Armutsfalle Pflege: Fragen und Antworten

Symbolbild Pflege

Armutsfalle Pflege: Fragen und Antworten

  • Pflege als Karrierekiller
  • Einbußen bei der Rente
  • Studie: Frauen benachteiligt

Pflege von kranken oder dementen Angehörigen wird in Deutschland überwiegend von Frauen geleistet - viele müssen dafür ihre Arbeit aufgeben. Wegen damit verbundener Lohnausfälle sind Betroffene laut einer neuen Studie des Sozialverbands Deutschland (SoVD), die am Dienstag (29.10.2019) vorgestellt wurde, oft von finanziellen Risiken bis ins Alter bedroht. Fragen und Antworten.

Wer ist betroffen?

Drei Viertel der rund 3,4 Millionen pflegebedürftigen Menschen werden laut Statistischem Bundesamt zu Hause versorgt - davon fast 1,8 Millionen allein von Angehörigen. Meistens sind es die Frauen, die sich um die Angehörigen kümmern - zu 68 Prozent. Je nach Schwere der Krankheit ist es den Pflegenden gar nicht mehr möglich, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Viele sind auf Hartz-IV angewiesen.

Der SoVD-Studie zufolge haben 35 Prozent aller Hauptpflegepersonen im Erwerbsalter gar keinen regulären Vollzeit-Job. 26 Prozent sind in Teilzeit, 10 Prozent gering und nur 28 Prozent voll beschäftigt. Bei einer durchschnittlichen Pflegezeit von 21 Stunden in der Woche ist es für die meisten Betroffenen unmöglich, noch viel Energie in ihre Karriere zu investieren.

Was sind die finanziellen Auswirkungen?

Wie sich Pflegezeiten konkret auf Altersarmut auswirken, ist wissenschaftlich noch nicht erforscht. Zwar erhalten Angehörige auf Antrag ein Pflegegeld zwischen 315 und 901 Euro im Monat, dies kann die Einkommensverluste aber meist nicht ausgleichen. Aus der Pflegekasse werden auch Rentenversicherungsbeiträge bezahlt.

Mama pflegen: Schaffe ich das? Unterwegs im Westen 04.02.2019 29:06 Min. UT Verfügbar bis 04.01.2020 WDR Von Jule Sommer, Udo Kilimann

Nach Ansicht von Susanne Hallermann von der Initiative "Armut durch Pflege" sind für pflegende Frauen Einbußen bei der Rente dennoch der Normalfall. Denn die Rentenleistungen würden erst ab einer bestimmten Pflegestufe bezahlt. Wenn eine professionelle Pflegekraft stundenweise ins Haus komme, würden die Beiträge weiter reduziert.

Was würde den Pflegenden helfen?

Die Studienautoren fordern einen angemessenen finanziellen Ausgleich für die Pflegearbeit. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte im Sommer ein Familienpflegegeld analog zum Elterngeld vorgeschlagen - also eine Lohnersatzleistung für einen gewissen Zeitraum. Derzeit sieht es aber nicht aus, als werde dies zeitnah realisiert.

Für Pflegeexpertin Hallermann muss die systematische Benachteiligung pflegender Frauen bei der Rente beendet werden. Es sei ein "strukturelles Problem" und eine "Ohrfeige" für Betroffene.

Pflegenotstand "absurd": Wie Flüchtlinge vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden Monitor 19.09.2019 07:11 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste Von Lara Straatmann, Nikolaus Steiner

Stand: 29.10.2019, 17:59

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