Baumkrankheiten: Diesmal erwischt's den Ahorn

Bergahron mit abblätternder Rinde

Baumkrankheiten: Diesmal erwischt's den Ahorn

Von Stefan Michel

  • Rußrindenpilz befällt Ahornbäume
  • Waldarbeiter müssen Atemmasken tragen
  • Trockener Sommer hat Bäume geschwächt

Rußrindenkrankheit heißt die aus Nordamerika eingeschleppte Seuche, der zurzeit allerorten die Bergahorne zum Opfer fallen. Ihm seien "fast keine Bestände bekannt, in denen ich keinen Rußrindenpilz finden kann", sagt der Baum-Sachverständige Jürgen Kutscheidt aus Krefeld. Nach nur vier Wochen seien Bäume befallen, "die vorher noch vital aussahen. Das geht sehr schnell."

Die Rinde der kranken Ahorne platzt auf, und eine schwarze Schicht aus Pilzsporen kommt zum Vorschein. Wegen dieser Sporen müssen die Waldarbeiter Atemmasken tragen. Denn sie verursachen beim Einatmen "Fieber, Schwächeerscheinungen, aber auch Lungenerkrankungen", so Kutscheidt.

Allein in Bonn sind in den vergangenen Monaten schon fast 600 Bergahorne gefällt worden. "Wir können nichts tun", versichert Dieter Fuchs vom Amt für Stadtgrün, außer "die betroffenen Bäume zu fällen und auf einen feuchten Sommer zu hoffen."

Gestresste Bäume werden schneller krank

Von Katja Goebel

Der trockene Sommer hat die Bäume in NRW gestresst. Borkenkäfer und eingeschleppte Pilze machen ihnen zu schaffen. Unter den Bäumen gibt es längst Dauerpatienten.

Erst kamen die Stürme, dann folgte im Sommer 2018 der Hitzestress für die Bäume. Der Wald müsse klimafit und weniger anfällig angebaut werden, sagt NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. "Entscheidend ist dabei die richtige Mischung klimaangepasster Arten." Ein Blick auf die Dauerpatienten in NRW-Wäldern.

Fichten: Zwei Millionen Fichten hat allein der Borkenkäfer 2018 in NRW vernichtet. Die Schädlinge hatten in diesem trockenen Jahrhundertsommer optimale Vermehrungsbedingungen und befallen immer mehr Bäume. Durch den Monate anhaltenden Wassermangel hatten die Bäume nicht mehr genügend Abwehrkräfte, um sich vor einem Angriff schützen zu können.

Trotz der prekären Situation sind nicht alle Fachleute unglücklich mit der Borkenkäfer-Invasion. Im Nationalpark Eifel verstehen sie die Insekten sogar als Helfer: Denn noch besteht etwa die Hälfte des Schutzgebietes aus Nadelbäumen. Ziel ist aber die Entwicklung zum Buchenwald.

Mancher Revierförster denkt längst daran, Baumsorten zu pflanzen, die die Trockenheit besser verkraften - wie Douglasien, Küstentannen oder Elsbeeren.

Die NABU-Naturschutzstation Münsterland hat vier Jahre lang an Maßnahmen zur Stärkung der Wälder gearbeitet. Das Projekt nennt sich "Fit für den Klimawandel". Besonders wichtig sei der Boden - der müsse feucht sein. Nur dann bleibe der Wald gesund. Auch könnten viele Fichtensorten mit ihren flachen Wurzeln bei Stürmen schnell umkippen. Besser seien Eichen.

Der Pilz nistet sich in den Bäumen ein und kappt die Versorgung, der Baum verdurstet und verhungert. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Der Einsatz von Giften hilft nicht. Die Forstbehörden setzen auf Zeit: Kranke Bäume sollen gefällt und der Bestand weiter beobachtet werden. Wissenschaftler und Forstökologen sind bereits auf der Suche nach einzelnen resistenten Bäumen aus anderen Eschenarten - wie der amerikanischen Esche.

