Rekord-"Hitzewelle" in der Antarktis

Stand: 20.03.2022, 17:34 Uhr

In der Antarktis werden seit Tagen extrem hohe Temperaturen gemessen - teilweise rund 30 Grad mehr als für die Jahreszeit üblich. Hält das Phänomen an, könnte sich die Eisschmelze rasant beschleunigen.

Die Forschungsstation Dome Concordia in einer Höhe von 3.000 Metern habe am Freitag einen "Hitze"-Rekord von minus 11,5 Grad Celsius registriert, teilte der Meteorologe Etienne Kapikian von Météo-France auf Twitter mit. Üblicherweise fallen die Temperaturen in der Antarktis mit dem Ende des Sommers auf der Südhalbkugel stark. Auch die Station Dumont d'Urville registrierte mit 4,9 Grad Celsius eine Rekordtemperatur für den Monat März.

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Am kältesten war der 18. März mit 0,2 Grad plus. Um diese Jahreszeit liegen die Temperaturen normalerweise bereits unter Null. Das ungewöhnlich milde Wetter im Osten des eisigen Kontinents sei ein "historisches Ereignis", erklärte Gaetan Heymes von Météo-France. 

Klimaforscher: "Die Antarktis war lange stabil"

Klimaforscher blicken mit großer Sorge auf die "Hitzewelle" am Südpol. "Die Antarktis war lange Zeit relativ stabil", erklärte der Hamburger Klimaforscher und Meteorologe Mojib Latif am Sonntag im Gespräch mit dem WDR. In den vergangenen 20 Jahren habe dann der Trend zur Erwärmung auch am südlichsten Punkt des Planeten eingesetzt. "Das ist sehr besorgniserregend."

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Mojib Latif, Meteorologe und Klimaforscher.

Mojib Latif

Insbesondere die immer schnellere Eisschmelze in der Antarktis könne auf lange Sicht ein echtes Problem für die Welt werden, warnte Latif. "Wir hatten gerade jetzt einen neuen Tiefststand beim arktischen Meereis." Das werde unweigerlich zu steigenden Meeresspiegeln beitragen - besonders weil das Phänomen auch am Nordpol beobachtet wird.

Anstieg der Meeresspiegel befürchtet

Auch wenn die Antarktis 14.000 Kilometer von Deutschland entfernt ist - die Auswirkungen würden irgendwann auch an den deutschen Küsten spürbar sein, warnt Latif. "Im Moment reden wir über einen Anstieg an der Nordsee um 30 Zentimeter seit 1900. Das wird sich in den nächsten Jahrzehnten aber noch dramatisch beschleunigen."

Noch gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis, dass die aktuellen Temperaturen am Südpol unmittelbare Folge des Klimawandels sind. Doch der Verdacht liegt nahe: Die Häufung und Intensivierung von Hitzewellen werden von den allermeisten Klimaforschern als Resultat der allgemeinen Erderwärmung betrachtet. Die Pole heizen sich dabei schneller auf als der Rest des Planeten. Global liegt die durchschnittliche Temperatur aktuell 1,1 Grad Celsius über dem Niveau des vorindustriellen Zeitalters

Über dieses Thema berichten wir am 20.03.22 in der Aktuellen Stunde im WDR Fernsehen um 18:45 Uhr.

Schmelzendes Eis – Antarktis im Klimawandel

Planet Wissen 25.01.2022 58:49 Min. UT Verfügbar bis 12.02.2026 SWR

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