Ansturm auf Baumärkte: Veilchen in der Corona-Krise

Eine Warteschlange vor einem Baumarkt in Köln

Ansturm auf Baumärkte: Veilchen in der Corona-Krise

Von Jörn Seidel

  • Trotz Corona: Ansturm auf Baumärkte und Gartencenter
  • Märkte ergreifen Schutzmaßnahmen
  • Kunden kaufen nicht nur für dringenden Bedarf

"Bitte beeilen", heißt es über die Lautsprecher eines Kölner Baumarktes immer wieder. Denn draußen vor der Tür hat sich eine lange Schlange gebildet mit Kunden, die auch noch schnell Blumenerde, Farbe oder Werkzeug kaufen wollen.

Ansturm trotz Anteckungsgefahr

In der Corona-Krise verbringen die Menschen mehr Zeit zu Hause - und die will man offenbar sinnvoll nutzen. Baumärkte und Gartencenter erleben in diesen Märztagen einen bemerkenswerten Ansturm - trotz der Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken.

Die von der Landesregierung verordnete Einlassbeschränkung nehmen die Kunden in Kauf - allerdings nicht immer mit Verständnis. "Hier kann man sich auch anstecken", sagt ein Mann in der Warteschlange vor einem Baumarkt in Oberhausen. "Für mich ist das einfach nur schwachsinnig."

Ein anderer Kunde hat mit der Einlassbeschränkung kein Problem: "Wenn man dadurch die Ansteckungsgefahr verringert, ist man einfach auf der sicheren Seite."

Schutzmaßnahmen für Kunden und Kassierer

Auch drinnen ist vieles anders als sonst. Auf zahlreichen Hinweisschildern steht, dass man zueinander Abstand halten und am Eingang die Hände desinfizieren soll. In manchen Märkten sind die Kassierer mit Plexiglasscheiben geschützt.

In einem Baumarkt in Bergisch Gladbach finden Kunden vor der Kasse Markierungen auf dem Boden, die auf den richtigen Abstand zueinander hinweisen. "Bitte nehmen Sie Ihre Ware wieder runter vom Band", sagt eine Kassiererin zu einer Kundin, die noch nicht dran ist. "Die Markierungen gibt es nicht ohne Grund."

Man habe in allen Filialen Vorkehrungen zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern getroffen, teilen die Baumarkt-Ketten Obi, Bauhaus, Toom und Hornbach mit. Trotzdem wirkt der Ansturm auf die Bau- und Garten-Märkte mitten in der Corona-Krise befremdlich.

"Sobald es warm ist, ist bei uns die Hölle los"

Ganz überrascht sind die Baumärkte allerdings nicht. "Sobald es warm ist, ist bei uns die Hölle los", sagt Florian Preuß, Sprecher der Baumarkt-Kette Hornbach. März, April und Mai seien die umsatzstärksten Monate, vor allem wegen der Garten-Produkte.

Ein bisschen sei aber tatsächlich die Corona-Krise verantwortlich für den jetzigen Ansturm, meint Adam Gondzik, Hornbach-Marktleiter in Oberhausen. Es sei, "als hätten wir die Osterferien einfach vorgezogen."

Die Landesregierung sähe es gern anders. Denn Baumärkte und Gartencenter dürfen nur deshalb in der Corona-Krise geöffnet bleiben, weil es dort "eine Vielzahl an Produkten des dringenden täglichen Bedarfs" zu kaufen gebe, erklärt ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums.

In Gartencentern seien das etwa Materialien zur Pflege von Nutzgärten, in Baumärkten Produkte, die für dringende Reparaturen in Haus und Wohnung nötig seien.

An den Kassen der Märkte sieht man dann aber doch eher Farbeimer und Veilchen. Wer weiß, wie lange noch.

Stand: 20.03.2020, 17:39

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