Der neue Asterix: "Humor ist eigentlich unübersetzbar"

Asterix wird 60

Der neue Asterix: "Humor ist eigentlich unübersetzbar"

Pünktlich zum 60. Geburtstag der Comic-Reihe erscheint der neue Asterix. Übersetzer Klaus Jöken musste dafür ganz neue Gags schreiben und sich am Jugendslang versuchen.

WDR: Am 24. Oktober 2019 erscheint der neue Asterix. Ist da auch der Übersetzer kribbelig? Ist ja auch irgendwie Ihr Baby?

Klaus Jöken: Ja, ich bin schon seit Juni fertig mit der Arbeit und jetzt natürlich total gespannt, wie die anderen es finden. Ich darf ja vorher nichts sagen und kann mich mit niemandem austauschen.

WDR: Der neue Asterixband ist immer ein Riesengeheimnis. Aber so viel steht schon fest: Neben schlagfesten Galliern spielt diesmal ein jugendliches Mädchen eine Hauptrolle – und zwar ein sehr aufmüpfiges. Heißt das, dass auch die Sprachfarbe und damit die Übersetzung anders ist als sonst?

Ausschnitt aus einem Comic-Cover

Cover des neuen Asterix-Comics

Jöken: Genau, die tragende Figur in der Geschichte ist die Tochter des Vercingétorix. Aber Jugendliche sind in den Asterix-Comics quasi noch nicht behandelt worden. Das heißt, man muss eine Jugendsprache erfinden. Man kann aber auch nicht Ausdrücke von heute benutzen, es sind schließlich Jugendliche vor 2.000 Jahren und die können ja nicht so sprechen wie heute. Aber grundsätzlich hat sowieso jede Figur in den Heften ihren eigenen Sprachduktus. Asterix spricht pfiffig, Obelix eher naiv und behäbig und der Druide natürlich sehr weise. Und immer, wenn eine neue Figur hinzukommt, muss man eine andere Art zu sprechen erfinden.

WDR: Sie haben mal gesagt, die reine Übersetzung eines Asterix-Heftes würde sie nur fünf Tage kosten. Aber für die Gags und den Humor der Geschichte braucht es mindestens zwei volle Monate. Warum?

Jöken: Humor ist eigentlich unübersetzbar. Wortspiele machen in der ein-zu-eins Übersetzung plötzlich keinen Sinn mehr, man versteht es nicht und es ist auch nicht mehr lustig. Und damit Asterix lustig bleibt - das ist ja der Hauptsinn der Geschichte – muss man eben neue Gags erfinden.

Klaus Jöken

Klaus Jöken stammt aus Kleve, hat Geschichte studiert und hunderte Comics übersetzt, aber auch Romane und Sachbücher. Seit fast 30 Jahren lebt er in Frankreich. Der neue Asterix-Band ist der sechste, den er übersetzt hat.

WDR: Dürfen Sie ein Beispiel aus dem neuen Heft verraten, damit man besser versteht, wie Sie arbeiten?

Jöken: Das fängt schon bei den Namen an. In der neuen Geschichte kommt der Sohn des Fischhändlers vor. Der heißt im Französischen „Blinix“, das kommt von Blinis, diesen kleinen Teigwaren, die man gerne mit Fischeiern belegt. Das kennt in Deutschland aber kaum jemand. Der Name sollte griffig sein, aber auch irgendwas mit Essen zu tun haben. Also hab ich ihn „Aspix“ genannt. Die Heldin heißt übrigens „Adrenaline“. Das sagt ja eigentlich schon alles und funktioniert auch im Deutschen. Deshalb hab ich den Namen in der Übersetzung auch gelassen.

WDR: Über Adrenaline dürfen Sie noch nichts verraten, aber ein Titelbild ist schon bekannt. Da erinnert sie ein bisschen an Greta Thunberg?

Jöken: Das hab ich schon öfter gehört. Aber ich versichere, der Comic war schon fertig gezeichnet, bevor Greta Thunberg bekannt wurde. Vielleicht hat die Wirklichkeit den Zeichner da eingeholt.

WDR: Gibt es Feedback der Fans, wenn das neue Heft draußen ist oder kriegt die Kritik eher der Autor ab?

Jöken: Die Fans sind schon sehr kritisch. Da wird auch über die Übersetzung diskutiert. Und ich gucke dann schon mal in die einschlägigen Foren. Man kann da durchaus was lernen. Ich mische mich aber nie ein.

WDR: Was machen Sie eigentlich, wenn Sie nicht gerade den Asterix übersetzen?

Jöken: Dann übersetze ich Lucky Luke.

Das Gespräch führte Katja Goebel

Die grausamen Riten der Gallier

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 07.11.2018 05:56 Min. Verfügbar bis 07.11.2023 WDR 5

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Stand: 24.10.2019, 06:00

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