Atommüll-Endlager: Diese Gebiete in NRW gehören zur Auswahl

Mit gelben Tonnen und dem Radioaktiv-Zeichen demonstrieren Greenpeace-Aktivisten gegen das Atommüllendlager in Gorleben

Atommüll-Endlager: Diese Gebiete in NRW gehören zur Auswahl

Von Jörn Seidel

Wo soll Deutschlands Atommüll dauerhaft gelagert werden? Die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat ihre Auswahl für mögliche Standorte präsentiert. Auch NRW ist dabei.

Bei der Suche nach einem deutschlandweiten Endlager für Atommüll ist eine erste Entscheidung getroffen - mehr aber auch nicht. In die Auswahl kommen 90 Gebiete, darunter sieben in Nordrhein-Westfalen. Das hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung am Montag bekannt gegeben.

Atommüll-Endlager: Auch Münsterland kommt infrage

Zur Auswahl gehören auch Regionen im Münsterland, in Ostwestfalen und Niederrhein. Alle 90 Teilgebiete erfüllen die Mindestanforderungen an ein Endlager.

Teilgebiete in NRW für die Atommüll-Endlager-Suche:

  • Steinsalz-Gebiet im westlichen Niedersächsischen Becken: überwiegend im Osten Niedersachsens, aber auch in NRW. Fläche: 4.992 Quadratkilometer.
  • Steinsalz-Gebiet im Niederrhein-Ems-Gebiet: bei Bocholt und Borken an der niederländischer Grenze, auch in Niedesachsen. Fläche: 1.541 Quadratkilometer.
  • Steinsalz-Gebiet im Solling-Becken: bei Borken und Höxter im Ländereck NRW, Niedersachsen und Hessen. Fläche: 4.574 Quadratkilometer.
  • Tonstein-Gebiet im Münsterland: überwiegend in NRW, auch im Süden Niedersachsens. Fläche: 5.322 Quadratkilometer.
  • Tonstein-Gebiet zwischen Westen und Osten: umfasst Bereiche in NRW, Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Fläche: 14.914 Quadratkilometer.
  • Tonstein-Gebiet in Niedersachsen und Brandenburg: erstreckt sich auch über Mecklenburg-Vorpommern, Berlin Sachsen-Anhalt und wenige Teile NRWs. Fläche: 18.811 Quadratkilometer.
  • Tonstein-Gebiet in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern: erstreckt sich auch über Brandenburg, Schleswig-Holstein, und Sachsen-Anhalt und NRW. Fläche: 18.564 Quadratkilometer.

In NRW sind vor allem Steinsalzgebiete zu finden. "Steinsalz erfüllt viele Kriterien, die ein Endlager haben muss", erklärt Detlef Reepen von der WDR-Wissenschaftsredaktion. "Es hat aber den Nachteil, dass es wasserlöslich ist." Das könnte für ein Endlager problematisch sein, denn schließlich soll es den Atommüll eine Million Jahre sicher lagern.

"Tongestein hingegen ist zähflüssig", so Reepen. "Das hat den Vorteil, dass es sich selbst wieder abdichtet. Das hält sogar Erdbeben aus." Der Nachteil: Ein Endlager-Stollen im Tongestein hält nicht von selbst. Man benötigt also eine Konstruktion - für eine Million Jahre.

Grafik zum Zwischenbericht der Teilgebiete Endlagersuche in NRW. Aufteilung in Tongestein und Steinsalz.

"Es gibt kein Gebiet, das nicht irgendeinen Nachteil hat", so Reepen. In den kommenden Jahren gelte es daher, die 90 ausgewiesenen Gebiete genauer zu untersuchen.

Gefahr für Natur und Mensch ausgeschlossen?

Das größte Problem der Standortsuche besteht wohl darin, dass die Sicherheit des Lagers für einen so unglaublich langen Zeitraum garantiert werden soll. Ein Wassereinbruch in der Lagerfläche könnte beispielsweise eines Tages das radioaktive Material ins Grundwasser spülen und zur tödlichen Gefahr werden. Zwar sind die beteiligten Wissenschaftler zuversichtlich, das Risiko für einen solchen Fall minimieren zu können. Doch welchen Verlauf Wasseradern in Tausenden Jahren nehmen werden - das kann heute wohl niemand mit letzter Sicherheit sagen.

Positive Reaktionen auf Endlager-Zwischenbericht

Magdalena Scheck-Wenderoth, Geologin und Mitglied des Nationalen Begleitgremiums für die Endlager-Suche, zieht nach der Präsentation des Zwischenberichts ein positives Fazit: Die Liste der 90 Teilgebiete werde das Vertrauen der Bevölkerung in die Endlager-Suche stärken, sagte sie dem WDR.

Atommüllendlager-Suche "soll transparent ablaufen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 28.09.2020 06:10 Min. Verfügbar bis 28.09.2021 WDR 5

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Auch aus der Landespolitik kommen positive Reaktionen. "Das Land Nordrhein-Westfalen hat sich stets zu seiner Verantwortung beim Erbe der Nutzung der Kernenergie bekannt. Daher begrüßt die Landesregierung das Voranschreiten des vereinbarten Verfahrens", sagte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) auf WDR-Anfrage.

Der Zwischenbericht sei ein "ein erster wichtiger Schritt", so Wibke Brems, Sprecherin für Atompolitik der Grünen-Landtagsfraktion. Alle Fraktionen und Bundesländer sollten nun bei der Suche nach einem Endlager Verantwortungsbewusstsein zeigen.

Die Entscheidung, an welchem Standort ein Atommüll-Endlager entstehen wird, soll im Jahr 2031 getroffen werden. Erst 2050 sollen dann Behälter mit strahlendem Abfall dort eingelagert werden.

Stand: 28.09.2020, 20:25

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