Antibiotika sinnvoll und richtig einsetzen

Antibiotika sinnvoll und richtig einsetzen

Von Thomas Schwarz

  • Zahl der Antibiotika-Verschreibungen weiterhin zu hoch
  • Immer mehr Keime sind resistent
  • Aktionswoche soll informieren und sensibilisieren

Zu oft und oft falsch genutzt – der Umgang mit Antibiotika macht den Akteuren der Gesundheitsbranche in Nordrhein-Westfalen Sorgen. Nach Angaben der AOK NordWest in Dortmund ist die Zahl der Antibiotika-Rezepte in NRW im ersten Halbjahr 2019 zwar um 14 Prozent auf 3,7 Millionen gesunken. Sie liegt damit aber immer noch zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

EU-Umfrage: Unnötige Vergabe von Antibiotika

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 18.11.2019 03:13 Min. Verfügbar bis 17.11.2020 WDR 5 Von Oda Lambrecht und Christian Baars

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Aktionswoche soll informieren und sensibilisieren

Die Hand einer Apothekerin greift in einer Apotheke in ein Regal mit Medikamenten

Griff in das Medikamentenregal einer Apotheke: Werden Antibiotika zu häufig verschrieben?

Gesundheitsministerium, Ärzte- und Apothekerkammern, Kassenärztliche Vereinigungen, Krankenhausgesellschaft, Krankenkassen und Patientenberatung NRW beklagen die falsche Verwendung. "Das wollen wir unbedingt ändern mit unserer gemeinsamen Kampagne `Rationale Antibiotikaversorgung in NRW`", sagt AOK-Vorstandschef Tom Ackermann.

Noch bis zum kommenden Sonntag (16.02.2020) laufen Aktionstage, um Menschen zu informieren - auf Wochenmärkten, in Apotheken, Arztpraxen und Krankenhäusern. Zudem haben Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen und Ärzte- und Apothekerkammern diverse Beratungstelefone geschaltet.

Immer mehr Keime sind resistent

Ziel ist es, die Menschen über den sinnvollen Einsatz von Antibiotika aufzuklären und für einen sorgsamen Umgang damit zu sensibilisieren. Das ist nach Ansicht von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bitter nötig – sonst könnten Ärzte in 20 oder 30 Jahren gegenüber Infekten "ziemlich machtlos" sein.

Denn immer mehr Antibiotika verlieren ihre Wirkung, weil immer mehr Keime resistent sind. "Das ist ein dickes Problem im Gesundheitssystem", sagt der Minister. Um es zu lösen, sollten sich Patienten nicht bei jeder Erkältung und jedem Infekt gleich ein Antibiotikum verschreiben lassen, sondern zunächst mal zu Hausmitteln greifen – also im wahrsten Sinne des Wortes abwarten und Tee trinken.

Multiresistente Keime durch Antibiotika? Hier und heute 11.02.2020 07:23 Min. Verfügbar bis 11.02.2021 WDR

Antibiotika-Verbrauch mit speziellen Visiten senken

In Krankenhäusern ist der Antibiotika-Verbrauch durch das Antibotic Stewardship (ABS), einem Programm für eine optimale antimikrobielle Therapie, teilweise um bis zu einem Drittel zurückgegangen. Im Rahmen spezieller Visiten überprüfen ABS-Teams aus einem Mikrobiologen/Infektiologen, einem Apotheker und einem ABS-beauftragten Arzt regelmäßig die Antibiotika-Therapie der Patienten und passen sie zielgerichtet an.

Ein Problem ist dabei nach Ansicht von Dr. Hans-Albert Gehle, dass die Einsparungen bei den Antibiotika die Kosten von ABS-Teams nicht aufwiegen. "Und da habe ich Forderungen an die Politik, die sie auch erfüllen sollte", sagt der Intensivmediziner und Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Wer moderne Medizin wolle, müsse sie auch bezahlen.

Schnelltests zum Erreger-Nachweis forcieren

Die niedergelassenen Ärzte, die für rund 85 Prozent der Antibiotika-Verordnungen verantwortlich sind, gehen sorgsam mit diesen Medikamenten um, betont der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo), Dr. Karlheinz Großgarten.

Jeder rheinische Arzt bekommt von der KVNo regelmäßig eine Übersicht, welche Mengen und Wirkstoffe er verschrieben hat und wie er damit im Vergleich zu anderen Ärzten liegt. Ein Modellprojekt im Ruhrgebiet belegt zudem, dass Ärzte gezielter Antibiotika verordnen, wenn Schnelltests zum Erreger-Nachweis eingesetzt werden. "Das ist ein Thema, das man weiter forcieren sollte", fordert Großgarten.

Stand: 15.02.2020, 06:00

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