Fridays for Future zu Bidens Klimapolitik: Besser als Trump reicht nicht

Fridays for Future zu Bidens Klimapolitik: Besser als Trump reicht nicht

Die USA sind dem Pariser Klimaabkommen wieder beigetreten - US-Präsident Biden schreibt Umweltfragen groß auf seine Agenda. Aber werden den Worten auch Taten folgen? "Fridays for Future"-Sprecherin Leonie Bremer ist skeptisch.

WDR: Joe Biden hat als eine seiner ersten Amtshandlungen dafür gesorgt, dass die USA wieder dem Pariser Klimaabkommen beitreten. War das also gestern ein guter Tag für die Klimabewegung?

Leonie Bremer: Erst einmal war das eine erfreuliche Nachricht, die mit großer Erleichterung aufgenommen wurde. Allerdings bedeutet das ja nicht, dass die USA auf einen Schlag das 1,5-Grad-Ziel einhält.

WDR: Wie weit wird Biden gehen in seinem Einsatz für Klima und Umwelt? Er hat ja schon betont, er werde weiter am umstrittenen Gas-Fracking festhalten.

Leonie Bremer, Sprecherin von Fridays For Future in Deutschland

Fridays-for-Future-Sprecherin Bremer

Bremer: Man darf nicht den Fehler machen, und Biden jetzt als großen Klimahelden sehen. Seinen Worten müssen erst einmal Taten folgen. Viele Fracking-Anlagen stehen in indigenen Gebieten, und diese Methode tötet Menschen, Tiere, Umwelt und am Ende auch das Klima. Das muss sofort gestoppt werden. Es reicht nicht, "nur" besser als Trump zu sein. Im Grunde muss er es besser als Obama machen. Denn auch unter dessen Präsidentschaft waren die USA weit von den globalen Klimazielen entfernt. Es braucht eine ganz andere Politik, um das aufzuholen. Die USA sind als einer der größten Emittenten weltweit sehr stark verantwortlich für die Klimakrise.

WDR: Deutschland ist im Gegensatz zu den USA unter Trump nicht ausgetreten, verfehlt die Ziele im Moment aber dennoch. Ist "Paris" für die Regierungen eher ein Symbol als ein konkreter Handlungsmaßstab?

Bremer: Eine Unterschrift bewirkt erst einmal gar nichts. Es geht darum, die Ziele umzusetzen. Das Abkommen ist vor fünf Jahren in Kraft getreten, aber dennoch wird immer wieder versucht, das 1,5-Grad-Ziel neu zu verhandeln. Auch in Deutschland. Letztendlich ist das ja der Grund, wieso es "Fridays for Future" überhaupt gibt.

WDR: "5 Jahre Paris - (k)ein Grund zu feiern" schrieben Sie im vergangenen Dezember. Was müssen die nächsten Schritte sein, um die Sache doch noch zu einem Erfolg zu machen?

Bremer: Die Zeit der Lügen muss aufhören. Auch in Deutschland wird das trügerische Bild vermittelt, dass alles gut wird und dass die Anstrengungen ausreichen. Aber die wissenschaftlichen Fakten sagen das Gegenteil. Es wird ganz, ganz eng.

WDR: Mit Armin Laschet hat ein Mann gute Chancen, der nächste Kanzler zu werden, der von der Umweltbewegung wegen seiner Braunkohle-Politik stark kritisiert wird. Was würde seine mögliche Wahl für die Klimaziele bedeuten?

Bremer: Wir wissen ganz genau, wofür Armin Laschet steht und wie stark er mit der Kohlelobby verbunden ist. Man hat den Eindruck, dass in diesem Bereich seine eigenen Interessen über denen der Gesellschaft stehen, und das macht uns natürlich Sorgen. Aber ich finde, man sollte sich nicht zu sehr auf einzelne Personen oder Parteien konzentrieren. Im Grunde muss jede Partei das "Pariser Abkommen" als Basis für ihr Programm nehmen. Wer das nicht macht, ist nicht an der Zukunft interessiert.

Das Interview führte Ingo Neumayer.

Stand: 21.01.2021, 15:38

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