Nach Geiselnahme: Wie sicher sind forensische Kliniken?

Nach Geiselnahme: Wie sicher sind forensische Kliniken?

  • Straftätern gelingt Flucht aus forensischer Psychiatrie in Bedburg-Hau
  • Zwei Insassen nahmen Pfleger als Geisel
  • Wie konnte das passieren und wie sicher sind solche Kliniken?

Wer sitzt in forensischen Psychiatrien?

In forensischen Psychiatrien in NRW, auch Maßregelvollzugsanstalten genannt, sitzen mehr als 3.000 Menschen, die eine Straftat begangen haben und wegen einer psychischen Erkrankung, verminderter Intelligenz oder einer Suchterkrankung als schuldunfähig oder vermindert schuldfähig gelten.

Wie sind die beiden Geflüchteten an ein Messer gekommen?

Einer der beiden Geflüchteten in Bedburg-Hau hatte sich ein Messer ausgeliehen, um sich eine Scheibe Brot abzuschneiden. Patienten, die für die Therapeuten als einschätzbar gelten, dürfen das gegen eine Unterschrift, sagt Klaus Lüder vom Landschaftsverband Rheinland, zu dem die Klinik gehört. Sich Mahlzeiten selber zuzubereiten gehört zum Resozialisierungsprozess der Insassen. Anhaltspunkte, dass diesmal Kontrollmechanismen versagt haben, sieht der Landschaftsverband derzeit nicht. Dennoch möchte der Landesverband Ruhr nun zunächst intern prüfen, ob die Sicherheitssysteme überarbeitet werden müssen. Dazu gehören technische und bauliche Maßnahmen.

Wie sind die Einrichtungen gesichert?

Zäune der Forensik

Forensische Kliniken sind von hohen Zäunen umgeben, in Bedburg-Hau ist der Zaun fünf Meter hoch. Freigang haben nur Straftäter, die als ungefährlich gelten und kurz vor der Entlassung stehen. Freigänge sind Teil der Therapie. Zum Maßregelvollzug in Bedburg-Hau gibt es nur einen Zugang, der von einem Pförtner gesichert wird.

Was macht eine Flucht per Geiselnahme so "attraktiv"?

Grundsätzlich kann eine Flucht durch Geiselnahme nie ausgeschlossen werden, sagt ein Sprecher der forensischen Psychiatrie in Lippstadt-Eickelborn. Das liegt daran, dass eine Flucht auf anderem Wege unmöglich erscheint, zum Beispiel wegen der hohen Mauern.

Gab es in den vergangenen Jahren ähnliche Vorfälle?

Vor drei Jahren hatten zwei Insassen in Bedburg-Hau einen Pfleger als Geisel genommen, einer der Männer konnte den Zaun überwinden. Ende 2018 wollten Patienten in Bedburg-Hau ihre Freilassung erzwingen, die Polizei beendete die Tumulte.

In der forensischen Psychiatrie in Lippstadt-Eickelborn gab es 2002 eine Geiselnahme. Der Täter konnte noch innerhalb der Anstalt überzeugt werden, die Pflegekraft freizulassen. 2017 gelang eine Flucht – nicht aus der Klinik, sondern bei einer Überstellungsfahrt. Der Mann wurde ein paar Stunden später festgenommen.

Gibt es häufig Ausbrüche aus forensischen Psychiatrien?

Es kommt relativ selten zu einer Flucht oder dazu, dass Insassen von einem Freigang nicht zurückkehren. Die Zahl der nicht zurückgekehrten Freigänger ist laut NRW-Gesundheitsministerium in den vergangenen zehn Jahren um fast die Hälfte gesunken. Die Anzahl der Insassen sei im gleichen Zeitraum um etwa zwei Drittel gestiegen.

Polizist schoss auf Entflohenen in Notwehr

WDR 5 Westblick - aktuell 27.05.2020 04:54 Min. Verfügbar bis 27.05.2021 WDR 5

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Stand: 27.05.2020, 20:13

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