Leben nach der Flut - Unterwegs mit dem Krisenmanager

Container mit Trümmern in der Fußgängerzone von Euskirchen

Leben nach der Flut - Unterwegs mit dem Krisenmanager

Von Katja Goebel

Häuser in Trümmern, kaputte Straßen und Schienen, gestörte Stromnetze, verschmutztes Trinkwasser, eine verwüstete Innenstadt - nach der Flutkatastrophe begleiten wir Sacha Reichelt, Bürgermeister von Euskirchen, durch die Krisenzeit. Was geht er wie an? Was erwarten die Bürger?

An dem Tag, als das Wasser kam, war auch Bürgermeister Sacha Reichelt unterwegs im Ort. "Das Wasser kam plötzlich von allen Seiten. Da wusste dann jeder, das ist kein normales Ereignis mehr." Reichelt sah immer mehr Gegenstände im Fluss treiben und wusste - da schwimmen Existenzen.

Sacha Reichelt

Sacha Reichelt: Bürgermeister von Euskirchen

Seit dem Tag ist Reichelt vor allem als Krisenmanager in der Stadt unterwegs. Es geht um kaputte Straßen, zerstörte Schulen, Müllbeseitigung. Der Bürgermeister guckt sich Schäden an, lässt sich zeigen, was Wasser und Schlamm angerichtet haben. Wer hat schon wieder Strom, wer hängt noch an einem Aggregat? Was konnte gerettet werden, was ist für immer hin? Wo drückt das Wasser noch nach?

"Das kulturelle Herz der Stadt getroffen"

An diesem Morgen steht sein Besuch in der Veranstaltungshalle Cityforum an. Hier verursachte die Flut nach den Unwettern einen Millionenschaden. Innerhalb weniger Minuten war der große Saal voll Wasser gelaufen.

"2020 kam Corona, jetzt kam die Flut - ich kann Ihnen sagen, wir haben Tränen geweint", erzählt Kulturmanager Christoph Stolzenberger. Keiner kann bislang absehen, ob das Gebäude zu retten ist. Nach dem Wasser breitet sich nun ein Pilz in den Räumen aus. Der große Saal ist schon komplett entkernt, die Technik rausgeräumt. "Hier ist das kulturelle Herz der Stadt getroffen worden", sagt Sacha Reichelt.

Wiederaufbau nach der Hochwasserkatastrophe

WDR 3 Kultur am Mittag 04.08.2021 09:28 Min. Verfügbar bis 04.08.2022 WDR 3


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Schuttberge in der Fußgängerzone

Ein Gang durch die Innenstadt. In der Fußgängerzone stehen riesige Container, das Pflaster immer noch aufgerissen, Baulärm von allen Seiten. Arbeiter, Helfer oder Anwohner mit Einkaufstüten laufen zwischen meterhohen Schuttbergen entlang. "Die Schäden sind so hoch, das kann keine Kommune alleine stemmen", sagt der Bürgermeister. Zerstörte Straßen, Brücken, Schulen, Kitas - da müsse Hilfe von Bund und Land her.

Nichts mehr, wie es mal war

Magdalena Fialek lebt seit 75 Jahren in Euskirchen. Jetzt steht sie in der Einkaufsstraße - in einer Trümmerlandschaft. "Ich bin furchtbar traurig und entsetzt. Ich weiß gar nicht, wie das überhaupt noch mal werden soll hier. Ich erwarte von der Politik, dass jetzt was passiert." Unbürokratische schnelle Hilfe für Betroffene, das wünscht sich Magdalena Fialek vor allem.

Hussein Chahrour

Hussein Chahrour: Die Flut zerstörte sein Geschäft

Hussein Chahrour steht vor seinem Geschäft - besser gesagt, vor dem, was davon noch übrig ist. Freunde und Familienangehörige schaufeln Schutt, Wände sind halb aufgerissen, nackte Kabel hängen von der Decke. "Ich will nicht auf dem Schaden sitzen bleiben und so schnell wie möglich wieder anfangen zu arbeiten," wünscht sich Chahrour. "Aber vor Ende des Jahres wird das nichts. Es muss alles komplett saniert werden."

"Angst ist der falsche Partner"

Hat Sacha Reichelt als Bürgermeister manchmal Angst vor der Aufgabe, die da nun auf ihn zukommt? "Nein", sagt der 41-Jährige. "Ich kenne die Menschen hier in Euskirchen schon mein ganzes Leben und ich weiß, dass wir das gemeinsam hinkriegen." Angst sei hier der falsche Partner.

Und die Kritik, die jetzt vielerorts laut wird? Man müsse sich das Katastrophenmanagement im Nachgang noch mal angucken und sehen, ob man da bundesweit was ändern könne. "Als Mensch ist man gewöhnt, dass man alles kontrollieren kann." Aber es gebe Situationen und Umstände, die könne man nicht kontrollieren. "Ein solches Ereignis wie die Flut zeigt das eindrucksvoll."

"Wir müssen weiter zusammenhalten"

Sacha Reichelt

Sacha Reichelt zwei Wochen nach der Flut

Wichtig sei nun, dass die zerstörten Häuser und Wohnungen wieder bewohnbar werden. Schulgebäude und Straßen müssten so schnell wie möglich wiederhergestellt werden. Und wenn die Menschen in der Fußgängerzone bis zur Weihnachtszeit wieder einen Treffpunkt fänden, sei man schon mal einen großen Schritt weiter, sagt Reichelt.

Das Hochwasser dürfe nicht zu einer Spaltung in der Gesellschaft führen. "Wir müssen weiter zusammenhalten. Nur so geht es."

Nach der Flut: Euskirchen räumt auf

Von Katja Goebel

Erst kam das Hochwasser, jetzt folgt der lange Aufbau - auch in Euskirchen stand das Wasser nach dem schweren Unwetter plötzlich mitten in der Stadt. Die Flut zerstörte Wohnhäuser, Straßen, Brücken und Geschäfte. Jetzt wird aufgeräumt.

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02.08.2021: Helfer und Arbeiter sind im Dauereinsatz. Viele Geschäfte und Wohnräume in der Innenstadt von Euskirchen wurden zerstört.

02.08.2021: Helfer und Arbeiter sind im Dauereinsatz. Viele Geschäfte und Wohnräume in der Innenstadt von Euskirchen wurden zerstört.

02.08.2021: Das Pflaster der Fußgängerzone wurde durch die Wucht des Wassers aufgerissen.

02.08.2021: Das große Aufräumen geht weiter. Die Schuttcontainer in der Stadt füllen sich.

02.08.2021: Millionenschaden im Cityforum. Ob die Veranstaltungshalle noch zu retten ist, weiß noch niemand.

02.08.2021: Das Ufer der Erft in Euskirchen. Hier ist eine Brücke, die die Stadtteile miteinander verbindet, komplett zerstört worden. Jetzt kämpfen sich Bagger durch das Geröll.

25.07.2021: Riesige Sperrmüllhaufen in der Innenstadt von Euskirchen.


21.07.2021: Die leere Steinbachtalsperre.

19.07.2021: Die Hänge der Steinbachtalsperre: mit tiefen Furchen durchzogen und stark beschädigt.

19.07.2021: Die Steinbachtalsperre drohte zwischenzeitlich unter den Wassermassen zu brechen.

17.07.2021: Das Technische Hilfswerk pumpt Wasser aus der Steinbachtalsperre in Euskirchen, um den Druck auf die Staumauer zu reduzieren.

Stand: 05.08.2021, 11:40

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