Bahnstreik: Darum geht es in dem Konflikt zwischen GDL und Bahn

Bahnstreik: Darum geht es in dem Konflikt zwischen GDL und Bahn

Von Louisa Schmidt

Die Gewerkschaft GDL hat abgestimmt: 95 Prozent der teilnehmenden Mitglieder stimmten in der Urabstimmung für einen Arbeitskampf. Darum geht in dem Konflikt ziwschen GDL und Bahn.

Der Tarifvertrag mit der GDL ist Ende Februar ausgelaufen, mehrere Verhandlungsrunden sind gescheitert. Beide Parteien werfen der jeweils anderen vor, keine Verhandlungen zu wollen und Unwahrheiten zu verbreiten. GDL-Chef Weselsky nannte Personalvorstand Seiler zuletzt beispielsweise einen "Lügenbaron".

Tarifverhandlungen sind gescheitert

Die Gewerkschaft fordert bessere Arbeitsbedingungen, Lohnerhöhungen von rund 3,2 Prozent und eine Corona-Prämie fürs laufende Jahr. Die Bahn hingegen will wegen der Pandemie weniger zahlen: Das würde eine Nullrunde für 2020 bedeuten, 1,5 Prozent mehr Gehalt ab 2022, weitere 1,7 Prozent ab 2023 und Leistungen für die Altersvorsorge. Betriebsbedingte Kündigungen wären ausgeschlossen. Die GDL hatte das Angebot als "bodenlose Frechheit" bezeichnet.

Bahn: "Attacke auf das ganze Land"

Für die Bahn kommt der Streik zur Unzeit. In den Ferien fahren wieder mehr Menschen Bahn, nachdem die Fahrgastzahlen in der Pandemie eingebrochen waren. Der Konzern wird in diesem Jahr ein saftiges Minus einfahren und hat nun auch noch mit zerstörter Infrastruktur nach der Flutkatastrophe zu kämpfen. Gleichzeitig freuen sich Millionen Kundinnen und Kunden, endlich wieder reisen zu können. Eine "Attacke auf das ganze Land" nannte der Personalvorstand der Bahn Seiler mögliche Streiks deshalb.

GDL kämpft um Einfluss – mehrere Streikwellen möglich

Hinter dem Tarifkonflikt steht ein Grundsatzstreit. Die Lokführer-Gewerkschaft GDL konkurriert im Konzern mit der deutlich größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG um Einfluss. Nachdem eine Grundsatzvereinbarung ausgelaufen ist, wendet die Bahn das sogenannte Tarifeinheitsgesetz an. Das regelt, dass in den Betrieben für alle der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gilt. Die Bahn schätzt, dass die GDL nur in 16 der rund 300 Einzelbetriebe die Mehrheit vertritt.

Die Lokführer-Gewerkschaft streitet ab, dass es ihr um einen Machtkampf und Mitgliedergewinnung gehe. Die Streiks stünden in keinem Zusammenhang zum Tarifeinheitsgesetz. Klar ist aber auch: Die GDL kämpft um neue Mitglieder. Dafür sei es wichtig, dass die GDL den besseren Tarifvertrag als die Konkurrenzgewerkschaft vorweisen kann, sagt Hagen Lesch, Tarifexperte beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Im aktuellen Tarifstreit sei es deshalb eines der Hauptziele, neue Mitglieder zu gewinnen, glaubt er. "Die Strategie, um das zu erreichen, ist in einem Konflikt eine Art Wir-Gefühl zu entfachen, zu polarisieren: wir da unten, die da oben und die EVG gehört zu denen da oben", ordnet Lesch ein. Die EVG war sich schon im Herbst mit der Bahn einig geworden.

Stand: 10.08.2021, 11:20

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