Kampf gegen Wortungetüme: Amtsdeutsch soll entstaubt werden

Illustration Wortmonster

Kampf gegen Wortungetüme: Amtsdeutsch soll entstaubt werden

  • Behördenformulare sollen verständlicher werden
  • Überarbeitete Vordrucke schon im Umlauf
  • Gesellschaft für deutsche Sprache: Schwieriges Vorhaben

Wenn aus einem einfachen Baum ein "Raumübergreifendes Großgrün" wird oder eine stinknormale Drehtür plötzlich als "Personenvereinzelungsanlage" daher kommt, kann man fast sicher sein, feinstes Amtsdeutsch gefunden zu haben. In vielen Formularen und Anschreiben von offiziellen Ämtern finden sich noch veraltete, unnötig komplizierte und verschwurbelte Wortkreationen. Doch das soll nun anders werden.

Unnötige sprachliche Hürden

Nordrhein-Westfalen will entsprechende Bemühungen auch auf Bundesebene vorantreiben. In NRW seien die meisten der überarbeiteten Vordrucke bereits im Umlauf, sagt ein Sprecher des Finanzministeriums. Ob beim Kindergeldanspruch oder bei der Fristverlängerung zur Abgabe der Steuererklärung: In vielen Bereichen haben die Behörden versucht, unnötige sprachliche Hürden beiseite zu räumen.

Aus Hundertsatz wird Prozent

Veraltete Begriffe wie fernmündlich, Ablichtung, Hundertsatz oder Lichtbild, wurden durch telefonisch, Kopie, Prozent und Foto ersetzt. Bandwurmwörter wurden aufgelöst: Aus dem Grundbesitzfeststellungsbescheid wird der Bescheid über die Feststellung des Grundbesitzwerts - aus der Bundesfinanzhofentscheidung eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs.

Verständlich und juristisch wasserdicht

Ein Schritt in die richtige Richtung sei das, findet Lutz Kuntzsch von der Gesellschaft für deutsche Sprache. Einer Studie der Gesellschaft zufolge haben 86 Prozent der Befragten Schwierigkeiten beim Lesen der Schreiben von Ämtern, Behörden, Gerichten oder Anwaltskanzleien.

Dass alle Schreiben zwischen Bürger und Amt eines Tages einfach und leicht verständlich ablaufen werden, sei aber eine Illusion. "Die Texte müssen natürlich juristisch wasserdicht sein." Das mache es oft schwierig.

Training bei Germanisten

Pläne für eine bürgerfreundliche Sprache hat es aber auch schon früher in NRW gegeben. Verständlichere und rechtlich korrekte Formulierungen zu entwickeln, das beschlossen zum Beispiel schon im Jahr 2000 die Stadt Bochum und das Germanistische Institut der Ruhr-Universität. Sprachwissenschaftler machten sich gemeinsam mit Verwaltungsbeschäftigten daran, Bandwurmsätze zu kürzen und Verklausuliertes aufzulösen.

Das Projekt hatte Erfolg. Die neuen Texte können in einer Datenbank abgerufen werden. In Schreibwerkstätten trainieren die Beschäftigten zudem, wie man verständlich und trotzdem rechtlich korrekt formuliert. Die Sprachwissenschaftler haben mittlerweile den Internet-Dienst für eine moderne Amtssprache (Idema) gegründet - eine Gesellschaft für verständliche Sprache.

Stand: 17.03.2019, 14:04

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