CO2 und Benzinpreise: Wer muss wie viel bezahlen?

CO2 und Benzinpreise: Wer muss wie viel bezahlen?

Die Diskussion um höhere Benzinpreise ist zum Wahlkampfthema geworden. Doch wie stark belastet ein steigender CO2-Preis die Menschen? Und wie könnten sie entlastet werden?

Die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat sich für eine Benzinpreis-Erhöhung von insgesamt 16 Cent stark gemacht – was ihr viel Kritik von den anderen Parteien eingebracht hat. Allerdings: Regierungssprecher Steffen Seibert hat am Freitag klargestellt, dass die Bundesregierung selbst eine Staffelung des CO2-Preises bis zum Jahr 2025 beschlossen hat, die schon jetzt "Auswirkungen auf alle Kraftstoffpreise" habe.

Doch wie stark belastet der CO2-Preis die Menschen konkret? Und welche Entlastungsmöglichkeiten gäbe es? Ein Gespräch mit Katja Schumacher, Verteilungseffekte-Spezialistin für Privathaushalte vom Öko-Institut.

WDR: Seit Jahresbeginn gilt ein CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne. Bis 2025 soll er auf 55 Euro steigen. Welche Kosten kommen auf Verbraucher zu?

Katja Schumacher

Katja Schumacher

Katja Schumacher: Besonders deutlich wird sich das an der Tankstelle zeigen. Ein CO2-Preis von 25 Euro bedeutet einen Aufschlag von etwa sieben bis acht Cent pro Liter Benzin. Bei einem CO2-Preis von 55 Euro wird der Sprit etwa 16 bis 17 Cent teurer. Allerdings sind diese Berechnungen wohl schon bald überholt. Denn das Bundesverfassungsgericht hat in einem aktuellen Urteil beschlossen, dass die Klimaziele der Bundesregierung nicht ambitioniert genug sind. Es ist also gut möglich, dass die CO2-Preise noch stärker angehoben werden.

WDR: Gibt es denn auch einen finanziellen Ausgleich?

Schumacher: Ja, gleichzeitig wurden die Belastungen durch die EEG-Umlage - also die Abgaben zur Förderung der erneuerbaren Energien - beschränkt. Das wurde auch durch die Einnahmen durch den CO2-Preis finanziert. Die Strompreise sind also nicht so stark gestiegen wie befürchtet. Wer seinen Verbrauch an Kraftstoff reduziert, kann also schon jetzt Geld sparen.

Baerbocks Benzinpreisforderung: "Mutig, aber notwendig"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 02.06.2021 02:16 Min. Verfügbar bis 01.06.2022 WDR 5 Von Detlef Reepen


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WDR: Mal angenommen, die Grünen gewinnen die Bundestagswahl und erhöhen den CO2-Preis früher, wie es Kanzlerkandidatin Baerbock angekündigt hat. Wie hoch wäre die Belastung dann?

Schumacher: Das kann sich jeder selbst leicht ausrechnen. Pro zehn Euro CO2-Preis muss man mit einem Aufschlag von etwa drei Cent auf den Liter Kraftstoff rechnen.

WDR: Ihre Organisation hat Vorschläge erarbeitet, wie der CO2-Preis ohne soziale Härten gestaltet werden könnte. Wie soll das funktionieren?

Schumacher: Wir sind davon ausgegangen, dass die Einnahmen durch den CO2-Preis dafür genutzt werden können, die EEG-Umlage völlig abzuschaffen. Derzeit kostet sie 6,5 Cent pro Kilowattstunde. Weil Haushalte mit geringem Einkommen einen deutlich höheren Anteil ihres Einkommens für Strom ausgeben, wären sie im Vorteil.

WDR: Können Sie konkrete Beispiele nennen?

Schumacher: Mal angenommen, der CO2-Preis steigt auf 80 Euro, was in absehbarer Zeit nicht auszuschließen ist. Die zehn Prozent der Haushalte mit dem geringsten Einkommen könnten bei einem Wegfall der EEG-Umlage etwa mit einer Entlastung von 60 Euro pro Kopf und Jahr rechnen. Das kommt natürlich auch darauf an, ob Vermieter künftig stärker an den zusätzlichen Heizkosten beteiligt werden, wie es zurzeit diskutiert wird.

Diskussion um Benzinpreise: "Billiges Wahlkampfmanöver"

WDR 2 Beobachter 04.06.2021 03:47 Min. Verfügbar bis 04.06.2022 WDR 2


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WDR: Normalverdiener werden nicht entlastet?

Schumacher: Eine Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro, die zur Miete wohnt und höchstens 15.000 Kilometer im Jahr mit dem Auto fährt, müsste mit zusätzlichen CO2-Kosten von rund 33 Euro rechnen. Aber durch die Einsparungen beim Strom sollte sich das mehr als ausgleichen. Für Vielfahrer mit hohem Einkommen wird es allerdings teurer.

WDR: Aber der CO2-Preis sollte doch eigentlich ein Anreiz für jeden sein, seinen Verbrauch an fossilen Brennstoffen und vielleicht auch an Strom zu verringern. Ist eine Entlastung denn überhaupt sinnvoll?

Schumacher: Ja, wenn sie vor allem Geringverdienern zugute kommt, die weniger Möglichkeiten haben, ihren Verbrauch durch neue Technik oder Verzicht zu reduzieren als Wohlhabende.

Das Interview führte Andreas Poulakos.

Stand: 04.06.2021, 23:24

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