Zum Geburtstag: Sieben überraschende Beethoven-Fakten

Beethoven-Graffiti in Bonn

Zum Geburtstag: Sieben überraschende Beethoven-Fakten

Von Sabine Tenta

Zu Beethovens 250. Geburtstag klären wir Fragen wie: Woher kommt das Blei in seinem Blut? Wie kommt er in die Disko? Wie taub war er wirklich? Who the f**k is Elise?

1. Wer bin ich und wenn ja wie alt?

Ein ganz schön gerissener Hund namens Beethoven hat für reichlich Verwirrung gesorgt. Nein, wir meinen hier nicht den Bernhardiner aus dem Familienfilm mit seinen sieben (!) Fortsetzungen. Wir meinen Papa Beethoven.

Als Ludwig 1778 sein erstes öffentliches Konzert mit siebeneinhalb Jahren gibt, preist ihn sein Vater als sechsjähriges "Wunderkind" an. Diesen Push hätte die Karriere des Musikgenies wirklich nicht gebraucht. Aber bei Ludwig bleibt eine Verunsicherung über sein wahres Alter zurück.

Als Erwachsener lässt er darum nach seinem Taufschein forschen, der datiert auf den 17.12.1770. Das Geburtsdatum bleibt bis heute im Dunkeln.

2. Wie taub war Beethoven wirklich?

Beethoven hat bereits mit unter 30 schlecht gehört, zusätzlich plagte ihn ein Tinnitus ("meine Ohren, die sausen und brausen Tag und Nacht fort"). Die Schwerhörigkeit nimmt mit fortschreitendem Alter zu.

Als seine letzte Sinfonie, die Neunte, uraufgeführt wird, ist er 53. Den Schluss-Applaus kann er schon nicht mehr hören. Man muss ihn anstupsen, damit er sich am Dirigentenpult umdreht.

Medizinhistoriker gehen davon aus, dass ihm bis zum Lebensende mit nur 56 Jahren jedoch ein kleiner Rest an Hörfähigkeit bleibt. Übrigens: Um die "good vibes" seines Klavierspiels zu hören, befestigt er einen dünnen Holzstab am Flügel und nimmt das andere Ende zwischen die Zähne. So übertragen sich die Schwingungen in seinen Körper.

Ludwig van Beethoven: Klavierstück a-Moll WoO 59 ("Für Elise")

WDR 3 Meisterstücke 15.12.2019 12:57 Min. Verfügbar bis 11.12.2099 WDR 3


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3. Who the f**k is Elise?

Das an Superlativen nicht gerade arme Leben Beethovens fügt "Für Elise" einen weiteren Rekord hinzu: Es gilt als das bekannteste Klavierstück der Welt. Ganze Generationen von Klavierschülerinnen und -schülern wurden damit gequält.

Catarina Valente machte daraus einen Schlager ("Rote Rosen werden blühn"). Auf der langen Liste der Verwendung als Filmmusik stehen unter anderem "James Bond - Lizenz zum Töten", "Der Tod in Venedig" und "Inglourious Basterds".

Aber wer ist nun Elise? Statt einer klaren Antwort gibt es nur Spekulationen. Wahrscheinlich ist die Opernsängerin Elisabeth Röckel gemeint. Eine von vielen Frauen, um die Beethoven vergeblich wirbt. Er stirbt unverheiratet.

4. Warum ist die "Schwachstarktastenkasten-Sonate" ein echter Hammer?

Als schwierigstes Werk Beethovens gilt die "Hammerklavier-Sonate". Bereits 1817 komponiert, dauert es fast 20 Jahre, bis das technisch anspruchsvolle, sehr schnelle Stück vor einem größeren Publikum aufgeführt wird - von Franz Liszt.

Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven

Beethoven verlangt ein derart rasantes Tempo, dass Spekulationen aufkommen, sein Metronom sei beim Komponieren defekt gewesen. Seiner "Klaviersonate Nr. 29 B-Dur op. 106" gab Beethoven den Titel "Hammerklavier-Sonate", weil er das italienische Wort "Pianoforte" nicht mochte. Lieber nannte Beethoven das Instrument, bei dem die Saiten mit Hämmern angeschlagen werden, "Schwachstarktastenkasten".

5. Wie kommt die Fünfte von Beethoven in die Disko?

Die Popmusik zitiert, umarmt und feiert Beethoven. Walter Murphy und die Big Apple Band zeigen 1976 mustergültig, wie eine zeittypische Adaption funktioniert mit "Eine Fünfte von Beethoven".

Die ersten Takte der Sinfonie - ta-ta-ta-taaaa - sind für viele der Inbegriff klassischer Musik. "Die Fünfte" - das wird weltweit spontan mit Beethoven assoziiert. Als hätten nicht auch andere Komponisten fünf Sinfonien geschaffen.

Ludwig van Beethoven: 5. Sinfonie, Opus 67

WDR 3 Meisterstücke 13.12.2020 12:59 Min. Verfügbar bis 11.12.2030 WDR 3


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Wer Murphys Fünfte mit ihrem Synthesizer-Sound hört, sieht über sich sofort die Disco-Kugeln rotieren. Diese tanzbare Fünfte schafft es sogar in den John-Travolta-Film "Saturday Night Fever".

Aber Beethoven funktioniert auch als Metal-Musik. Das zeigen eindrucksvoll "The Human Abstract" mit ihrer Mondschein-Sonaten-Version.

6. Woher stammt das Blei in Beethovens Körper?

In vielen Biografien wird als Beethovens Todesursache eine Leberzirrhose genannt. Er trinkt reichlich Alkohol, vor allen Dingen billigen Weißwein. Dieser Fusel ist mit Bleizucker gesüßt.

Aber auch der Medizin, die er bekommt, ist mitunter Blei beigesetzt. Und Bleirohre in den Haushalten sind ebenfalls normal. So kann später in einem Haarbüschel des Komponisten ein unfassbar hoher Bleiwert nachgewiesen werden.

Eine Bleivergiftung wird als Todesursache heute ausgeschlossen. Aber sie hat sicher das Leiden am Lebensende verstärkt.

7. Was macht Joseph Beuys in der Küche von Beethoven?

Der WDR hat zum 200. Geburtstag des Komponisten keinen geringeren als Mauricio Kagel beauftragt, einen 90-minütigen Film über Beethoven zu machen. "Ludwig van" heißt das 1970 erstmals gezeigte Werk.

Es ist ein experimenteller Film, in dem Beethoven durch das Bonn der 1960er Jahre schlendert. Er besucht ein imaginäres Beethoven-Haus, das von Fluxus-Künstlern gestaltet wurde. Die Küche steuerte Joseph Beuys bei, gedreht wurden die Szenen in seinem Atelier.

Aber auch Werner Höfer, legendärer Gastgeber des Internationalen Frühschoppens, konnte als Darsteller gewonnen werden. Ein Film, so revolutionär und verstörend wie die Musik Beethovens zu seinen Lebzeiten.

5 weitere Fakten über Beethoven Planet Wissen 16.10.2020 01:05 Min. Verfügbar bis 16.10.2025 WDR

Stand: 17.12.2020, 10:41

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