltungsform 1 (Stall): Gesetzliche Mindestanforderung. Platzvorgaben für Kühe, Schweine, Jungbullen, Hühner und Puten sehr gering, zum Beispiel 26 Hühner auf einem Quadratmeter.
  • Haltungsform 2 (Stallhaltung Plus): Geht über gesetzlichen Standard hinaus, zum Beispiel 23 Hähnchen auf einem Quadratmeter, Kühe werden nicht angebunden, zusätzliches Beschäftigungsmaterial für Schweine, Stroh für Hühner und Puten.
  • Haltungsform 3 (Außenklima): Bedeutet nicht zwingend, dass die Tiere Auslauf haben, auch ein geöffnetes Fenster reicht schon aus.
  • Haltungsform 4 (Premium): Erfüllt die Anforderungen der europäischen Öko-Verordnung, mehr Platz, zum Beispiel 14 Hühner auf einem Quadratmeter.

Die Umstellung wird laut Aldi nach einem Stufenplan erfolgen: In diesem Jahr sollen 15 Prozent des Frischfleisch-Umsatzes aus den Haltungsformen 3 und 4 stammen - der Anteil soll sich in den nächsten fünf Jahren mehr als verdoppeln. Bis 2025 wollen die Discounter Fleisch aus Haltungsform 1 nicht mehr anbieten. Mit diesem Stufenplan sollen Landwirte und Fleischverarbeiter Planungssicherheit für die Umstellung der Produktion erhalten.

Kein staatliches Tierwohllabel

Die sogenannten Haltungsformen sind allerdings kein staatliches Tierwohllabel. Sie wurden vom Handel selbst vergeben, die vier Stufen beginnen schon mit dem gesetzlichen Mindeststandard und nicht erst darüber. Dabei entspricht Haltungsform 1 (Stall) dem gesetzlichen Mindeststandard, Haltungsform 4 (Premium) ist unter anderem mit Bio vergleichbar.

Der Handel kam damit der Politik zuvor: Seit Jahren arbeitet das Bundeslandwirtschaftsministerium an einer Tierwohl-Kennzeichnung. Laut Koalitionsvertrag sollte sie eigentlich bis zur Mitte der Legislaturperiode umgesetzt sein. Doch die Koalition konnte sich nicht einigen. Das Problem ist damit vertagt und wird die nächste Bundesregierung beschäftigen.

Zuspruch von Tierschützern

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder begrüßte am Freitag die Ankündigung von Aldi. Entscheidend werde jetzt sein, dass andere Handelsunternehmen diesem Schritt von Aldi folgten und die nächste Bundesregierung mitzieht: "Das wird Hauptaufgabe werden: kein Zögern und kein Verschieben mehr, sondern machen."

Greenwashing oder Dammbruch?

Aldi Nord und Süd erklärten ausdrücklich, dass sie auf Nachahmer in der Branche hoffen. Für die Unternehmen dürfte es auf jeden Fall ein Imagegewinn bei dem Tierwohl-bewussten Teil ihrer Kundschaft sein. Vorausgesetzt die Absichtserklärung von Freitag wird bis 2030 tatsächlich vollständig umgesetzt.

Dario Sarmadi von der Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch kritisiert die Entscheidung als Mogelpackung: "Sie täuscht die Verbraucher insofern, dass sie glauben mit dem Kauf von Produkten der Stufen 3 oder 4 dafür zu sorgen, dass die Situation in den Ställen besser wird. Die sagen aber nichts über die Gesundheit der Tiere." Statt solcher Absichtserklärungen brauche es gesetzliche Regelungen.

Landwirte zurückhaltend

Auch der Präsident des Bauernverbandes Joachim Rudwiek ist skeptisch und sagt, den Worten müssten auch Taten folgen: "Für den Umstieg braucht es massive Investitionen und langfristige Lieferverträge. Und glaubwürdig wird das nur, wenn Aldi auch verarbeitetes Fleisch einbezieht."

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Während der Discounter seine Absichten veröffentlichte, starteten Tierschützer vor dem Tönnies Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück ein Protest-Wochenende. Sie wollen mit ihren Aktionen in mehreren Städten in OWL auf das Leid der Tiere aufmerksam machen.

Stand: 25.06.2021, 16:30

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Geronymo 26.06.2021, 11:38 Uhr

    Es ist so einfach: Lasst den Fleischkonsum. Was nicht konsumiert wird, wird auch nicht produziert. Und glaubt nicht diese Werbe Märchen von gutem Fleisch. Fleisch ist ein Stück Lebenskraft, wenn es lebt und wenn es schafft... Ist es aber von der Leich, macht es nur den Doktor reich. :-)

  • 3 Alex 25.06.2021, 20:49 Uhr

    Tausend DANK an Aldi, das in diese Richtung endlich was passiert.

  • 2 Nicole 25.06.2021, 19:18 Uhr

    Ich finde es gut, dass sich was tut. Danke an Aldi für diesen 1.Schritt in die richtige Richtung. Leider erst 2030. Ich denke im dieser Zeit haben die Landwirte Zeit ihre Betriebe umzustellen und dann wissen diese sie haben sichere Abnehmer und gehen dann klein Risiko für Investitionen ein

  • 1 Barbara. K 25.06.2021, 18:39 Uhr

    Endlich passiert was,finde ich klasse, nur Warum erst 2030? ;-( Es wird viel zu wenig für die Tiere getan

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