Missbrauchsmaterial sichten: Wer sind die "Bewerter"?

Ein Mitarbeiter der Kölner Polizei streamt die Pressekonferenz mit zwei Mobiltelefonen ins Internet (31.10.2019).

Missbrauchsmaterial sichten: Wer sind die "Bewerter"?

Von Oliver Scheel

  • "Bewerter" müssen kompromittierendes Material sichten
  • Polizeiseelsorger: "Geht über normale Vorstellungen hinaus"
  • Angestellte werden so gut es geht vorbereitet - Selbstschutz wichtig

Im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach sind Unmengen von kinderpornografischen Bildern und Videos zu sichten. Das LKA hat für solche Fälle Mitarbeiter als sogenannte "Bewerter" eingestellt. Doch auch "normale" Polizisten werden für die Sichtung des Material eingesetzt.

Zum 1. Dezember verfügt das LKA über gut 20 solcher "Bewerter", deren Aufgabe es ist, das kompromittierende Material gründlich zu sichten. Eine große Belastung. Daher erhalten sie eine besondere Ausbildung und professionelle Unterstützung von einem Polizei-Seelsorger.

Wie wurden die Bewerter ausgesucht?

Es gab tatsächlich eine Öffentliche Stellenausschreibung. "Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung im IT-, Büro- oder Verwaltungsbereich oder ein abgeschlossenes Hochschulstudium verschiedener Bereiche", erklärte LKA-Pressesprecherin Heidi Conzen im Gespräch mit dem WDR.

Dabei wurde das Auswahlverfahren laut Conzen von Experten begleitet, um sicherzustellen, dass die betreffenden Personen ihrer Aufgabe auch gewachsen sind.

Wie belastend ist die Tätigkeit?

"Das geht über alle normalen Vorstellungen hinaus", sagt Polizei-Seelsorger Dietrich Bredt-Dehnen im Gespräch bei WDR 2. "Jeder verkraftet so etwas ja unterschiedlich", so Conzen: "Klar ist, das geht an keinem spurlos vorbei." Deshalb würden die Mitarbeiter gesondert geschult. "Es gibt das ständige Angebot einer Supervision. Auch die Dienststellenleiter sind sehr sensibel. Jeder weiß, was diese Menschen leisten", erklärt Conzen.

Wie kann man sich darauf vorbereiten?

Die Vorbereitung auf solche Tätigkeiten ist Teil der Arbeit der Polizeiseelsorger. "Wie kann ich mich schützen, was erwartet mich, was sind die Punkte, die mich besonders belasten werden? Darüber sprechen wir und versuchen, Abwehrmechanismen zu entwickeln", so Bredt-Dehnen, der 24 Jahre als Gemeindepfarrerr arbeitete und seit 2010 verantwortlich für die Leitung des Teams der Polizeiseelsorge im Rheinland ist.

"Wir nennen das seelische Eigensicherung. Sobald die Beamten spüren, dass eine Brücke in ihr privates Leben geschlagen wird, müssen die Alarmglocken anfangen zu läuten", so der Seelsorger. Wenn die Polizisten und "Bewerter" merkten, das ihnen etwas zu nah geht, dann sei der Punkt des Selbstschutzes erreicht: "Dann müssen sie sagen, ich mache das jetzt aus."

Besondere Schulungen erhalten die "Bewerter" nicht nur in psychologischer Hinsicht, sondern auch fachspezifisch. "Was und wie suchen wir, was ist überhaupt strafrechtlich relevant? Das sind Inhalte der internen Vorbereitung", so Conzen.

Stand: 13.11.2019, 14:15

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen