Teures Tanken: Profitiert der Staat von den hohen Preisen?

Stand: 11.03.2022, 10:40 Uhr

Viele Autofahrer sind fassungslos über die extrem gestiegenen Spritpreise. Grund für den Anstieg ist aber in erster Linie das teure Öl - auch wenn der Staat durch Steuern und Abgaben mitverdient.

Von Nico Rau

Von jeder Tankrechnung fließt etwa die Hälfte als Steuern in die Staatskasse. Dazu gehört vor allem die Energiesteuer (früher: Mineralölsteuer). Sie beträgt bei einem Liter Kraftstoff zurzeit rund 65 Cent für Benzin und 47 Cent für Diesel. Über den Einkauf von Rohöl für die Spritproduktion bekommt der Staat nochmals Einnahmen durch die CO2-Steuer, die auf fossile Energien fällig ist. Pro Liter sind das etwa 8 Cent. Oben drauf kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Macht sich der Staat die Taschen voll?

Allein durch die Energiesteuer verdiente der Staat 2020 rund 35 Milliarden Euro. Doch die Experten sind sich einig: Die hohen Preise für Sprit sind vor allem Folge des stark gestiegenen Roh-Ölpreises. Der wird wiederum von Spekulanten beeinflusst, die weltweit Öl aufkaufen. Sie sichern sich für den Fall ab, dass es ein Embargo auf russisches Gas gibt. Klar ist aber auch: Mit jedem Preisanstieg beim Sprit verdient auch der Staat mehr durch die darauf entfallende Mehrwertsteuer.

Staat hat auch höhere Ausgaben

Diese Einnahmen sind natürlich willkommen. Denn hohe Energiekosten kosten auch den Staat viel Geld. Dienstfahrzeuge fahren zurzeit ebenfalls mit teurem Benzin oder Diesel. Höhere Preise bei Strom und Gas machen sich auch bemerkbar, wenn Behörden und Ministerien geheizt und mit Strom versorgt werden.

Was bleibt bei den Tankstellenbetreibern?

Die Mineralölkonzerne schweigen am liebsten darüber, was sie mit Benzin und Diesel verdienen. Der Mineralölkonzern Aral gibt an, pro Liter Superbenzin E10 zwischen 1-2 Cent Gewinn zu erwirtschaften. Kosten etwa durch Tankstellenpacht, Vertrieb, Verwaltung und Weiteres veranschlagt er mit rund 10 Cent pro Liter.

Warum sind die Spritpreise in anderen Ländern nicht so stark gestiegen?

Auch in den Nachbarländern sind durch den Ukraine-Krieg die Preise an den Tankstellen in die Höhe geschossen. Aber deutlich weniger stark als in Deutschland. In Tschechien, Luxemburg oder Österreich tanken Autofahrer günstiger. Der ADAC begründet das so: "Grund dafür sind niedrigere Mineralölsteuern oder fehlende CO2-Abgaben. Auch in Polen tanken Autofahrer günstiger als hierzulande. Das Land hat im Februar zudem den Mehrwertsteuersatz vorübergehend von 23 auf 8 Prozent reduziert, was auch für Kraftstoffe gilt."

Mehrwertsteuer absenken

Nicht nur in Polen ist die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe gesenkt worden. Auch Irland hat gerade angekündigt, die Autofahrer steuerlich zu entlasten. Benzin soll 20 Cent und Diesel 15 Cent pro Liter günstiger werden. Dass Deutschland die Mehrwertsteuer senkt, ist momentan unwahrscheinlich. Bundesfinanzminister Christian Lindner hat das kürzlich abgelehnt. Trotz hoher Spritpreise plane die Regierung zurzeit keine weiteren Entlastungen für die Bürger.

Warum auch noch eine CO2-Steuer?

Die CO2-Steuer soll eine Lenkungswirkung erzielen. Das bedeutet, fossile Energien sollen unattraktiv und nachhaltige Energienutzung gefördert werden. Oder auf den Autofahrer gemünzt: der Umstieg auf das E-Auto soll dadurch attraktiver werden. Mit der CO2-Steuer soll natürlich auch die Energiewende mitfinanziert werden.

In einer früheren Version hatten wir eine Grafik eingebaut, die leider missverständlich war. Die Grafik zeigte eine Berechnung von Statista für Superbenzin im Januar 2022. Die Prozentzahlen waren eine Momentaufnahme, die Verhältnisse ändern sich mit steigenden Preisen. Weil der größte Anteil an den Abgaben, die Energiesteuer ("Mineralölsteuer"), ein Festbetrag von etwa 65 Cent und auch die CO2-Abgabe ebenfalls ein fester Betrag von ca. 8,5 Cent ist, wächst der Anteil der Steuern und Abgaben am Benzinpreis nicht mit steigenden Preisen, sondern sinkt sogar. Heute liegt er insgesamt unter 50 Prozent.

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