Warum versagt die Bahn bei Hitze?

ARCHIV - Ein Intercity-Zug steht bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 33 Grad Celsius am 16.07.2010 am Bahnsteig des Berliner Hauptbahnhofs.

Warum versagt die Bahn bei Hitze?

  • Ausgefallene Klimaanlagen, verformte Weichen, gestörte Signale
  • Extreme Hitze macht der Bahn in NRW zu schaffen
  • Versäumnisse in der Vergangenheit

Im Bahnverkehr in NRW gibt es (wieder einmal) Probleme mit dem heißen Wetter. Am Donnerstag (25.07.2019) traten erneut Probleme wegen der Hitze auf. Es kam zu Teilausfällen und Verspätungen nach einer Weichenstörung in Köln. Bereits am Mittwoch hatte es Probleme im Ruhrgebiet und im Rheinland gegeben.

"Auf Extremsituation reagieren"

"Bei den Extremtemperaturen kommt die Technik an ihre Grenzen", sagte eine Bahn-Sprecherin. Zugleich wies das Unternehmen auf die Möglichkeit der Ticketerstattung bei Zugausfällen und Verspätungen hin. Es bestehe zudem eine "Sonderkulanz", eine neue Umtauschmöglichkeit an extraheißen Tagen.

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Der Betreiber des europäischen Hochgeschwindigkeitszuges Thalys stellte wegen der Hitze den Verkauf seiner Tickets sogar vorerst ein. Die Thalys-Züge sind unter anderem zwischen Paris und NRW unterwegs.

Detlef Neuß vom Fahrgastverband "Pro Bahn" sagte dem WDR. "Die Bahn muss sich was überlegen."

Fehler in der Vergangenheit

Das Problem ist nach Einschätzung des Fahrgastverbandes "Pro Bahn" teilweise auch hausgemacht. Bei der Anschaffung von ICE-Klimaanlagen habe die Bahn in der Vergangenheit Fehler gemacht.

"Der damalige Bahnchef Mehdorn war der Ansicht, dass es in Deutschland nicht kälter als minus sieben und nicht wärmer als 26 Grad werde - in der Spitze aber höchstens 30 Grad." Die Bahn habe das Problem zwar erkannt und sei dabei nachzurüsten - aber die Umstellung dauere eben.

Immerhin: Nach Angaben der Deutschen Bahn haben die Züge der Baureihe ICE4 zwei Klimaanlagen an Bord, falls eine ausfalle. Zudem sei das neue Klimasystem auf Außentemperaturen von minus 25 bis plus 45 Grad ausgelegt.

Weiß bemalte Schienen

Zu Weichenstörungen kann es kommen, weil Weichen aus Stahl sind und sich deshalb bei Hitze verformen können. Gegen solche Verformungen helfe reflektierende weiße Farbe, sagte Ani Melkonyan vom Zentrum für Logistik und Verkehr der Universität Duisburg-Essen. "Studien zeigen, dass solche weißen Schienen bis zu sieben Grad kühler bleiben."

Getestet werde das bereits in Österreich, Italien und der Schweiz. In Italien werde zudem an heißen Tagen zur Abkühlung Wasser auf die Schienen gesprüht.

Mehr Investitionen gefordert

Das Fazit von Wissenschaftlerin Melkonyan: "Im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn steckt Deutschland seit Jahren zu wenig Geld ins Schienennetz."

In Deutschland werde pro Kopf 54 Euro investiert, in Italien hingegen 81 Euro. "Damit ist der Stand in den Ländern, die an die Hitzewellen gewöhnt sind, besser."

Stand: 25.07.2019, 19:30

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