Baerbock soll Kanzlerkandidatin der Grünen werden

Baerbock soll Kanzlerkandidatin der Grünen werden

Von Rainer Striewski / Jörn Kießler

Die Grünen wollen mit Annalena Baerbock ins Rennen um das Kanzleramt bei der Bundestagswahl im September gehen.

Auch wenn sich das Rennen um das Kanzleramt erst im Herbst entscheidet, die Frage, wer für die Grünen als Spitzenkandidat*in antritt, ist geklärt. Annalena Baerbock soll für sie bei der Bundestagswahl um die Kanzlerschaft kämpfen. Die endgültige Entscheidung fällt zwar erst auf dem Grünen-Parteitag vom 11. bis 13. Juni, die Zustimmung gilt aber als sicher.

"Wir kämpfen um das Kanzleramt", sagte Robert Habeck, der Co-Chef der Grünen am Montag auf der Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Kandidatur. Es könne aber nur eine Kanzlerkandidatin für die Partei geben, und diese werde Co-Chefin Annalena Baerbock sein. "Wir beide wollten es."

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"Ich trete an für Erneuerung", verkündete Baerbock nach der Bekanntgabe der Entscheidung. "Für den Status Quo stehen andere." Sie wolle eine vorausschauende Politik machen, die etwas Neues wagt. "Mit diesem Auf-Sicht-Fahren kommen wir nicht weiter", so Baerbock.

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Deutschland braucht Annalena Baerbock zufolge einen Neuanfang. Mit den Grünen werde es einen anderen Politikstil geben - miteinander und nicht gegeneinander.

NRW-Grüne zufrieden mit Nominierung

NRW-Grüne-Chefin Mona Neubaur zur Kanzlerkandidatur von Annalena Baerbock

NRW-Grüne-Chefin Mona Neubaur

Die Grünen in NRW begrüßten die Entscheidung für Baerbock als Kanzlerkandidatin. NRW-Grünen-Chefin Mona Neubaur lobte sie als eine "konzentrierte und leidenschaftliche Kämpferin für Veränderung". "Sie ist eine starke Frau mit all den Kompetenzen, die man braucht, um auch eine Republik führen zu können", so Neubaur.

Annalena Baerbock habe die Ideen, die Streitbarkeit und die Dialogfähigkeit, um Klimaschutz voranzutreiben und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. "Sie ist eine leidenschaftliche Europäerin mit tiefem Verständnis für außenpolitische Fragen."

CDU freut sich auf "fairen Wahlkampf"

Auch NRW-Ministerpräsident und CDU-Bundesvorsitzender Armin Laschet gratulierte Annalena Baerbock zur ihrer Spitzenkandidatur. "Ich kann ihr zusagen, dass die CDU sich auf einen fairen Wahlkampf freut", erklärte Laschet in Berlin.

Dabei forderte er - vermutlich auch mit Blick auf seine eigene Bewerbung um die Kanzlerkandidatur - einen menschlichen und fairen Umgang. "Wir sollten unter Demokraten respektvoll miteinander umgehen", so Laschet. Er freue sich auf einen fairen und frischen Wahlkampf.

Die SPD-Chefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans gratulierten den Grünen ebenalls – allerdings nicht, ohne sich selbst auf die Schulter zu klopfen. "Die SPD beglückwünscht die Grünen dazu, dass ihnen - wie zuvor schon der SPD - eine einvernehmliche Entscheidung in dieser Personalfrage gelungen ist", sagten beide Parteichefs den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Kleiner Vorteil für Baerbock

Die Entscheidung für Baerbock hatte sich bereits angekündigt, denn bei den Anhängern der Grünen hatte die 40-Jährige laut aktuellem Deutschland-Trend einen deutlichen Vorsprung: 50 Prozent würden sich für sie, 35 Prozent für Robert Habeck entscheiden.

 Annalena Baerbock und Robert Habeck

Den Wählern hingegen wären wohl beide ungefähr gleich recht gewesen: 24 Prozent der Befragten hielten Annalena Baerbock für geeignet, 22 Prozent Robert Habeck.

Und die Chancen für Baerbock stehen nicht schlecht, denn erstmals könnte es für die Grünen bei der Wahl um den Sieg gehen: Die 40-Jährige kann sich durchaus Hoffnung machen, am Ende die Schlüssel fürs Kanzleramt von Angela Merkel übernehmen zu können.

In der aktuellen Sonntagsfrage liegt die Partei mit 21 Prozent auf Platz zwei hinter der Union, die (noch) auf 28 Prozent kommt. Sollte es demnach zu einer Koalition ohne CDU/CSU-Beteiligung kommen, würden die Grünen die Kanzlerin oder den Kanzler stellen können.

Können so oder so "ruhig schlafen"

Während die "K-Frage" die Union zu zerreißen droht, gingen die Grünen - zumindest nach außen - deutlich gelassener mit der Frage ihrer Spitzenkandidatur um.

Von Streit oder gar Machtkampf war bei den Grünen vor der Entscheidung nichts zu spüren - ganz im Gegenteil: "Es lässt uns Grüne ruhig schlafen, dass - unabhängig davon, wer es letztlich macht -  wir mit Annalena Baerbock und Robert Habeck auch nach dem 19. April weiter über ein kraftvolles Zentrum in der Partei verfügen", erklärte Mona Neubaur, Vorsitzende der Grünen in NRW schon vor der Entscheidung.

Annalena Baerbock, die Realpolitikerin

Grünen Co-Chefin Annalena Baerbock

Annalena Baerbock

Die neue Kanzlerkandidatin ist studierte Völkerrechtlerin, Expertin für Klimafragen und gilt als gut vernetzt in der Partei. Seit 2013 sitzt Baerbock als Abgeordnete im Deutschen Bundestag, seit 2018 führt sie zusammen mit Robert Habeck die Bundespartei. Die Realpolitikerin hat es dabei geschafft, den linken Parteiflügel einzubinden. Mit ihr erscheinen alle Koalitionsoptionen möglich. Aber: Der 40-Jährigen fehlt jegliche Regierungserfahrung. Für Baerbock war das jedoch kein Hinderungsgrund: "Für alle, die gerade im Gespräch sind, gilt: Niemand ist als Kanzler vom Himmel gefallen", erklärte sie einmal.

Grünen-Spitzenkandidatur: "Das ist unser Luxusproblem"

WDR 5 Morgenecho - Interview 09.04.2021 06:59 Min. Verfügbar bis 09.04.2022 WDR 5


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Stand: 19.04.2021, 13:51

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