Glyphosat-Klagen überschatten Bayer-Bilanz

Der Chemie- und Pharmaziehersteller Bayer.

Glyphosat-Klagen überschatten Bayer-Bilanz

  • Leverkusener Pharma-Konzern legt Bilanz vor
  • Geschäfte liefen bei Bayer 2019 ordentlich
  • Zahl der Glyphosat-Klagen dürfte dominieren

Am Donnerstag (28.02.2020) legt der Leverkusener Pharma- und Agrar-Riese Bayer seine Bilanz vor. Doch die Augen dürften vor allem auf die neue Zahl an Glyphosat-Klagen gerichtet sein, mit denen Bayer in den USA konfrontiert ist.

Wie laufen die Geschäfte bei Bayer?

Die Geschäfte sind 2019 bei Bayer insgesamt ganz ordentlich gelaufen. Vor allem die Pharma-Sparte war zuletzt wieder stärker gewachsen, auch weil Bayer viele Medikamente in China verkaufen konnte. Kritisch sieht Markus Mayer von der Bader Bank jedoch, dass mittelfristig die Pipeline mit Patenten für neue Medikamente nicht mehr gut gefüllt sei.

Die Entwicklung in der Agrar-Sparte war dagegen durchwachsen. Das Geschäft mit Saatgut und Pflanzenschutz hatte im ersten Halbjahr unter extremen Wetterverhältnissen gelitten: Überschwemmungen in den USA und Trockenheit in weiten Teilen Europas und Kanada.

Besser lief es im zweiten Halbjahr. Bayer profitiert davon, dass die Bauern auf großen Märkten wie Süd-Amerika gute Ernten eingefahren, sagt Markus Mayer: "Dann geben die Bauern mehr Geld für Pflanzenschutz aus."

Interview: Bayer will nachhaltiger werden

WDR 5 Profit - aktuell 03.01.2020 13:35 Min. Verfügbar bis 02.01.2021 WDR 5

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Zeichnet sich im Glyphosat-Streit eine Lösung ab?

Eine Lösung könnte eine außergerichtliche Einigung zwischen Bayer und den Klägern sein. Der US-amerikanische Anwalt Ken Feinberg lotet zurzeit die Chancen dafür aus. Es könnte schon in zwei Wochen einen neuen Stand geben, sagte ein mit dem Fall befasster US-Anwalt dem WDR.

In den Medien kursierten bereits Gerüchte über Entschädigungssummen. Zuletzt war von insgesamt zehn Milliarden US-Dollar die Rede. Bayer hat sich dazu nicht geäußert.

Die Zahlen der Klagen war im Oktober 2019 auf 42.700 hochgeschnellt. Grund für die Klagen ist ein glyphosathaltiger Unkrautvernichter des US-Saatgutherstellers "Monsanto", den Bayer übernommen hatte. Drei große Prozesse hat Bayer in erster Instanz verloren und ist in Berufung gegangen.

Wie geht es den Mitarbeitern?

Die Klagewelle in den USA sorge auch unter den Mitarbeitern für Verunsicherung, heißt es aus Kreisen, die den Beschäftigten nahe stehen. Für wenig Freude dürfte das Umstrukturierungsprogramm sorgen, das Bayer 2018 angekündigt hatte. Weltweit sollen 12.000 Jobs wegfallen – 4.500 in Deutschland.

Demonstration von Bayer-Beschäftigten

Demonstration von Bayer-Beschäftigten 2018

Besonders betroffen sind die Verwaltung in Leverkusen, Bereiche in der IT und die Pharma-Forschung. Die großen Standorte hierfür sind Wuppertal und Berlin. Der Großteil der Mitarbeiter wisse mittlerweile Bescheid, sagte ein Bayer-Sprecher. Betriebsbedingte Kündigungen hatte der Konzern bis Ende 2025 ausgeschlossen.

Stand: 27.02.2020, 08:16

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