Echter Kumpel im virtuellen Bergwerk

Bottrop: Der Bergmann Marcel Pawlinka steht mit einer Virtual-Reality-Brille in der Waschkaue der Zeche Prosper-Haniel.

Echter Kumpel im virtuellen Bergwerk

Von Katja Goebel

  • Aufwendiges VR-Projekt: "Bergwerk 360 Grad" ist online
  • User erkunden interaktiv Welt unter Tage: Dreh auf Prosper Haniel
  • Echte Kumpel gehen in Bottrop auf virtuelle Reise
Mann mit VR-Brille

Bergmann Nuri Port mit VR-Brille

"Das ist toll ", schwärmt Nuri und hofft, dies in ein paar Jahren noch seinen Enkeln zeigen zu können. Neben ihm strahlt sein Kumpel Cemil Ekmeki. "Man fühlt sich volle Pulle mitten im Geschehen. Mit der Brille ist man direkt unter Tage." Cemil glaubt, dass dieses 3-D-Ding vor allem den Ahnungslosen die Welt unter Tage gut erklären kann. "Wer noch nie auf dem Mond war, kann sich ja auch kein Bild davon machen." Reviersteiger Jürgen Jakubeit ist seit 33 Jahren auf der Zeche, war aber dank VR-Brille gerade erstmals in der Kohlenmischhalle. "Phantastisch. Und so realistisch."

Auf Du und Du mit der Kohle

WDR 5 Morgenecho - Interview | 07.08.2018 | 02:52 Min.

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Mit VR-Brille in den Stollen

Es ist irgendwie verrückt. Die Kumpel im Bergwerk Prosper Haniel kommen gerade von der Frühschicht. Eben waren sie noch unter Tage, dann ging es mit dem Förderkorb von Sohle sieben nach oben, schließlich durch Waschkaue und Lampenstube. Und jetzt stehen sie hier am Empfang von Schacht 10 und setzen sich Virtual-Reality-Brillen auf die Nase, um gleich noch mal hinabzufahren in ihren Stollen. Diesmal aber ist es eine virtuelle Reise.

Der WDR hat mit aufwendiger Technik und vielen Drehtagen auf Prosper Haniel in Bottrop ein virtuelles Bergwerk erschaffen, das jedermann nun mit einer VR-Brille und einem Laptop erkunden kann. Dieses digitale Kulturerbe dürfen die Kumpel von Schacht 10 an diesem Tag erstmals selbst begutachten.

Screenshot: Bergmann unter Tage

Interaktives Bergwerk: Filmszene unter Tage

Strecke machen mit der Dieselkatze

Nur mit den Augen werden Stationen im virtuellen Raum angesteuert. Ein längerer Blick auf einen roten Infopunkt - und schwups - steht man plötzlich mitten in der Waschkaue. Die 360-Grad-Technik erlaubt den staunenden Rundumblick. Dann geht es mit Bergleuten zusammen im Förderkorb abwärts. Fahrgeräusche inklusive. Unten Einstieg in die "Dieselkatze", eine Hängebahn, die Besucher zum Abbaufeld bringt. So geht es immer tiefer Richtung Streb.

Man trifft echte Kumpel, die einem beim Navigieren helfen, Bergbau-Begriffe erklären oder schlicht "malochen". All diese Protagonisten gibt es wirklich. Sie arbeiten auf Prosper Haniel und haben sich unter Tage für das Projekt ablichten lassen. So wie Reviersteiger Nuri Port. Der steht jetzt bei der Präsentation und ist richtig aus dem Häuschen.

In Zukunft virtuell unter Tage?

Auch Bergmann Jörg fährt zum ersten Mal virtuell ein. "Die Tankanlage, die man da unten sieht, hab ich mit aufgebaut." Das klingt verdammt stolz. Dann wird also jetzt eine VR-Brille gekauft? Dann könnte man noch mal gucken, auch wenn Prosper Haniel ab 2019 Geschichte ist. "Nein", sagt Jörg. Zu schmerzlich seien dann die Erinnerungen an die gute Zeit mit seinen Kumpels. Dafür sei er zu sentimental.

Stand: 07.08.2018, 12:00