Antibiotika: Schutz vor falscher Verschreibung

Gefährliche Antibiotika Markt 30.10.2019 07:54 Min. UT Verfügbar bis 30.10.2020 WDR

Antibiotika: Schutz vor falscher Verschreibung

Von Jörn Seidel

  • Wohl rund ein Drittel der Antibiotika-Rezepte unnötig
  • Gefahr: Antibiotika können nicht mehr wirken
  • Patienten können sich schützen

Viele Antibiotika werden unnötig verschrieben. Wie oft kommt das vor? Was hat das für Folgen? Und wie kann man sich dagegen schützen?

Wie oft und warum werden Antibiotika falsch verordnet?

Rund jeder fünfte Patient, der im vergangenen Jahr wegen einer Erkältung krankgeschrieben war, bekam von seinem Arzt ein Antibiotikum verordnet. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse. 2017 war es noch jeder vierte Patient. Der Trend ist also rückläufig.

Trotzdem ist die Zahl noch hoch. Denn die allermeisten Erkältungsinfekte mit Symptomen wie Schnupfen oder Husten werden durch Viren hervorgerufen. Antibiotika helfen aber nur gegen Bakterien. Mediziner schätzen, dass etwa ein Drittel aller Antibiotika nicht verschrieben werden müsste.

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Welche Gefahr erwächst aus falschen Antibiotika-Verordnungen?

Bei der Einnahme von Antibiotika entwickelt der Körper Resistenzen. Werden unnötig viele Antibiotika eingenommen, kann es zu unnötig vielen Resistenzen kommen. Benötigt ein Patient irgendwann wirklich dringend ein Antibiotikum, kann es sein, dass das Antibiotikum nicht mehr wirkt.

Das ist besonders problematisch, weil immer mehr multiresistente Keime entstehen, warnen Forscher. Gleichzeitig kommen immer weniger neue Antibiotika auf den Markt. Pharmaunternehmen haben deren Erforschung stark zurückgefahren - weil sie damit kaum Gewinn machen können, vermuten Kritiker.

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Wie kann ich mich vor unnötigen Antibiotika schützen?

Patienten können ihren Arzt fragen, ob die Krankheit wirklich von einem Bakterium verursacht wurde und ihn um einen Test bitten. Für einige Krankheiten wie Mandelentzündung oder Scharlach gibt es einen Schnelltest, der allerdings ungenau sein kann. Bei anderen Krankheiten dauert der Test mehrere Tage.

Ein Modellprojekt in Duisburg und Essen hat jetzt gezeigt, dass Ärzte rund 20 Prozent weniger Antibiotika verschreiben, wenn sie konsequent Tests anwenden.

Gemessen wurde das an Patienten mit Harnwegsinfektionen oder mit Entzündungen im Mund-Rachen-Raum. Noch sind Tests für Ärzte aber nicht verpflichtend.

Übrigens: In Nordrhein-Westfalen werden besonders viele Antibiotika verschrieben. Wie auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland bekamen in NRW 2018 mehr als 50 Prozent der ambulanten Patienten ein Antibiotikum verschrieben, das im ganzen Körper wirkt.

Das gab das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung bekannt. Ganz anders in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt - dort bekamen weniger als 40 Prozent der ambulanten Patienten Antibiotika verordnet.

Stand: 23.10.2019, 21:15

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 Schlaumeier 25.10.2019, 09:30 Uhr

    Nach meiner Kentniss entwickelt nicht der Körper, also der Mensch, durch zu häufige Einnahme Resistenzen, sondern es handelt sich um Mutationen des Bakteriums, stärker, je mehr Antiobiotika mit dem Bakterium zusammentreffen. "Nur die starken Bakterien überleben" Es entwickeln sich also im Körper des Bakteriums Resistenzen. Das ist unklar formuliert und auch im Filmbeitrag missverständlich dargestellt.

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