Augenzeugin der Explosionen in Beirut: "Komplettes Chaos"

Augenzeugin der Explosionen in Beirut: "Komplettes Chaos"

  • Bei Explosionen in Beirut sind mindestens 135 Menschenen gestorben
  • Die Deutsche Sina-Maria Schweikle war Augenzeugin der Katastrophe
  • Sie erzählt, was sie erlebt hat

Nach den schweren Explosionen im Hafen von Beirut am Dienstag (04.08.2020) hat das libanesische Rote Kreuz die Zahl der Toten auf mindestens 135 beziffert. Mehr als 5.000 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Organisation am Mittwoch mit.

Sina-Maria Schweikle ist Fotografin und lebt in Beirut unweit des Hafens. Sie sah die schweren Explosionen aus ihrem Fenster und berichtete am Mittwochmorgen bei 1LIVE von ihren Erlebnissen.

WDR: Hallo Sina-Maria, ist bei Dir alles gut?

Sina-Maria Schweikle: Ja, momentan ist alles in Ordnung

WDR: Wie hast Du das gestern erlebt?

Sina-Maria Schweikle, Fotografin

Am Tag danach: Sina-Maria Schweikle

Schweikle: Wahnsinnig erschreckend, erschütternd, chaotisch - beänstigend trifft es wohl am besten. Ich saß an meinem Bürotisch, habe ein Geräusch gehört und dachte: Was ist das?! Ehe ich mich versah, lag ich am Boden. Die Wohnung komplett zerstört, die Fenster draußen, Scherben überall. Ich habe mich erstmal umgeschaut und gemerkt, dass ich am Rücken ein wenig blute und etwas am Fuß habe - aber nichts Schlimmes. Dann habe ich überlegt: Was nun? Man wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was passiert ist.

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WDR: Bist Du dann aus dem Haus gegangen?

Schweikle: Genau, im Flur habe ich noch meine Nachbarn getroffen. Wir waren dann draußen auf der Straße und haben ein komplettes Chaos gesehen. Scherben auf dem Boden von den Fenstern. Leute haben gelegen und gesessen, waren verletzt, blutüberströmt.

WDR: Das klingt, als würdet Ihr direkt neben der explodierten Lagerhalle wohnen.

Schweikle: Das ist tatsächlich nicht weit vom Hafen entfernt. Wenn ich mich bei mir auf den Balkon stelle - der ist vielleicht noch da, das weiß ich jetzt nicht -, sehe ich den Hafen. Der ist in Sichtweite.

WDR: Du weißt nicht, ob Dein Balkon noch da ist?

Schweikle: Ich bin momentan nicht in meiner Wohnung. Die Wände stehen zwar noch, aber sie ist sehr in Mitleidenschaft gezogen. Gestern bin ich immer wieder hoch in den vierten Stock in meine Wohnung gerannt, weil unten kein Wasser verfügbar war. Ich habe gedacht: Die brauchen doch Trinkwasser.

Ich habe die Wohnung zwar gesehen. Verbrannt, zerstört, Dinge liegen rum. Aber ich konnte es noch nicht so ganz wahrnehmen. Ich konnte da auch nicht schlafen, deshalb weiß ich momentan wenig über den Zustand. Ich muss da heute nochmal hin.

WDR: Wie geht es bei Dir heute persönlich bei Dir weiter?

Schweikle: Ich bin bei Freunden untergekommen, die in der Nähe wohnen. Wir werden jetzt die Wohnungen anschauen, wie viel Schaden dort ist, und sehen, was wir noch retten können. Und dann können wir anpacken.

Das Interview führten Donya Farahani und Andreas Bursche für 1LIVE. Für die schriftliche Fassung wurde es leicht bearbeitet.

Stand: 05.08.2020, 19:14

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