Am Flughafen Kabul wird ein Baby an die amerikanische Armee übergeben

Das einsame Baby von Kabul

Stand: 20.08.2021, 21:44 Uhr

Ein Bild aus Kabul geht derzeit um die Welt: Ein Baby wird über die Flughafenmauer in die Hände eines US-Soldaten gehoben. Es sind solche Bilder, die das Grauen auf kaum erträgliche Weise greifbar machen.

Von Nina Magoley

Die Szene ist nicht nur für Menschen, die selber Mutter oder Vater sind, schwer zu ertragen: Aus einer Menschenmenge an der Mauer des Kabuler Flughafens hebt ein junger Mann einen Säugling in die Luft. Er reicht das weinende Baby einem bewaffneten Soldaten, der auf der Mauer hinter einem Stacheldraht steht. Dieser packt das Kind und reicht es hinter sich an einen Kollegen weiter.

Wie groß muss die Verzweiflung sein, wenn ein Vater oder eine Mutter sein wenige Monate altes Baby einem fremden Soldaten übergibt. Eltern, die sich selber vielleicht schon aufgegeben haben, nach Tagen des furchtbaren Schreckens und vergeblichen Hoffens auf Rettung; die jetzt diesen Entschluss gefasst haben, wenigstens für ihr Kind eine Chance auf Überleben zu suchen.

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Ein Sprecher des US-Militärs bestätigte am Freitag, dass der Soldat ein Mitglied einer ihrer Einheiten sei. Das Baby sei zu einer medizinischen Station auf dem Gelände gebracht worden und werde dort versorgt.

Mehr über den Hintergrund dieser Szene ist bislang nicht bekannt. Und doch ist es ein erschütterndes Bild, das bei manchem Erinnerungen weckt an andere, beklemmende Aufnahmen aus verzweifelten Kriegstagen, festgehalten und für die Welt dokumentiert.

Bilder, die durch ihre Symbolkraft das Leid und die Verzweiflung deutlich machen, die Kriege und Konflikte über Menschen bringen und gebracht haben - seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden.

Symbol für das Grauen des Vietnamkriegs

Südvietnamesische Streitkräfte folgen verängstigten Kindern

Da ist das Foto des kleinen Mädchens, das splitternackt und verzweifelt schreiend auf einer Straße dem Fotografen entgegenrennt. Es ist der 8. Juni 1972, die Kinder auf dem Foto fliehen in Panik vor den tödlichen Flammen eines Napalmangriffs, den US-amerikanische Flugzeuge kurz zuvor auf das vietnamesische Dörfchen Trang Bang geflogen sind.

Der vietnamesische Kriegsfotograf Nick Út hielt diesen grauenvollen Moment fest, das schwarz-weiß Foto wurde später zu einem der weltweit bekanntesten Bild-Dokumente des Vietnamkriegs, ein Symbol des Grauens.

In diesem Fall ist bekannt, was nach dem Moment der Aufnahme geschah: Der Fotograf brachte das neunjährige Mädchen mit dem Namen Kim Phuc mit schwersten Verbrennungen ins Krankenhaus. Kim Phuc überlebte, kehrte ein Jahr und 17 Operationen später in ihr Dorf zurück. Sie lebt heute in Kanada und ist Gründerin der "Kim Phuc Foundation International", die Hilfe organisiert für Kinder, die Opfer von Kriegen wurden.

Trennung von den eigenen Kindern - für deren Überleben

Kinder von polnischen Geflüchteten 1939 an der polnisch-deutschen Grenze

Auf einem anderen bekannten Foto ist der Moment der Abreise jüdischer Kinder aus Deutschland Richtung England festgehalten. Es wurde mutmaßlich 1938 in Berlin aufgenommen. Verängstigt und verunsichert schauen die Kinder sich um, nicht wissend, welches Schicksal sie erwartet. Über 10.000 Kinder vor allem aus Polen und Österreich wurden so vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten gerettet. Auch sie wurden von verzweifelten Eltern in eine ungewisse Zukunft geschickt - in der Hoffnung, dass wenigstens sie überleben würden. Die meisten Kinder sahen ihre Eltern nie wieder. 

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