Bund und Bahn stecken 86 Milliarden ins Schienennetz

Ein Bauarbeiter geht an Bahngleisen entlang

Bund und Bahn stecken 86 Milliarden ins Schienennetz

  • Bund und Deutsche Bahn investieren stark in Schienennetz
  • Vereinbarung über 86 Milliarden Euro unterzeichnet
  • Kritik unter anderem von Pro Bahn NRW

Marode Schienen sollen erneuert, Stellwerke aus der Vorkriegszeit digitalisiert, bröckelnde Brücken saniert werden. Zur Modernisierung des Schienennetzes investieren Bund und Bahn in den nächsten zehn Jahren 86 Milliarden Euro.

Größter Teil Steuergeld

62 Milliarden Euro davon kommen vom Steuerzahler, die restlichen 24 Milliarden aus Eigenmitteln der Deutschen Bahn. Am Dienstagmittag (14.01.2020) haben der Staatskonzern und das Bundesverkehrsministerium in Berlin einen entsprechenden Vertrag besiegelt.

86 Milliarden Euro für die Bahn: "Ausbau nicht finanziert"

WDR 5 Morgenecho - Interview 14.01.2020 06:32 Min. Verfügbar bis 13.01.2021 WDR 5

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Nach Angaben der Bahn handelt es sich bei der Vereinbarung um "das größte Modernisierungsprogramm für die Schiene, das es je in Deutschland gab". Ziel ist demnach ein "leistungsfähiges, hochwertiges Netz als Grundlage für aktiven Klimaschutz im Verkehr".

"Ich erwarte, dass die Bahn diese Chancen nutzt", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der mit Bahnchef Richard Lutz und Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla die Vereinbarung unterzeichnete. Anwesend war auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Kritiker: Geld reicht womöglich nicht

Kritiker wie der Verein Allianz pro Schiene wenden allerdings ein, dass die Mittel möglicherweise nicht ausreichen, weil die Baukosten stark steigen könnten.

Ein weiterer Kritikpunkt: Ins Schienennetz sei über Jahre hinweg zu wenig investiert worden. Wie Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen dem WDR sagte, ist "das Schienennetz wahrscheinlich noch maroder als das Straßennetz".

Pro Bahn NRW: Investitionen überfällig

Auch Lothar Ebbers, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn NRW, betonte gegenüber dem WDR die Dringlichkeit großer Investitionen ins Netz und nannte einige Beispiele.

So müsse etwa das Schienennetz bei Köln-Deutz erneuert werden, was allerdings zu einem jahrelang abgespeckten Fahrplan führe, weil die Investition zu spät komme.

Veraltete Stellwerke

Große Investitionen seien auch in die Digitalisierung der Stellwerkstechnik nötig, so Ebbers. Die Strecke zwischen Krefeld und Kleve sei so ein Fall. "Dort gibt es praktisch nur mechanische Stellwerke mit hoher Störanfälligkeit."

Großes Problem: Brücken

Das größte Thema in NRW sei aber die Sanierung der Brücken, so Ebbers. Vor allem die Kanalbrücken seien oft schon 100 Jahre alt und hätten mitunter riskante Kriegsschäden.

"Man rennt bei vielen Netz-Investitionen hinterher. Bei den Brücken bin ich mir nicht sicher, ob man das Rennen überhaupt noch gewinnen kann", sagte Ebbers. Falls nicht, drohten Bahnstrecken über lange Zeit komplett auszufallen.

Bund investiert Milliarden in Modernisierung der Bahn Aktuelle Stunde 14.01.2020 UT Verfügbar bis 21.01.2020 WDR Von Meike Hendriksen

Stand: 14.01.2020, 14:12

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