Bauernproteste: Wer wofür demonstriert

Bauernproteste: Wer wofür demonstriert

Von Nina Magoley

  • Wieder Traktor-Demo in Berlin
  • Bauern demonstrieren für umweltfreundlichere Landwirtschaft
  • Aber auch Bauern-Demos gegen die aktuelle Politik

Auf der Intenationalen Grünen Woche in Berlin haben am Samstag (18.01.2020) zehntausende Landwirte für eine andere Agrarpolitik demonstriert. Bereits am Freitag protestierten Bauern in Berlin – aber für andere Ziele.

Wogegen protestieren die Landwirte?

Es gibt zwei Lager: Die Initiative "Wir haben es satt!", die am Samstag zur Demo aufgerufen hat, ist ein Bündnis aus Bauern, Klima- und Tierschützern. Seit 2011 protestieren sie gegen Gentechnik, für nachhaltige Landwirtschaft, artgerechte Tierhaltung und eine EU-Politik, die zukunftsfähige Betriebe belohnt.

Grüne Woche: Zwischen Currywurst, Traktordemos und Klimakrise

WDR 5 Morgenecho - Interview 18.01.2020 05:03 Min. Verfügbar bis 17.01.2021 WDR 5

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Auf der anderen Seite demonstrieren Landwirte, die sich nicht ausreichend wertgeschätzt sehen. Sinkende Preise für Milch, Fleisch und Gemüse setze sie zunehmend unter "enormen finanziellen Druck", sagt Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion im WDR-Interview. Es könne nicht sein, dass "die Menschen, die diese Dinge produzieren", nicht ausreichend bezahlt würden.

Hinzu kommt: Weil die Nitratwerte im Grundwasser vielerorts deutlich zu hoch sind, hat die EU die zulässigen Mengen der Düngemittel stark eingeschränkt. Hier müsse die Politik den Landwirten helfen, sagt Ostendorff, denn sonst droht die EU Deutschland ab Mai mit täglichen Strafzahlungen von 850.000 Euro.

Was sagt die Politik?

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zeigt zum Einen Verständnis für die Proteste der Bauern: "Bei 69 Cent für einen Liter Milch und Schleuderpreisen für Fleisch können es die Bauern kaum schaffen, gleichzeitig die Umwelt zu schützen, für sauberes Trinkwasser zu sorgen und die Artenvielfalt zu erhalten."

Sie will "eine Art Gesellschaftsvertrag" zwischen Landwirten, Umweltschützern, Verbrauchern und Handel, der sicherstellen soll, "dass unsere Bauern ausreichend Geld bekommen - auch von der EU -, damit sie die Erwartungen erfüllen können". Konkret heiße das: "Keine Subventionen für Flächenbesitz, sondern Förderung von Landschaftserhalt und artgerechter Tierhaltung."

Gülletraktor

Tonnenweise Gülle landet auf deutschen Feldern.

Beim Thema Düngemittel bleibt Schulze allerdings unnachgiebig: Seit 15 Jahren überschreite Deutschland regelmäßig die Nitrat-Grenzwerte im Grundwasser, weil die deutschen Landwirte nicht dazu zu bewegen seien, weniger zu düngen. Zu Recht verurteile die EU-Kommission Deutschland, "weil wir im Vergleich zu allen unseren Nachbarn zu wenig dagegen machen".

Sind die Protestbewegungen der Landwirte nicht vereinbar?

Doch, meint der Grüne Ostendorff, selber Biobauer in Bergkamen. Die zwei Bewegungen würden sich noch nicht ausreichend kennen, meint er.

"Wir teilen die Sorge der Bäuerinnen und Bauern, sie könnten mit dem notwendigen Umbau der Landwirtschaft alleine gelassen werden", sagt auch Saskia Richartz vom Bündnis "Wir haben es satt!". Sie bräuchten faire Marktpreise und Agrar-Subventionen, die Bauernhöfe gezielt bei mehr Tier-, Umwelt- und Klimaschutz unterstützen. Die Bauern seien zu Veränderungen bereit, wenn sie dabei für ihre Betriebe eine tragfähige wirtschaftliche Perspektive sähen.

Stand: 18.01.2020, 13:02

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