Attentat auf niederländischen Reporter de Vries: Zäsur und Weckruf

Peter  R. de Vries

Attentat auf niederländischen Reporter de Vries: Zäsur und Weckruf

Der niederländische Reporter Peter de Vries ringt nach einem Attentat um sein Leben. Vermutet wird ein Zusammenhang zur Organisierten Kriminalität. Wie groß ist die Bedrohung bei uns hinter der Grenze?

Ein Attentat in den Niederlanden hat Entsetzen ausgelöst: Der Investigativ-Reporter Peter de Vries ist in der Nacht zum Mittwoch mitten in Amsterdam niedergeschossen und lebensbedrohlich verletzt worden.

Der Journalist ist Vertrauensperson eines Kronzeugen im bislang größten Strafprozess in den Niederlanden. Es geht um Mafiagruppen, die Drogengeschäfte abwickeln, morden und foltern. Ermittler und Anwälte bekommen Morddrohungen, müssen ihre Arbeit unter Polizeischutz erledigen. Das geht nun schon seit Jahren so.

"Eine Zäsur" für die Niederlande

Bei den Schüssen auf de Vries handele es sich um einen "Angriff auf den Rechtsstaat", sagte Oliver Huth, Vize-Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter NRW, am Donnerstag dem WDR. "Wenn das hier in Deutschland passieren würde, das wäre undenkbar. Und das würden wir auch hier politisch wie auch seitens der Polizei kaum aushalten. Das ist eine Zäsur."

Nach Angaben des deutschen Bundeskriminalamtes gibt es in den Niederlanden mittlerweile 20 bis 30 Morde im Jahr, die mit Organisierter Kriminalität und Drogengeschäften in Verbindung stehen. In Deutschland gebe es diese Art von Kriminalität jedoch nicht, sagte Huth. "Wir haben Organisierte Kriminalität - allerdings längst nicht mit diesem Potenzial an Gewalt."

Was steckt hinter dem Anschlag auf Peter de Vries?

WDR 5 Morgenecho - Interview 08.07.2021 05:58 Min. Verfügbar bis 08.07.2022 WDR 5


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Organisierte Kriminalität "macht nicht an Grenzen Halt"

Laut dem Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat Organisierte Kriminalität ein viel größeres, ein "bisher ungekanntes" Ausmaß angenommen, als es in deutschen Statistiken erfasst werde. BDK-Chef Sebastian Fiedler sagte in den "Tagesthemen", Europol etwa gehe in seinen Analysen davon aus, dass rund 5.000 Gruppierungen in Europa Milliarden Umsätze mit Rauschgift, Menschen- und Waffenhandel sowie Umweltkriminalität machen.

Fiedler warnte davor, das Problem und seine Bekämpfung zu verharmlosen. Organisierte Kriminalität "macht nicht an der Grenze Halt", schließlich sei sie global organisiert. "Wir brauchen einen neuen Pakt für den Rechtsstaat, das heißt die Ministerpräsidenten müssen sich mit einem künftigen Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin zusammensetzen, um zu diskutieren, wie wir die Reihen hier schließen können."

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Oliver Huth ergänzte im WDR, dabei gehe es nicht um neue "Eingriffsnormen", sondern um mehr Ressourcen bei der Ausbildung und der Ausstattung der Kriminalpolizei, um zum Beispiel digitale Daten auswerten zu können. "Da sind wir tatsächlich schlecht aufgestellt." Die Bedrohung sei nahe. "Dies ist demokratiegefährdend."

Stand: 08.07.2021, 12:06

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