Bahn spart bei Service für Behinderte

Rollstuhlfahrer fährt in einen Zug

Bahn spart bei Service für Behinderte

Von Sabine Tenta

  • Mobilitäts-Service der Bahn wurde eingeschränkt
  • Privatbahnen sollen sich an Kosten beteiligen
  • Behindertenverband fordert Hilfe aus einer Hand

Karl-Josef Günther ist als Bahn-Vielfahrer sehr gut organisiert. Das muss er sein, damit er als Rollstuhlfahrer die nötige Hilfe bekommt. Drei bis vier Tage im Voraus meldet er seine Zugfahrten an.

Karl-Josef Günther

Karl-Josef Günther

Bislang gab es dafür eine Anlaufstelle: Die Mobilitäts-Service-Zentrale (MSZ) der Deutschen Bahn. Eine Anlaufstelle für alle Zugfahrten – egal ob von der DB oder den Privatbahnen.

Die MSZ-Mitarbeiter informieren das Service-Personal im Bahnhof oder in den angemeldeten Zügen, damit sie eine Rampe zum Ein- und Aussteigen bereitlegen. Oder ihn in den Lastenaufzug auf dem Bahnsteig oder auf seinem Weg quer über die Gleise begleiten.

Plötzliche Service-Einschränkung

Doch Anfang Februar, als der Fußballfan aus Brakel nach Paderborn ins Stadion fahren wollte, war alles anders. Plötzlich musste er sich an die Privatbahn wenden, die die Strecke betreibt. Denn die DB hatte am 31.01.2019 mit sofortiger Wirkung den Service für die private Konkurrenz eingestellt.

In der MSZ gibt es jetzt nur noch die Kontaktdaten der Privatbahnen, alles weitere muss Günther mit dem jeweiligen Unternehmen regeln.

Streit um Finanzierung

Die Bahn hat den Service eingeschränkt, um Kosten zu sparen. Er wird nur noch für Privatbahnen übernommen, wenn die dafür bezahlen. Das machen aber nur rund 20 Prozent.

Eine automatisch ausfahrende Rampe schließt die Lücke zwischen Bahnsteig und dem Zug.

Ausfahrbare Rampe

Zu den 80 Prozent, die nicht mitmachen, gehört die Hessische Landesbahn. Sie fährt auch in NRW. "Wir können den Mobilitäts-Service für unsere Fahrgäste problemlos eigenständig organisieren und umsetzen", teilt eine Pressesprecherin mit. Alle Züge hätten Rampen für den barrierefreien Ein- und Ausstieg. Sie würden bei Bedarf von den Zugbegleitern oder Triebfahrzeugführern bedient.

Vielfahrer Karl-Josef Günther hat Erfahrungen mit mehreren Privatbahnen gemacht. Sie reichen von "perfekt, alles super" bis zu Mail-Antworten, dass seine Anfrage wegen des hohen Aufkommens nicht bearbeitet werden kann. So wird für ihn die Zugfahrt zum Lotteriespiel mit ungewissem Ausgang.

Zugverspätungen: "So kann es nicht weitergehen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 18.01.2019 06:41 Min. WDR 5

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Behindertenverband fordert Hilfe aus einer Hand

Dabei sind Zugreisen für den Rollstuhlfahrer schon jetzt mit etlichen Hindernissen versehen. Nicht jeder Bahnhof oder Bahnsteig ist barrierefrei: "Wenn ich von A nach B will, dann muss ich oft über C und D fahren, um überhaupt anzukommen."

Karl-Josef Günther ist der Landesvertreter NRW des "Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter". Er appelliert an alle Bahn-Unternehmen zum alten System der zentralen Hilfe zurückzukehren: "Als noch alles in der Hand der DB war, klappte es hervorragend."

Stand: 16.02.2019, 06:00

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