Wohnen wird zum Armutsrisiko - auch in NRW

Wohnen wird zum Armutsrisiko - auch in NRW

Von Frank Menke

  • NRW-Wohnungskrise in der Mitte der Gesellschaft angekommen
  • Steigende Mieten erhöhen Schulden- und Armutsrisiko
  • Mieterbund: Zu wenig öffentlich geförderter Wohnraum

Selbst Haushalte mit mittleren Einkommen können wegen gestiegener Wohnkosten oft kaum noch Rücklagen bilden für Rechnungen oder Reparaturen. Das teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung am Mittwoch (15.05.2019) mit.

Die hohen Wohnkosten seien ein Überschuldungsrisiko. Die beständig steigenden Mieten können Menschen sogar in die Armut treiben - auch in ganz NRW und nicht nur in begehrten Großstädten wie Köln, Düsseldorf oder Münster.

Kritisch: Mehr als 30 Prozent Ausgaben fürs Wohnen

Laut einer Berechnung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung müssen statistisch zum Beispiel 50 Prozent der Neusser und 45 Prozent der Mönchengladbacher mindestens 30 Prozent ihres monatlichen Einkommens für die Bruttokaltmiete aufwenden. "Wenn der Wohnanteil der Haushaltsausgaben über 30 Prozent liegt, spricht man von einem Armutsrisiko", sagt Silke Gottschalk, Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbundes NRW.

Teure Wohnungen - Wie Vermieter die Mietpreisbremse umgehen Westpol 12.05.2019 UT DGS Verfügbar bis 12.05.2020 WDR

Die Wohnungskrise spüren längst nicht mehr nur Menschen in prekären Lebensverhältnissen. "In Städten wie Düsseldorf oder Köln haben mehr als 50 Prozent der Bevölkerung - Familien, Auszubildende, Studenten und viele alte Leute - Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein", sagt Mieterbund-Geschäftsführerin Gottschalk. Das zeige, dass hohe Mieten kein Randproblem mehr seien, sondern dieses Problem in der Mitte der Bevölkerung angekommen ist.

Besonders benachteiligt bei der Wohnungssuche sind laut Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung verschuldete Menschen, wenn sie einen negativen Schufa-Eintrag haben. Die Schuldnerberater fordern, dass die Vergabe von Sozialwohnungen nicht mehr von einer Auskunft zur Kreditwürdigkeit abhängig gemacht wird.

Die Krise in Zahlen

Ein kurzfristiger Ausweg aus der Misere ist augenscheinlich nicht in Sicht. Laut Mieterbund sind die Mietpreise in NRW in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich von 6,99 Euro auf 9,78 Euro pro Quadratmeter gestiegen.

Schon 2017 waren 32.300 Menschen in NRW ohne Wohnung, 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das sei auch eine Folge davon, dass die Zahl der derzeit rund 545.000 preisgebundenen Wohnungen in NRW stetig abnehme, sagt das vom Mieterbund mitgetragene NRW-Aktionsbündnis "Wir wollen wohnen".

Micro-Apartments: Goldgrube oder geniale Idee gegen Wohnungsnot?

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 07.05.2019 03:57 Min. Verfügbar bis 05.05.2020 WDR 5 Von Noelle O'Brien-Coker

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Zu wenige Baumaßnahmen

2018 seien nur 6.159 öffentlich geförderte Mietwohnungen und damit 820 weniger als im Vorjahr gebaut worden. Das Bündnis geht davon aus, dass mindestens rund 20.000 jährlich erforderlich wären, um allein den Wegfall von Sozialwohnungen durch Auslaufen der Preisbindung aufzufangen.

Stand: 15.05.2019, 18:50

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