Anne-Frank-Gedenken: Wie Geschichte vermitteln?

Im Bild eine Schülerin mit dem Tablet mit geöffneter App Kriegskinder-

Anne-Frank-Gedenken: Wie Geschichte vermitteln?

Von Dominik Reinle

  • Anne Frank wäre heute 90 Jahre alt
  • In Gütersloh eröffnet Zeitzeuge bundesweiten Aktionstag an Schulen
  • Wie kann die Erinnerung zukünftig wachgehalten werden?

Anne Franks Geburtstag jährt sich am Mittwoch (12.06.2019) zum 90. Mal. Bundesweit erinnern rund 40.000 Schüler an 250 Schulen an das jüdische Mädchen, ihr Tagebuch und die sechs Millionen Opfer des Holocaust.

Zum Auftakt dieses Aktionstages sprach Zeitzeuge Pieter Kohnstam an der Anne-Frank-Gesamtschule in Gütersloh. Er lebte als Kind bis 1942 in direkter Nachbarschaft der Familie Frank in Amsterdam und ist wahrscheinlich einer der letzten Zeitzeugen, der Anne Frank persönlich kannte.

Anne Franks Freundin in Köln

Bereits letzte Woche war Anne Franks Freundin Jacqueline van Maarsen in Köln. Sie war bei der Vorstellung eines neuen Kapitels der WDR History App dabei.

Ab Mittwoch steht die Erweiterung "Unsere Freundin Anne Frank" im AppStore und kurze Zeit später im Google Play Store zur Verfügung. Darin kommt auch Annes Schulfreundin Hannah Elisabeth Goslar zu Wort.

Wie erinnern ohne Zeitzeugen?

Die Frage, wie in Zukunft an den Holocaust erinnert werden kann, stellt sich immer dringender. Die betagten Zeitzeugen werden bald keine Auskunft mehr geben können.

Neue Wege geht zum Beispiel das Projekt "Eva Stories": Die Tagebücher der in Auschwitz ermordeten ungarischen Jüdin Eva Heymann wurden für Instagram verfilmt. Damit sollen vor allem junge Leute erreicht werden.

"Eva Stories": Holocaust-Gedenken auf Instagram

WDR 5 Töne, Texte, Bilder - Beiträge 04.05.2019 04:10 Min. WDR 5 Von Tim Assmann

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"Jedes Medium geeignet"

Für die Historikerin Karola Fings vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln ist es durchaus sinnvoll, auch Soziale Netzwerke in das Gedenken einzubinden: "Jedes Medium, das Menschen erreichen kann, ist geeignet."

Allerdings unter einer Bedingung: "Die Geschichte sollte angemessen erzählt werden." Die Opfer dürften nicht instrumentalisiert oder in ihrer Würde herabgesetzt werden. "Historische Sachverhalte dürfen nicht banalisiert oder verfälscht werden."

Auch Spielfilm oder Comic zulässig

Neue Erzählformen gebe es immer wieder, sagte Fings dem WDR. So sei die TV-Serie "Holocaust" 1979 "ein wichtiger Wendepunkt in der Wahrnehmung dieser Menschheitsverbrechen" gewesen. Damals sei diskutiert worden, ob es zulässig sei, das Thema als Spielfilm zu behandeln.

Auch der erste Comic zum Holocaust habe 1989 für Debatten gesorgt. "Aus meiner Sicht spricht jedoch nichts gegen eine fiktionale Bearbeitung, wenn deutlich wird, dass es sich nicht eins zu eins um Geschichte handelt."

Kein Ende der Auseinandersetzung

Für Fings steht fest: "Das Ende der Zeugenschaft der Erlebnisgeneration bedeutet nicht das Ende der Geschichte und der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus."

Allerdings hätten die Überlebenden der NS-Verfolgung eine wichtige Wächterfunktion gehabt. "Diese Lücke gilt es zu füllen."

Wie heute an Anne Frank erinnert wird

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur 12.06.2019 05:37 Min. WDR 5 Von Susanne Wankell

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Stand: 12.06.2019, 13:30

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