Behandlungsfehler im OP: "Das hätte verhindert werden können"

Behandlungsfehler: Medizinischer Dienst stellt Statistik vor Aktuelle Stunde 16.05.2019 02:35 Min. UT Verfügbar bis 16.05.2020 WDR Von Meike Hendriksen

Behandlungsfehler im OP: "Das hätte verhindert werden können"

  • Medizinischer Dienst der Krankenversicherung: 455 Behandlungsfehler in NRW
  • Jede fünfte Beschwerde bestätigt
  • Patientin kämpft um ihr Recht

Vanessa Jäkels hat ihr erstes Kind in der Schwangerschaft verloren und wäre beinahe selbst gestorben. Mit Unterleibsschmerzen kam sie damals ins Krankenhaus. Die Ärzte machten den Blinddarm verantwortlich und entfernten diesen. "Später wurde in einem anderen Krankenhaus festgestellt, dass es eine Gebärmutterentzündung war, die frühzeitig hätte behandelt werden können", berichtete Jäkels am Donnerstag (16.05.2019) dem WDR. Letztlich sei die Entzündung so weit fortgeschritten gewesen, dass sich der Mutterkuchen löste und das Kind verstarb. "Das hätte verhindert werden können."

Jeder fünfte Verdacht bestätigt

Vanessa Jäkels

Vanessa Jäkels

Vanessa Jäkels ist eine von vielen Patientinnen und Patienten, die bei sich einen Behandlungsfehler vermuten. Wie der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) am Donnerstag mitteilte, wurden im vergangenen Jahr allein in Nordrhein-Westfalen 2.223 Gutachten nach Patientenbeschwerden durchgeführt.

Behandlungsfehler - Mangelndes Fehlermanagement

WDR 5 Profit - aktuell 16.05.2019 04:05 Min. Verfügbar bis 15.05.2020 WDR 5

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Bei etwa jedem fünften Verdacht (455 Fälle) wurde zwar der Behandlungsfehler bestätigt (2017 waren es 442 bestätigte Fälle). In nur knapp 15 Prozent der Fälle war der Behandlungsfehler aber auch die Ursache für die Beschwerden des Patienten. Die landesweit meisten Beschwerden bezogen sich auf die Bereiche Orthopädie und Chirurgie (etwa 28 Prozent), Zahnmedizin und Kieferorthopädie (etwa 26 Prozent) und Frauenheilkunde und Geburtshilfe (etwa 21,5 Prozent).

Dunkelziffer noch höher

Der MDK geht davon aus, dass die Dunkelziffer noch höher ist. "Ein Arzt meldet einen Behandlungsfehler selten selbst und der Patient kann es schwer einschätzen", sagte Klaus-Peter Thiele, leitender Arzt des MDK Nordrhein, dem WDR. Andere Patienten wenden sich direkt an Anwälte und Gerichte. Grundsätzlich rät der MDK Patienten dazu, den behandelnden Arzt direkt anzusprechen, sobald sich Fragen oder ein mulmiges Gefühl einstellen.

Thiele sprach sich dafür aus, die Kommunikation bei Operationen zu verbessern. Zum Beispiel sollte es doppelte Kontrollen und Überprüfungen geben. Diagnosen und Verfahren sollten immer im Team besprochen werden. Thiele verwies auch auf den sogenannten Team-Time-Out, bei dem vor dem Eingriff anhand einer Checkliste nochmal alle Punkte genau besprochen werden. Damit sollen Verwechslungen verhindert und Kollegen auf mögliche Komplikationen vorbereitet werden.

Heute berufsunfähig

Vanessa Jäkels hat mittlerweile zwei gesunde Kinder, ist nach ihrer Odyssee mit mehrfachen Eingriffen aber berufsunfähig. Sie hat inzwischen mit Hilfe einer Anwältin Klage eingereicht. Ein Gutachten soll bald für Klarheit sorgen.

Stand: 16.05.2019, 16:11

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