Kastanien: Bei vielen Kastanien im Land wütet ebenfalls seit einigen Jahren das aggressive Bakterium "Pseudomonas syringae". Ist der Befall einmal da, kann das weitreichende Folgen haben. Erkennen kann man den Befall durch dunkel ausblutende Stellen an der Rinde des Baumes. Die Triebe sterben ab und der Baum wird mit der Zeit schütter. Laut Landwirtschaftskammer ist noch völlig unklar, woher der Krankheitserreger kommt. Ein Gegenmittel gibt es nicht.

Heißhunger auf Kastanien hat aber auch noch ein anderer Schädling: die Miniermotte. Die Larven dieser fünf Millimeter kleinen Schmetterlinge fressen sich durch das Laub der Rosskastanie und sorgen dafür, dass die Blätter braun werden und schließlich früh abfallen. Ist ein Baum befallen, sollte das herabgefallene Laub so schnell wie möglich verschwinden. Die Landwirtschaftskammer rät, das Laub entweder über zentrale Kompostieranlagen zu vernichten oder zu verbrennen. Nur so kann man verhindern, dass sich aus bereits gelegten Motteneiern wieder gefräßige Larven entwickeln.

Mammutbaum: Langfristig müssen die Waldbauern möglicherweise umdenken und zum Beispiel Bäume aus wärmeren Gegenden ansiedeln. In einem Waldstück in der Nähe des lippischen Bad Meinbergs hat Förster Frank Sundermann kalifornische Mammutbäume gesetzt. Zusammen mit dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW testet der Landesverband Lippe elf nicht-heimische Baumarten. Das Projekt wird vom Bund gefördert.

Abwehrkraft durch trockenen Sommer geschwächt

Esche mit kahler Krone

Kranke Esche

Der Hitzesommer 2018 hat nicht nur den Ahornen zu schaffen gemacht, sondern alle Bäume geschwächt. Der Wassermangel hat sie anfällig für Krankheiten gemacht. Vor allem für Krankheiten, die von fernen Kontinenten eingeschleppt wurden, und gegen die unsere Bäume noch keine Abwehrmechanismen entwickelt haben.

Auch in Köln sterben die Bergahorne. Zugleich mussten die Stadtgärtner aber auch 200 Eschen fällen, die vom Eschentriebsterben befallen waren, einer anderen, aus Japan eingeschleppten Baumkrankheit. Sie wütet in Deutschland schon seit 2008. Auch diese Krankheit ließe sich kaum aufhalten, seufzt Johannes Stuffrein vom Grünflächenamt. "Der Erreger ist hoch mobil. Die Pilzsporen sind sehr leicht und werden vom Wind weit übertragen."

Bessere Hygiene, strengere Import-Regeln

Stamm einer Kastanie mit dunklen Stellen ohne Rinde

Kranke Roßkastanie

Rußrindenkrankheit und Eschentriebsterben sind nur zwei der eingeschleppten Krankheiten. Von anderen sind Rosskastanien und Platanen befallen. Aber dass man nun gar nichts dagegen tun könnte – so ist es auch nicht.

Bessere Hygiene würde die Ausbreitung verlangsamen: "Wer an einem kranken Baum gearbeitet hat, muss das Werkzeug danach desinfizieren", sagt Kutscheidt, "vor allem, bevor er damit an einen gesunden Baum geht."

Und schließlich ließe sich durch strengere Einfuhr-Regeln viel Unheil verhindern, erklärt Mathias Niesar vom Landesbetrieb Wald und Holz. Wenn Bäume nicht mehr als Pflanzen eingeführt würden, "sondern ausschließlich in Form von Saatgut, dann wäre die Gefahr ausgesprochen gering, dass Schadorganismen übertragen werden."

Von der Rußrinde und anderen eingeschleppten Baumseuchen - WDR5 Quarks

10:10 Min. Verfügbar bis 09.07.2024

Rußrindenkrankheit an Ahornbäumen Lokalzeit aus Aachen 21.03.2019 02:17 Min. Verfügbar bis 21.03.2020 WDR Von Purvi Patel

Stand: 25.05.2019, 08:00

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