Belgisch Limburg: Entführter Junge nach sechs Wochen frei

Pressekonferenz der belgischen Staatsanwaltschaft.

Belgisch Limburg: Entführter Junge nach sechs Wochen frei

Von Karin Schneider

  • Entführung in Belgien beendet
  • 13-Jähriges Opfer unverletzt
  • Mehrere Festnahmen

In Genk in der Provinz Belgisch Limburg ist in der Nacht zu Pfingstmontag (01.06.2020) ein 13 Jahre alter Junge frei gekommen. Er war vor sechs Wochen entführt worden.

In der Nacht zum 21. April hatten mehrere bewaffnete und maskierte Männer in polizeiähnlichen Uniformen den Jugendlichen mit Gewalt aus seinem Elternhaus verschleppt. Die Täter verlangten fünf Millionen Euro Lösegeld, teils in bar, teils in Gold.

Hohes Lösegeld gefordert

Laut Staatsanwaltschaft hatte es zwischen der Familie und den Entführern zahlreiche Lösegeldverhandlungen gegeben. Zwei Mal schickten die Täter den Eltern Beweise, dass ihr Sohn noch am Leben war.

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Am Montag, kurz nach Mitternacht, kam der 13-Jährige völlig unerwartet nach Hause. Er sei von einem Auto in die Nähe seines Elternhauses gebracht und dort abgesetzt worden, berichtete er. Er sei anscheinend gesundheitlich wohlauf, sagte die Staatsanwaltschaft, sei aber verstört gewesen.

Er und seine Familie werden jetzt medizinisch und psychologisch betreut. Unter welchen Umständen der Junge frei kam, ist noch unklar. Ob die Familie das komplette Lösegeld bezahlt hat, wurde nicht bekannt. Auf jeden Fall habe sie einen Teil der geforderten fünf Millionen übergeben, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag in Hasselt mit.

Abrechnung im Drogenmilieu?

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Hintergrund der Entführung eine Abrechnung im Drogenmilieu war. Denn die Familie des 13-Jährigen ist für solche Delikte bekannt.

Ein Onkel des Jungen verbüßt zurzeit eine 15-jährige Haftstrafe wegen illegaler Drogengeschäfte im großen Stil. Auch der Vater wurde bereits wegen Drogendelikten verurteilt.

Unmittelbar nach der Freilassung des 13-Jährigen wurden zwölf Häuser und Wohnungen in Belgisch Limburg und in Antwerpen von der Polizei durchsucht. Dabei wurden sieben Verdächtige festgenommen. Mehr als 100 Beamte waren an den Ermittlungen beteiligt. Beteiligt waren auch Ermittler in Frankreich, den Niederlanden und in den Vereinigten Staaten.

Polizei dankt den Medien

Um das Leben des Kindes nicht zu gefährden hatte die Justiz die Medien gebeten, den Fall geheim zu halten. "Alle haben sich daran gehalten, wir sind sehr zufrieden. Wir hatten wirklich um das Leben des Jungen gefürchtet" sagte Oberstaatsanwalt Kris Vandepaer.

Am Montag und Dienstag sollen die sieben Verdächtigen dem Haftrichter vorgeführt werden. Mit Ausnahme der Doutroux-Affäre war die Entführung die längste in der belgischen Geschichte.

Stand: 01.06.2020, 16:22

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