Wissenslücken bei Antibiotika - wie man sich schützen kann

Gefährliche Antibiotika Markt 30.10.2019 07:54 Min. UT Verfügbar bis 30.10.2020 WDR

Wissenslücken bei Antibiotika - wie man sich schützen kann

Von Jörn Seidel

  • EU-Behörde sieht Wissenslücken bei Antibiotika
  • Rechnungshof: 33.000 Todesfälle in EU wegen Resistenzen
  • Patienten können Tests verlangen

Beim Umgang mit Antibiotika gibt es laut eines EU-Berichts vom Montag (18.11.2019) unter europäischen Ärzten, Apothekern und Pflegern weiter Wissenslücken. Demnach sind die Unterschiede zwischen den Ländern und Berufen teils ergeblich. Deutschland landete bei der Befragung im oberen Mittelfeld.

Jährlich 33.000 Tote in EU wegen Resistenzen

Generell sei das Wissen über Antibiotika-Resistenzen allerdings hoch, teilte das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) mit. Erst am Freitag (15.11.2019) hatte der Europäische Rechnungshof bemängelt, dass in der EU jährlich rund 33.000 Menschen an Infektionen durch Antibiotika-resistente Bakterien sterben.

Wie oft und warum werden Antibiotika falsch verordnet?

Mediziner schätzen, dass etwa ein Drittel aller Antibiotika nicht verschrieben werden müsste. Genauere Zahlen gibt es für Erkältungen: Laut Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse bekam in Deutschland rund jeder fünfte Patient, der 2018 wegen einer Erkältung krankgeschrieben war, von seinem Arzt ein Antibiotikum verordnet.

Der Trend ist rückläufig: 2017 war es jeder vierte Patient. Trotzdem bleibt die Zahl hoch. Denn die meisten Erkältungsinfekte mit Symptomen wie Schnupfen oder Husten werden durch Viren hervorgerufen. Antibiotika helfen aber nur gegen Bakterien.

Erkältung und Grippe – was wirklich hilft Quarks 22.01.2019 44:34 Min. UT DGS Verfügbar bis 22.01.2024 WDR

Welche Gefahr erwächst aus falschen Verordnungen?

Bei der Einnahme von Antibiotika entwickelt der Körper Resistenzen. Werden unnötig viele Antibiotika eingenommen, kann es zu unnötig vielen Resistenzen kommen. Benötigt ein Patient irgendwann wirklich dringend ein Antibiotikum, kann es sein, dass das Antibiotikum nicht mehr wirkt.

Besonders problematisch: Einerseits entstehen laut Forschern immer mehr multiresistente Keime. Andererseits kommen immer weniger neue Antibiotika auf den Markt. Als Grund vermuten Kritiker, dass Pharmaunternehmen mit der Erforschung kaum Gewinn machen.

Modellprojekt: Weniger Antibiotika!

WDR 5 Westblick - aktuell 23.10.2019 03:16 Min. Verfügbar bis 22.10.2020 WDR 5

Download

Wie kann ich mich vor unnötigen Antibiotika schützen?

Patienten können ihren Arzt fragen, ob die Krankheit wirklich von einem Bakterium verursacht wurde und ihn um einen Test bitten. Für einige Krankheiten wie Mandelentzündung oder Scharlach gibt es einen Schnelltest. Dieser kann aber ungenau sein. Bei anderen Krankheiten dauert der Test mehrere Tage.

Übrigens: In Nordrhein-Westfalen werden im Bundesvergleich besonders viele Antibiotika verschrieben. Wie in Rheinland-Pfalz und im Saarland bekamen in NRW 2018 mehr als 50 Prozent der ambulanten Patienten ein Antibiotikum verschrieben, das im ganzen Körper wirkt.

Weniger Antibiotika, mehr Beratung

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 23.10.2019 05:23 Min. Verfügbar bis 22.10.2024 WDR 5 Von Christiane Tovar

Download

Stand: 18.11.2019, 09:00

Kommentare zum Thema

7 Kommentare

  • 7 Cedric 19.11.2019, 20:01 Uhr

    Meine neue Ärztin wollte mir keines verschreiben - und ich wollte keins haben - also haben wir uns darauf geeinigt einen Test zu machen - ich habe von ihr zum ersten Mal gehört das so etwas gemacht werden kann und von der Krankenkasse getragen wird .... wir verstehen beide nicht warum dies nicht von viel mehr Ärzten gemacht wird .....

  • 6 Karl-Friedrich Holtz 19.11.2019, 11:43 Uhr

    Nicht der Körper sondern die Bakterien entwickeln Resistenzen gegen Antibiotika.

  • 5 Jean 19.11.2019, 11:21 Uhr

    tja, aber wer will denn von seinem Arzt hören nehmen sie 2 ASS und legen sie sich ins Bett? Es sind ja auch die Patienten die Fordern und mit schlechten Bewertungen drohen, wenn sie nicht bekommen was sie wollen.

    Antworten (1)
    • Zahnarzt vom Lande 19.11.2019, 14:58 Uhr

      Da gebe ich Ihnen Recht. Ich sehe häufig das Strahlen in den Augen der Patienten wenn man ihnen ein AB verschreibt.

  • 4 hoe'oe 19.11.2019, 10:51 Uhr

    Antibiotika helfen nicht gegen durch Viren verursachte Erkrankungen, wie Schnupfen, Grippem und übliche "Erkältungen". Wenn allerdings der Patient die Erkältung verschleppt hat (in unserer modernen Arbeitswelt gar nicht so unüblich) und die Gefahr einer Lungenentzündung besteht, sollte mit der Gabe eines Antibiotikums nicht gezögert werden, denn eine Lungenentzündung ist, unbehandelt, schnell lebensgefährlich. Hier muß der Arzt sorgfältig untersuchen und abwägen.

  • 3 Victor 18.11.2019, 19:08 Uhr

    Bei den meisten Krankheitserscheinungen geht es auch ohne Antibiotika. Ganz viele Lebensmittel beinhalten ähnliche Wirkstoffe ohne jede Nebenwirkungen. Z.B. Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Kurkuma - auch ganz vorne dran Brokkoli, alle Kohlsorten. Wichtig ist herauszufinden ob es sich wirklich um bakterielle Infektionen handelt oder nur um einfache Erkältungserscheinungen. Das Medikament ist zu wichtig um für Ängstlichkeiten missbraucht zu werden.

  • 2 moritz 18.11.2019, 10:24 Uhr

    Tja schade einer unserer größten Medizinischen Trümpfe unserer Zeit wird für ein paar Kröten "verkauft". Antibiotikaeinsatz müsste meiner meinung nach ähnlich streng reguliert werden wie der einsatz von Morphium....

  • 1 Schlaumeier 25.10.2019, 09:30 Uhr

    Nach meiner Kentniss entwickelt nicht der Körper, also der Mensch, durch zu häufige Einnahme Resistenzen, sondern es handelt sich um Mutationen des Bakteriums, stärker, je mehr Antiobiotika mit dem Bakterium zusammentreffen. "Nur die starken Bakterien überleben" Es entwickeln sich also im Körper des Bakteriums Resistenzen. Das ist unklar formuliert und auch im Filmbeitrag missverständlich dargestellt.

Aktuelle TV-Sendungen